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Get out (3sat)

Montag, 06.09.2021

17.9., 22.25-00.00, 3sat

Diskussion

Auf dem Weg zu den Eltern von Rose (Allison Williams) stirbt ein Tier. Das Reh knallte frontal gegen das Auto. Der verstörte Chris (Daniel Kaluuya) droht in den Augen des verendenden Wildes zu versinken. Damit ist filmisch und emotional die Komfortzone von „Get out“ und einer unbeschwerten Beziehung vorüber; der Weg nach draußen führt auf gefährliches Terrain. Für den Afroamerikaner Chris bietet sein urbanes Lebensumfeld die nötige Alltagssicherheit, wo der junge Filmemacher mit seiner Kamera den Alltag der schwarzen Arbeiterschicht dokumentiert.

Auf dem Land, unterwegs zu den Eltern seiner weißen Freundin Rose, wird er nach dem Unfall von den Polizisten sogleich rüde nach seinem Ausweis gefragt, obwohl er gar nicht am Steuer saß. Das Gefühl einer fundamentalen Verunsicherung täuscht Chris trotz der freundlichen Aufnahme in dem herrschaftlichen Anwesen nicht, in dem ihn die schwarzen Dienstboten mit seltsamen Augen beobachten.

Die US-amerikanische Kritik hat das Regiedebüt von JordanPeele mit Begeisterung gefeiert, weil es das hinlänglich bekannte Repertoire des Horrorfilms mit dem nicht minder bekannten Repertoire diskriminierender Alltagserfahrungen verquickt und dem Genre neues Leben einhaucht, während gleichzeitig der Rassismus zur Kenntlichkeit entstellt wird. Für die „Oscar“-Academy war der satirische Stoff dann aber doch eine Nummer zu groß, weshalb es trotz vier Nominierungen (bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller, bester Originaldrehbuch) nur bei dem Preis fürs Drehbuch blieb.

Im Vorspann ist der Song „Redbone“ aus dem Album „Awaken, My Love!“ von Donald Glover zu hören, in dem die Zuhörer aufgefordert werden, wach zu bleiben, weil draußen Schwarze herumschleichen, die einen suchen und erwürgen wollen. Das Lied, so Regisseur Jordan Peele, habe er deshalb gewählt, weil er die afroamerikanischen Besucher des Films auf diesen einstimmen soll. Dieser doppelbödige Humor sagt viel über Peele, der selbst Afroamerikaner ist, kennzeichnet aber auch den durchtriebenen Duktus des spektakulären Wurfs, der seine grausigen Geheimnisse erst im Finale preisgibt. – Ab 16.

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