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Der seidene Faden (arte)

Montag, 04.10.2021

17.10., 20.15-22.20, arte (ERSTAUSSTRAHLUNG)

Diskussion

Für britische Schauspieler war und ist an sich das Theater die Stätte, an der ihr Können gemessen wird, der Film ist da eher ein Beiwerk mit viel Routine und wenigen Bewährungsproben. Ganz anders sieht es bei Daniel Day-Lewis aus: Der 1957 geborene Sohn des Poeten Cecil Day-Lewis fand im Kino die Vorlagen für eine ungemein akribische Aneignung von Rollen, die intensive Recherchen, konsequentes Verbleiben im Charakter bis hin zur Selbstkasteiung und kräftezehrende Konzentration beinhaltet. Das brachte ihm hohe Anerkennung und eine endlose Liste von Filmpreisen ein, ihn selbst aber regelmäßig an den Rand der Erschöpfung. Bereits 1997 erklärte er, sich vom Schauspiel zurückziehen zu wollen, eine Absicht, mit der er erstmals 2002 nach langer Überzeugungsarbeit durch Martin Scorsese für Gangs of New York wieder brach. Trotzdem folgten darauf nur fünf weitere Filmauftritte mit langen Pausen dazwischen, 2017 gab Day-Lewis dann erneut das Ende seiner Karriere bekannt.

Der letzte Film, in dem er auftrat, war seine zweite Zusammenarbeit mit Paul Thomas Anderson. Darin spielt er den egozentrischen Londoner Modeschöpfer Reynolds Woodcock, der in den 1950er-Jahren von einem Urlaub in der Schweizer Bergwelt die junge Kellnerin Alma (Vicky Krieps) in seine Hochburg der Haute Couture mitnimmt. Sie soll ihm zauberhaftes Ornament und Muse zugleich sein, beginnt aber zunehmend ihren Platz im Haus zu behaupten. Der Film kreist um die Beschreibung eines selbstorientierten, übersensiblen, einsamen Künstlers, der mit manischer Besessenheit in seinem Werk aufgeht und für den die Außenwelt mehr lästige Notwendigkeit als wahrer Bestandteil seines Daseins ist. Das mit großer Einfühlungskraft und formalem Können inszenierte Drama verdichtet sich auch durch filmhistorische Anklänge zu einem bezwingenden, gelegentlich sogar ironisch unterfütterten Meisterwerk. – Sehenswert ab 14.

Im Anschluss würdigt die Dokumentation „Daniel Day-Lewis – Der Weg zum weltbesten Schauspieler“ (22.20-23.10) den Ausnahme-Darsteller. Darin kommt insbesondere auch Day-Lewis selbst zu Wort und gibt Einblick in seine Gedankenwelt.

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