© Zurich Film Festival

Das Zurich Film Festival will groß hinaus

Donnerstag, 23.09.2021

Das Zurich Film Festival (23.9.-4.10.) ist längst keine regionale Veranstaltung mehr, sondern zielt auf internationale Ausstrahlung

Diskussion

Beim 17. Zurich Film Festival (23.9.-4.10.), das zum zweiten Mal unter der Leitung von Christian Jungen stattfindet, künden Stars und filmische Highlights von der Pracht, aber auch der verführerischen Macht des Kinos. Zum Auftakt gibt es Michael Steiners „Und morgen seid ihr tot“, als Vorpremiere läuft der neue James Bond, mit Ehrenpreisen werden Sharon Stone, Paolo Sorrentino, Mychael Danna und Paul Schrader bedacht. Das Festival und sein Direktor haben offenbar Großes im Sinn.


Das Zurich Film Festival (ZFF) war eines der wenigen Filmfestivals, die nach Ausbruch der Pandemie 2020 physisch stattfanden. Schon damals hat Christian Jungen klargestellt, der zusammen mit der Geschäftsführerin Elke Mayer die Leitung des Festivals übernahm, dass (s)ein Filmfestival im Kino stattfinden soll. Obwohl die Veranstaltung dann strengen Schutzmaßnahmen unterlag, die Säle nur zu 60 Prozent gefüllt werden durften und im Programm die US-Produktionen fehlten, erreichte man 68.000 Zuschauer.

Und so wie Jungen 2020 mit seinem zwischen zwei Lockdowns fallenden Festival Glück hatte, ist ihm dieses auch 2021 hold. Seit dem 13. September 2021 gilt in der Schweiz nämlich die 3G-Regel. Demzufolge kommt man nur ins Kino, wenn man genesen, geimpft oder getestet ist; dafür entfallen dann aber alle anderen Schutzmaßnahmen, weshalb die Kinosäle wieder komplett gefüllt werden dürfen. Das freut den Festivalchef umso mehr, als erstmals auch der große Saal des renovierten Kongresshauses bespielt wird, der fast 1300 Zuschauer fasst, eine 16 Meter breite Leinwand hat und über 40 Lautsprecher verfügt; das Zurich Film Festival besitzt damit endlich einen eigentlichen Festivalpalast. Und da das Kongresshaus fußläufig zum Festivalzentrum auf der gegenüberliegenden Seeseite liegt, eröffnet sich beim Spaziergang entlang des Sees ein prächtiger Panoramablick auf die Alpen.


Die Struktur eines A-Festivals

Mit sieben Abspielstätten und insgesamt 17 Sälen, dem „Festivalpalast“ und dem Opernhaus als Ort für die Preisverleihung verfügt man in Zürich damit über die Infrastruktur eines großen A-Festivals. Im Unterschied zu den Anfangsjahren ist das Zurich Film Festival damit nicht mehr nur ein Festival für die Zürcher, sondern eine Veranstaltung von internationalem Renommee.

Während man bei Gala-Premieren, etwa „The Power of the Dog“ von Jane Campion, „Where Is Anne Frank“ von Ari Folman, „One Second“ von Zhang Yimou oder Welturaufführungen wie „Es ist nur eine Phase, Hase“ von Florian Gallenberger und „Klammer“ von Andreas Schmied den Filmschaffenden und Stars aus aller Welt einen Teppich ausbreitet, findet abseits des Rummels auch ein „Industry Summit“ statt, an dem stets auch Vertreter der Hollywoodstudios teilnehmen. In diesem Jahr sind dies die MGM-Studiochefin Pamela Abdy sowie Michael De Luca, der Präsident von MGM. Veranstaltungen wie die „ZFF Masters“, bei denen Filmschaffende aus dem Nähkästchen plaudern, und die „ZFF Talks“ mit Diskussionen zu aktuellen Themen bringen Publikum und Filmschaffende in Tuchfühlung.

Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons in "The Power of Dog" (Netflix)
Benedict Cumberbatch und Jesse Plemons in "The Power of Dog" (Netflix)

Neben drei Wettbewerben (Spielfilm, Dokumentarfilm, Fokus-Wettbewerb D-A-CH), Gala-Premieren und Special Screenings kennt das Zurich Film Festival thematische Sektionen wie „Neue Welt Sicht“, „Hashtag“ und „Border Lines“, die den Fokus auf ein besonderes Land, in diesem Fall Tunesien, ein aufregendes Thema (Sex) oder generell auf Grenzerfahrungen richten.


Es kommt auf den richtigen Ton an

Besonders am Herzen liegt Jungen der Filmmusikwettbewerb, bei dem junge Komponisten ein Arrangement zu einem vorgegebenen Kurzfilm einreichen; die Werke der drei Finalisten werden während einer Filmvorstellung vom Tonhalle-Orchester eingespielt.

Was die Zukunft des ZFF betrifft, hält sich Christian Jungen bedeckt. Doch so wie sich das 2021er-Festival anlässt, mit 164 Werken, darunter 18 Weltpremieren und 38 Filmen in drei Wettbewerben, dürfte er weiterhin auf Kino als Event setzen und Großes anstreben. Dass er dafür einen guten Riecher hat, zeigt sich etwa, wenn am 28. September eine Viertelstunde nach der Welturaufführung in London die Vorpremiere von „No Time To Die“ startet und zum Festivalauftakt unerschrocken Michael Steiners „Und morgen seid ihr tot“ gezeigt wird, der die Entführung zweier Schweizer durch die Taliban im Jahr 2011 thematisiert.

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