© IMAGO / Everett Collection („Die Straße der Schande“)

Kenji Mizoguchi in der arte-Mediathek

Dienstag, 27.07.2021

Arte widmet dem japanischen Meisterregisseur ein Special mit sechs Spielfilmen und zwei Dokumentationen

Diskussion

Arte widmet dem japanischen Meisterregisseur Kenji Mizoguchi ein Special mit sechs Spielfilmen und zwei Dokumentationen.


Unter den japanischen Meisterregisseuren stand Kenji Mizoguchi (1898-1956) zu seinen Lebzeiten auf einer Stufe mit Yasujiro Ozu und Akira Kurosawa und erhielt vor allem in den 1950er-Jahren auch international höchste Würdigungen. Begonnen hatte er in der Stummfilmzeit mit unterschiedlichsten Werken zwischen expressionistischen Anleihen, Detektivstorys, dokumentarischen Stoffen und sozialistischen Tendenzfilmen. Seine ureigene Form fand Mizoguchi ab den 1930er-Jahren: Bekannt wurde er zum einen für seine eindringlichen Schwarz-weiß-Bilder und langen Einstellungen, zum anderen für die soziale Komponente seiner Filme, die sich insbesondere in seinen Frauenporträts niederschlug. Viele seiner insgesamt fast 90 Filme widmeten sich dem Leid von japanischen Frauen in historischem wie auch in modernem Umfeld, wobei es Mizoguchi nicht nur auf realistische Beleuchtung von Missständen ankam, sondern auch um aktive Besserung.

Die arte-Mediathek zeigt aus seinem umfassenden Werk sechs Filme sowie zwei Dokumentationen über den Regisseur. Frau Oyu (1951) handelt von einer Witwe, der aus traditionellen Gründen eine weitere Heirat verboten ist. Als sich ein Mann in sie verliebt, der ihre Schwester heiraten soll, geraten beide in ein Dilemma. Auch Die Legende vom Meister der Rollbilder (1954) erzählt eine tragische Dreiecksgeschichte, in diesem Fall aus dem 17. Jahrhundert: Um der Frau seines Meisters aus einer finanziellen Zwangslage zu helfen, fälscht ein junger Gehilfe Urkunden. Als der Betrug entdeckt wird, flieht er und trifft auf der Flucht die Frau, die ihren verständnislosen Mann ebenfalls verlassen hat.

Die Straße der Schande (1956) spielt wie mehrere von Mizoguchis Filmen im Bordellmilieu und zeigt mit gesellschaftskritischem Engagement, menschlicher Anteilnahme und unspekulativer Offenheit die Schicksale der Prostituierten im Tokio der 1950er-Jahre – sein (letzter) Film trug stark dazu bei, dass Prostitution in Japan 1957 verboten wurde. Auch Die Festmusik von Gion – Zwei Geishas (1953) greift das Thema auf, anhand der Ausbildung eines jungen Mädchens zur Geisha durch eine erfahrene Frau, die beide in die Abhängigkeit von wirtschaftlichen Mechanismen geraten, ebenso wieEine Frau, von der man spricht (1954) mit einem Dreiecksdrama zwischen der Besitzerin eines Geisha-Hauses, ihrer Tochter und einem Arzt.

Die Prinzessin Yang Kwei Fei (1955) schließlich ist einer der wenigen Farbfilme Mizoguchis und erzählt eine Geschichte aus dem Chinesischen Reich des 8. Jahrhunderts: An den Hof des Kaisers Huan Tsung wird eine schöne Frau gebracht, die dessen Aufmerksamkeit erringen soll, um den ehrgeizigen Zielen eines Offiziers zu dienen. Aus dieser Exposition entwickelt sich ein Epos, in dem sich Politik und Privates auf tragische Weise verbinden.

Abgerundet wird die Reihe durch die 25-minütige Dokumentation „Kenji Mizoguchi, der Filmemacher mit der Narbe“ sowie einen Beitrag des Magazins „Blow up“.

Angekündigt ist zudem, dass die Reihe im August noch um die beiden wohl berühmtesten Werke von Mizoguchi ergänzt wird: Ugetsu – Erzählungen unter dem Regenmond und Sansho Dayu – Ein Leben ohne Freiheit.


Hier geht es zum Kenji-Mizoguchi-Special in der arte-Mediathek


Zu „Die Festmusik von Gion – Zwei Geishas“

Zu „Frau Oyu“

Zu „Eine Frau, von der man spricht“

Zu „Die Legende vom Meister der Rollbilder“

Zu „Die Prinzessin Yang Kwei Fei“

Zu „Die Straße der Schande“

Zu „Kenji Mizoguchi, der Filmemacher mit der Narbe

Zu „Blow up – Filmgeschichte: Kenji Mizoguchi“

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