© MUBI ("Yellow Cat")

MUBI im September 2021

Montag, 23.08.2021

Das MUBI-Filmprogramm im September wartet unter anderem mit Highlights aus dem Festival in Venedig und einer Retro des indischen Autorenfilmers Mrinal Sen auf

Diskussion

Der Arthouse-Streamer wartet im September mit Klassikern und neuen Arthouse-Highlights auf. Darunter finden sich eine Reihe mit Filmen aus den jüngsten Jahrgängen des Filmfestivals von Venedig, eine Retrospektive zum Werk der indischen Autorenfilmers Mrinal Sen, Terrence Malicks „Ein verborgenes leben“ sowie Agenten-Parodien in den „OSS 117“-Filmen.


Vom 1. bis zum 10. September wird am Lido in Venedig der rote Teppich ausgerollt: Die „mostra internazionale dell‘ arte cinemtografica“ präsentiert ihren 78. Jahrgang. MUBI nimmt das zum Anlass, um mit einem kleinen „Festival Focus“ Filme vorzustellen, die 2020 und in Jahren davor in Venedig liefen.

Mit dabei ist „Genus Pan“ (ab 7.9.) des philippinischen Regisseurs Lav Diaz, ein Highlight in der „Orizzonti“-Sektion 2020. Ein in Schwarz-Weiß gedrehte und mit 157 Minuten für Diaz-Verhältnisse recht knappes Epos, das um drei Männer kreist, die sich auf die Rückreise von ihrem Arbeitsplatz Richtung ihres Dorfes machen; doch Spannungen zwischen dem Trio, bei denen es nicht zuletzt um Geld geht, drohen die Heimkehr immer mehr zu gefährden. Ebenfalls in Venedig lief 2020 der kasachische Film „Yellow Cat“ (ab 1.9.), in der ein Mann nach einem längeren Knastaufenthalt in sein Heimatdorf in der kasachischen Steppe zurückkehrt. Als leidenschaftlicher Filmfan träumt er davon, ein Kino zu eröffnen – wobei ihm korrupte Cops und der Gangsterboss der Gegend im Wege stehen.

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In seiner Venedig-Reihe zeigt MUBI außerdem Abel Ferraras Biopic „Pasolini“; ein mit Willem Dafoe in der Titelrolle exzellent besetztes Drama um den letzten Lebenstag des 1975 ermordeten Künstlers.


Der bengalische Autorenfilmer Mrinal Sen

Zu den September-Highlights zählt auch eine kleine Retrospektive zu Ehren des indischen Filmemachers Mrinal Sen, einem der großen Vertreter des indischen Autorenkinos. 1923 in Provinz Bengalen geboren, drehte Sen seine Werke im Idiom seiner Heimat abseits von Bollywood. Mit dem tragikomischen Drama „Mr. Shome“ (ab 27.9.) wurde er 1969 zu einem der Väter der indischen „Neuen Welle“, jener Bewegung von Filmemachern, die parallel zu den Erneuerungsbewegungen im europäischen Kino verstärkt soziale und politische Probleme des Landes in den Blick nahmen. Zur Retrospektive gehören auch die Filme „Träume in Kalkutta“ und „Suddenly, One Day“ aus den 1980er-Jahren, als Mrinal Sen auch im Westen entdeckt wurde.

Ein weiterer Klassiker ist ein großes Werk des afrikanischen Kinos: „Mandabi“ (1968), der erste Langfilm von Ousmane Sembène, einer Ikone des westafrikanischen Kinos. Der Film kreist durchaus satirisch um einen senegalesische Familienpatriarchen, dessen Selbstbild gehörig angeknackst wird, als die vermeintliche Aussicht auf einen Geldsegen unerwartete Entwicklungen in Gang setzt.

Klassiker des postkolonialen Kinos: "Mandabi" von Ousmane Sembene (Studiocanal)
Klassiker des postkolonialen Kinos: "Mandabi" von Ousmane Sembene (Studiocanal)

Weiter gehört zum Septemberprogramm auch „Ein verborgenes Leben“ von Terrence Malick, dessen jüngstes Werk, das Jesus-Epos „The Way of the Wind“, hartnäckig auf sich warten lässt, nachdem es gerüchteweise in diesem Jahr in Cannes laufen sollte. In den meisten Filmen, die Malick seit „Tree of Life“ (2011) gedreht hat, spielte die Sehnsucht nach Transzendenz eine große Rolle. Das bestimmt auch das eine reale Geschichte aufgreifende Drama „Ein verborgenes Leben“. Anfang der 1940er-Jahre gerät der tiefgläubige oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter in einen Gewissenskonflikt, als er für die Nationalsozialisten in den Krieg ziehen soll; 1943 nimmt er lieber seine Verurteilung zum Tode wegen „Wehrkraftzersetzung“ in Kauf, als einen Eid auf Hitler zu leisten, der mit seinen religiösen Überzeugungen unvereinbar ist.


Ironische Verbeugung vor James Bond: „OSS 117“

Zwischen Festivalhighlights, Klassikern und Autorenkino bleibt aber auch Raum für gepflegte cineastische Albernheit. In einer „Double Bill“ präsentiert MUBI die beiden „OSS 117“-Agentenfilmparodien des französischen Filmemachers Michel Hazanavicius (ab 10.9. und 12.9)., in denen Jean Dujardin als ebenso selbstverliebter wie ignoranter Geheimagent die westliche Welt verteidigt – eine ironische Verbeugung Richtung der James-Bond-Filme, deren jüngster Ableger „Keine Zeit zu sterben“ im September nach vielen Corona-Verschiebungen endlich in den Kinos startet.



Das MUBI-Programm im September im Überblick:


1. September

Yellow Cat (Festival Focus: Venice)


2. September

Yeah! Yeah! Yeah!


3. September

Wovon träumt der Internet?

Pasolini (Festival Focus: Venice)


4. September

Joe – Die Rache ist sein


5. September

Jiro und das beste Sushi der Welt


6. September

Mama (Festival Focus: Venice)


7. September

Genus Pan (Festival Focus: Venice)


9. September

Fucking With Nobody (Festival Focus: Venice)


10. September

OSS117 – Der Spion, der sich liebte

Dead Man’s Bluff (Reihe „Russian Dark: The Films of Aleksey Balabanov)


11. September

A Hard Day’s Night


12. September

OSS 117 – Er ist sich selbst genug


13. September

Diamantino

Aberwitzige Filmfantasie um einen portugisischen Fußballschar (Koch Films)
Aberwitzige Filmfantasie um einen portugiesischen Fußballer: "Diamantino" (© Koch Films)

14. September

Stump the Guesser (Kurzfilm von Guy Maddin)


15. September

Krabi, 2652


16. September

Tödliche Rache (1954)


17. September

Unter dem Sand


18. September

Kentucky Fried Movie


19. September

Erbinnen (1980)


20. September

Scenes With Beans (Kurzfilme)


21. September

Truth or Consequences


22. September

Editing (Kurzfilm)


23. September

Tatort… Hauptbahnhof Kairo


24. September

Drug War


25. September

Ein verborgenes Leben


26. September

Hail Satan?


27. September

Reihe „Voice of the Unheard: A Mrinal Sen Retrospective“:

Träume in Kalkutta

Mr. Shome

Suddenly, One Day


28. September

Mandabi


29. September

Anne at 13,000 ft

Kampf um innere Unabhängigkeit: "Anne at 13,000 ft" (Berlinale)
Kampf um innere Unabhängigkeit: "Anne at 13,000 ft" von Kazik Radwanski (© Berlinale)

30. September

The Land

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