© Dok.fest München

„Sollen wir warten, bis das Kino tot ist?“

Donnerstag, 20.05.2021

Der Leiter des Münchner DOK.fests, Daniel Sponsel, fordert ein radikales Umdenken bei der Filmförderung und in der Filmbranche, um die digitale Lehren aus der Corona-Pandemie zu berücksichtigen

Diskussion

Daniel Sponsel hat als Künstlerischer Leiter des DOK.fest München 2020 und 2021 mit erfolgreichen Online-Ausgaben seines Festivals digitales Neuland erobert. Für ihn ergeben sich aus den Erfahrungen der Corona-Pandemie unmittelbare Forderungen an die Filmbranche, etwa die Notwendigkeit einer „Digitalen Leinwand“. Die Filmförderung muss deshalb radikal umgebaut werden. Ein Gespräch über die digitalen Lehren aus der Corona-Pandemie und über weitere Konsequenzen aus der Krise der Kinos.


Sie haben 2020 mit dem DOK.fest München als eines der ersten Filmfestivals eine „Corona-Ausgabe“ organisieren und sind komplett online gegangen. Das war ein großer Erfolg mit einer erheblichen Steigerung der Zuschauerzahlen. In diesem Jahr mussten Sie die Online-Ausgabe wiederholen. Doch schon nach dem ersten Versuch haben Sie Konsequenzen gezogen, die gleichzeitig auf die grundsätzliche Kinokrise reagierten. Sie fordern eine engere Verzahnung von Kinovorführung und „Digitaler Leinwand“, also die Möglichkeit für Kinos und Verleiher, auch die digitalen Techniken zu nutzen. Damit verbunden plädieren Sie für einen radikalen Umbau der Filmförderung. Ist in einer der größten Krisen des Kinos dafür jetzt der richtige Moment?

Daniel Sponsel: Sollen wir denn erst warten, bis das Kino tot ist? Wenn, dann müssen wir doch jetzt etwas tun. Wir wollen doch etwas retten! Darum können wir nicht warten, bis der Patient tot ist, um diesen dann wiederzubeleben. Alle, die jetzt auf einem Weiter-so beharren und an traditionellen Antworten auf diese ganz außergewöhnliche Krise festhalten, etwa in der Sperrfristen-Debatte, in der sich seit Jahren nichts bewegt, die schaufeln gerade ihr eigenes Grab.


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Manche befürchten, dass Sie das Kino als Ort leichtfertig preisgeben. Was sind Ihre Argumente?

Sponsel: Die Debatte, die wir seit einem Jahr führen, ist im Grunde älter als Corona. Sie war in der Filmbranche international schon seit fünf oder sechs Jahren latent präsent. Seitdem die Streaming-Dienste auf den Plan getreten sind, und erst recht, seitdem diese selbst produzieren. Damit werden auch Inhalte verschoben – und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es geht nicht länger nur um die Frage: „Wo schaue ich was?“ Sondern auch um die Frage: „Was schaue ich?“ Mit den Serien und den anderen kürzeren Formaten hat sich das filmische Erzählen grundsätzlich verschoben. Die bisherige Debatte greift insofern zu kurz, als dass wir noch immer vor allem darüber streiten, ob das Kino als Kino genauso zu erhalten ist, wie es in den letzten Jahrzehnten existiert hat. Anstatt dass wir über die viel wichtigere Frage reden: Was geschieht denn mit den Inhalten? Was geschieht mit der Filmkultur?

Wir müssen also zunächst einmal zwischen Kinokultur und Filmkultur unterscheiden?

Sponsel: Genau! Die ersten gut 50 Jahre der Filmgeschichte war das Kino der Mittelpunkt für alles. Es wurde nur fürs Kino produziert und es wurde alles nur im Kino abgespielt. Dann trat das Fernsehen als Konkurrent auf den Plan. Bereits das veränderte ungemein viel. Denn das Fernsehen hat zwar vieles abgespielt, was zuvor im Kino lief. Zugleich aber hat es von Anfang an auch eigene Formate kreiert. Es gab seitdem ein zweites Laufbild-Medium. Damit hatte das Kino sein Alleinstellungsmerkmal verloren. Dann kamen seit den 1970er-Jahren Videoformate und die Videotheken, später auch die DVDs. Eine dritte Konkurrenz. Seitdem wir nun das Internet mit seinen verschiedensten Anbietern haben, nicht zuletzt freie Plattformen wie etwa YouTube, und seit einigen Jahren auch noch die Streaming-Dienste, hat das Kino noch mehr Konkurrenten. Wobei die Konkurrenz der Streaming-Dienste wohl die schärfere und auch gefährlichere Konkurrenz ist, denn die Streamer sind gleichzeitig Abspielstätten, die früher oder später auch eigene Kinos betreiben werden, wie auch Produzenten. Das verändert den Content: Erzählweisen, Schnitt-Rhythmus, unsere ganzen Sehgewohnheiten.




Und das schlägt aufs Kino zurück!

Sponsel: Ja! Für mich geht der Kampf um die Filmkultur und um den Erhalt der Filmkultur weniger darum, einfach nur die Kinos zu retten. Um es ganz unzweideutig zu sagen: Die Kinos sollten immer noch der Mittelpunkt einer bestimmten Filmkultur sein. Aber wenn wir ernsthaft darüber reden wollen, wie wir diese Art von Filmkultur retten wollen, an die wir uns so sehr gewöhnt haben und die wir so sehr lieben, dann müssen wir sie auch ökonomisch retten. Das Kino ökonomisch zu retten, kann aber nur bedeuten, dass wir die Verwertungsketten erweitern müssen. Darum ist die digitale Leinwand, über deren Einrichtung inzwischen immerhin diskutiert wird, eine Ergänzung der realen Leinwand – um diese zu sichern, nicht um ihr den Rang abzulaufen. Das ist alles. Denn wenn uns das Geld ausgeht, dann werden die anderen vorführen und produzieren. Und die zeigen dann nur noch ihre Inhalte.

Ein Festival hat da aber immer noch eine eigene Interessenslage. Wenn Filme jetzt allgemein digital gestreamt werden, dann bedeutet das für die Filmemacher, dass ein neuer Film vielleicht zuerst noch im Kino läuft, aber nach einer Woche vielleicht schon auf die digitale Leinwand verschoben wird. Vor Corona gab es im Schnitt ja schon 13 Filme pro Woche, rund 650 Filme im Jahr. Eine enorme Flut. Was gegen das Modell einer Digitalen Leinwand zu sprechen scheint, sind zum einen die Gesetze der Filmförderung. Alle Verbände, ganz vorne die AG Kino, wehren sich seit vielen Jahre komplett gegen parallele Streaming-Auswertungen. Dagegen sprechen auch die Bedenken von Produzenten und Weltvertrieben, ob man einen Film dann noch digital verkaufen kann. Es sind also ebenfalls ökonomische Argumente, die dagegen zu stehen scheinen.

Sponsel: Das sind alles richtige Bemerkungen. Nur sind das eben auch genau die Punkte, über die man reden muss, und bei denen man die Dinge nicht so lassen kann, wie sie sind. Man muss und man kann Gesetze ändern. Das Grundgesetz hat über 50 Jahre lang den Einsatz der Bundeswehr im Ausland verboten. Ein entscheidender Satz eines Außenministers, und schon war das Gesetz geändert. Wenn eine so gravierende Novellierung des Grundgesetzes geht, sollte das mit dem Filmfördergesetz auch möglich sein, wenn bestimmte neue Einsichten vorliegen. Wir müssen nur aufpassen, dass der Dialog hierüber nicht zu einem Grabenkampf wird. Unser Ziel ist nicht die Abschaffung des Kinos, sondern die Rettung des Kinos! Das sollte spätestens mit der Corona-Krise doch bei jedem angekommen sein. Wir müssen die Distributionskette modernisieren, um sie zu retten und um mit ihr das Kino zu retten – auch ökonomisch. Wenn wir uns dieser Modernisierung mit erweiterten Reichweiten und Erlösmodellen verweigern, weil wir uns lieber auf dem Filmfördergesetz ausruhen – was gerade passiert –, dann gehen wir mit fliegenden Fahnen unter.

Eigentlich ist das ja eine optimistische Botschaft. Sie glauben jedenfalls nicht an jene Thesen, nach denen das Kino als Auswertungsform ökonomisch in jedem Fall am Ende ist?

Sponsel: Auf keinen Fall. Wenn man ein Filmfestival leitet, kennt man die Bedeutung des Kinos für das Publikum. Man muss dieses Publikum aber auch in jedem Jahr neu gewinnen. Dass wir als Festivals – auch gemeinsam in der AG Filmfestivals – jetzt vorne dran an diesem Kampf für Modernisierung stehen, liegt daran, dass wir als allererste von der Krise getroffen wurden. Wir mussten 2020 wie ein Pilotprojekt die komplette Digitalisierung des Festivals ausprobieren. Und wir konnten das auch. Aber eigentlich müsste diese Diskussion von ganz anderen initiiert und geführt werden: von der FFA und vom Bundeskulturministerium. Also von oben nach unten. Wir müssen alle – wirklich alle! – an einen Tisch und uns klarmachen: Das ist die Aufgabe! Wo sind die Ideen? Lasst uns miteinander reden! Dass wir jetzt als Festival von unten wie Partisanen da hineingrätschen, ist natürlich ein bisschen albern.

Partner des Dok-fest: Der Rio Filmpalast (© Rio Filmpalast)
Partner des DOK.fest: Der Rio Filmpalast (© Rio Filmpalast)

Um beim Streaming zu bleiben: Wäre es der AG DOK oder Ihnen selbst am liebsten, dass die Sperrfrist komplett gestrichen wird? Oder soll sie verkürzt werden? Soll die dritte, digitale Leinwand für die Filmförderung nicht als „Streaming“, sondern rechtlich als Kinoauswertung zählen?

Sponsel: Unbedingt! Ich habe noch keinen zu Ende gedachten Masterplan in der Schublade. Aber natürlich müsste die Verkoppelung von Kino und digitaler Leinwand unmittelbar ineinandergreifen: in den Zeitläufen, im Ticketing, in der Preisgebung. Ich bin übrigens nicht dafür, dass die digitale Leinwand billiger ist. Sie muss gleich teuer sein. Und über den Zeitversatz muss man genau nachdenken. Aber der Rhythmus, den wir jetzt haben, mit Sperrfristen von einem halben Jahr, das hat keine Zukunft. Das muss sehr viel enger verzahnt werden. Denn ein wichtiger Punkt, der gerade zu kurz kommt, ist der des Marketings. Man kann mit einem Film nur einmal Aufmerksamkeit generieren. Wenn er einen Kinostart hat, dann bringt die Presse Texte über ihn, und dann gibt es auch eine Werbekampagne. Man kann dann nicht ein paar Monate später eine zweite Kampagne starten: Ach, jetzt ist der Film übrigens online. Und dann mit einer dritten: Jetzt auch im Fernsehen. Verzahnung und geballte Vermarktung und Kommunikation erhöhen die Reichweite und garantieren so erst ein Publikum und damit natürlich auch Einnahmen. Das gilt besonders für Arthouse und für den Dokumentarfilm, für Blockbuster vielleicht etwas weniger.

Es gibt auch Modelle, etwa in Italien, bei denen Filme zuerst digital herausgebracht werden, was aber auf eine Woche beschränkt ist. Dann erst kommt der Film im Kino. Müsste es analog zum Geoblocking nicht auch ein Regionalblocking geben? Sonst läuft ein Film in Berlin noch im Kino, in Regensburg aber schon auf der dritten Leinwand, weshalb sich die Berliner dort anmelden, um den Film von zu Hause zu sehen. So würden sich die Kinobesuche reduzieren.

Sponsel: Gehen wir doch lieber das Risiko ein, zu sagen: Wir starten zeitgleich. Wer ins Kino gehen will, der geht ins Kino. Der lässt sich nicht aufhalten. Und wer nicht ins Kino gehen will, den kriege ich auch mit zehn Pferden dort nicht hin. Wer nicht will oder nicht kann, der kann den Film aber wenigstens online sehen. Wir haben 2020 beim DOK.fest München Menschen erreicht, von denen wir wussten, dass sie aus irgendwelchen Gründen nicht ins Kino können. Sie würden sogar wollen, aber sie können nicht. Ein privates Beispiel: Freunde mit drei Kindern unter 15 Jahren waren noch nie auf dem DOK.fest München. Sie haben im vorigen Jahr aber 12 Filme angesehen – schlicht deshalb, weil sie durch den Online-Zugang konnten. Wenn man will, ist das eine ganz eigene Art der Barrierefreiheit. Warum sollte man solchen Leuten das Filmesehen verwehren? Und den Filmen die Erlöse?

Online "barrierefrei" zugänglich: "Forman vs. Forman" gehört zur Auswahl des Dok.fest 2021 ( © DOK.fest München)
Online "barrierefrei" zugänglich: "Forman vs. Forman" gehört zur Auswahl des DOK.fest 2021 (© DOK.fest München)

Sie haben gerade die Erlebnisqualität des Kinos beschrieben – die ist natürlich unumstritten und weiterhin für Menschen wichtig, die den Kinosaal genießen und kennen. Aber wenn irgendwann bei einer bestimmten Generation die Nabelschnur zu diesen Erfahrungen durchgeschnitten ist, und junge Menschen das gar nicht mehr erleben haben, dann werden sie auch nichts vermissen. Das fürchte ich, und da suche ich Lösungen, auch diese Menschen mitzunehmen. Man kann hier sehr klar zwischen den Generationen unterscheiden. Wir müssen auch die jungen Menschen an das Kino heranführen, um sie in die Lage zu bringen, sich dafür zu entscheiden. Auch deshalb muss die Online-Auswertung mit dem Kino verzahnen werden. Wir müssten sie außerdem europaweit so justieren, dass die Online-Auswertung als „digitale Leinwand“ komplett in die Finanzierung eingebunden ist – dann stimmen auch die Erlöse wieder. Denn Filme online zu zeigen, kostet ja auch den Betreiber nicht so viel. Sie stünden dann aber in der Konkurrenz zu den anderen Online-Anbietern.

Die Reaktionen von anderen Festivalmachern auf diese Ideen sind teilweise positiv, teilweise negativ. Was sagen denn die Verleiher oder die Kinobetreiber zu diesen Vorstellungen?

Sponsel: Es gibt vor allem Reaktionen von Verleihern und von Kinobetreibern. Bei allen ist die Angst spürbar, wie es weitergeht. Die Verleiher sind grundsätzlich etwas offener und ein wenig durchlässiger als die Kinoleute. Wenn man den Kinos nicht andere Angebote macht als die der Karteneinkünfte, dann ist ihr Geschäftsmodell unmittelbar bedroht. Verleiher müssen generell mit Filmen Geld verdienen, auf allen Auswertungsebenen. Daher sind sie verständlicherweise etwas offener. Wenn man den Verleihern Wege aufzeigen könnte, wie das eine nicht dem anderen das Wasser abgräbt, und sich dies auch ökonomisch niederschlägt, dann werden sich die Verleiher neuen Ideen nicht verwehren, denn die Verleiher wollen, dass ihre Filme unterkommen und dass sie gesehen werden. Die Kinos muss man auf diesen nächsten Schritt mitnehmen.

Gerät bei alldem die Filmkunst nicht unter die Räder? Auf Festivals mag sie präsent sein, aber wie verschafft man den sogenannten „schwierigen“ Filmen im Alltag Aufmerksamkeit?

Sponsel: Es muss eine gesunde Mischung zwischen Blockbustern und schwierigeren Filmen sein. Wir müssen es uns auch leisten können, Filmkunst zu zeigen. Die Filmförderung muss das finanzieren. Da bin ich ganz bei Lars Henrik Gass: Hier wurden schon viel früher kulturpolitische Fehler gemacht. Die Verankerung der Filmförderung im Sinne einer strukturellen Förderung der Kinos und der Verleiher fehlt in Deutschland komplett. Dabei geht es hier gar nicht um Artenschutz; wir haben einfach zu viel Förderung für die Produktion und viel zu wenig Förderung für die Struktur. Da sich das Freizeitverhalten verändert und das Konkurrenzangebot zum Kino immer größer wird, muss sich hier etwas grundsätzlich verändern. Es muss ein Bewusstsein geben, dass nur, wer im Licht steht, auch gesehen wird. Im Filmbereich stehen zurzeit sehr viel im Dunkeln. Das Bundeskulturministerium verfolgt eine völlig verfehlte Filmpolitik, weil die Produzentenallianz am lautesten jammert. Die meisten Fördermittel gehen in die Produktionen, nur sehr wenig in die Distribution. Die Distributionsförderung des BKM beträgt 600.000 Euro. Demgegenüber stehen über 30 Millionen Euro für die Produktion.

Plattform für anspruchsvolle Themen: "Hinter den Schlagzeilen" eröffnete 2021 das Dok.fest München (© Real Fiction)
Plattform für anspruchsvolle Themen: "Hinter den Schlagzeilen" eröffnete 2021 das DOK.fest München (© Real Fiction)

Wie sollte es konkret weitergehen?

Sponsel: Trotz durchwachsener Erfahrungen hoffe ich einstweilen auf die Filmförderanstalt (FFA). Im Aufgabenprofil der FFA steht: „Vermehrung und Wahrung der Interessen der Filmkultur und der Filmbranche“. Das ist der Auftrag der FFA. Damit ist mehr gemeint als nur die Kinos oder gar die Interessen bestimmter Lobby-Verbände. Die FFA hat einen Auftrag, und ich erwarte, dass sie sich auf diesen besinnt. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, in dem die FFA ihre bequeme Vermittlerposition verlassen und in die Verantwortung gehen muss. Die FFA könnte in die filmpolitischen Geschichtsbücher eingehen als die Organisation, die das Umdenken eingeleitet hat. Die FFA ist im Prinzip unabhängig; sie hat Macht und könnte die Verantwortung übernehmen, alle Player an einen Tisch zu holen.

Lars Henrik Gass hat unter dem Stichwort „Musealisierung“ eine vielrezipierte Theorie der Kinos entwickelt. Er fordert, Filmhäuser analog zu den kommunal oder staatlich finanzierten Museen zu installieren. Unterstützen Sie diese Idee?

Sponsel: In der Sache bin ich bei Lars Henrik Gass und seinen Vorschlägen. Der kulturpolitische Auftrag im Bereich Film und Kino wird seit Jahrzehnten wenig wahrgenommen. Ich wäre allerdings extrem vorsichtig mit dem Begriff der Musealisierung. Ich weiß, dass Gass ihn positiv besetzt ist. Aber Museum heißt für viele Menschen „Vitrine“ und „Schaukasten“. Das, was dort zu sehen ist, ist schützenswert, aber nicht zeitgemäß, vor allem in der Wahrnehmung junger Menschen. In dem Moment, wo man Museum sagt, ist es nur museal gedacht. Man müsste eher von einem Filmhaus sprechen – dafür gibt es nicht nur in München x Pläne.

Wo steht Ihrer Ansicht nach die Filmkultur im Vergleich zu anderen Bereichen des kulturellen Lebens?

Sponsel: Das ist eine wichtige Frage, aber ein komplexes Thema. Sind der Film und das Kino „Hochkultur“? Ich denke ja, unbedingt, aber der Film und das Kino sind im Kanon der Hochkultur nie angekommen und werden darum in der Kulturpolitik auch nicht so behandelt. Das hat vor allem für die junge Generation Folgen, die den Kontakt mit dieser wichtigen Kultur zu verlieren droht. Hier müssten wir politisch Zeichen setzen, so wie es für die Museen, die Theater und die Oper längst selbstverständlich ist. Die Filmkunst wird von der Kulturpolitik ungemein vernachlässigt!



Daniel Sponsel, geboren 1964 in Hamburg, studierte Fotografie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK) und Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), München. Er ist Autor, Regisseur und Kameramann und seit 2009 Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Internationale Dokumentarfilmfestival „DOK.Fest München“. Zugleich ist er Mitglied der AG Filmfestival und im Vorstand der AG Dok.

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