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Milde lächelnde Leidenschaft - Hardy Krüger (12.4.1928-19.1.2022)

Freitag, 21.01.2022

Zum Tode des Schauspielers und Schriftstellers Hardy Krüger

Diskussion

Das Leben des Schauspielers und Schriftstellers Hardy Krüger glich selbst einer seiner schlitzohrigen Figuren, die mit einer gewissen Pfiffigkeit und einem verschmitzten Lächeln allen Widerfahrnissen trotzen. Dabei behielt er stets einen klaren Kopf, was ihn auch politisch vor Untiefen bewahrte. Im Alter von 93 Jahren ist der flugbegeisterte Weltenbummler am 19. Januar in Kalifornien gestorben.


Das Leben von Hardy Krüger (12.4.1928-19.1.2022) ist eine echte Abenteuergeschichte, in der er stets auf der richtigen Seite stand. Das kennzeichnet auch die meisten seiner Filmfiguren. Er spielte den aufrechten Flieger-Oberleutnant Franz von Werra in „Einer kam durch“ (1957) und den unerschütterlichen Ritterkreuz-Träger Ludwig von Stegel in „Taxi nach Tobruk“ (1960) oder einen ehrenwerten Generalmajor in „Die Wildgänse kommen“ (1977), den preußischen Hauptman Potzdorf in „Barry Lyndon“ (1975) und den beherzt zupackenden Begleiter von John Wayne als Tierfänger in „Hatari“ (1962). Auf Hardy Krüger war stets Verlass. Doch wie ist es zu dieser unvergleichlichen Weltkarriere mit über 60 Filmen gekommen?


Frühe Zweifel an der NS-Propaganda

Für den deutschen Film wurde er bereits als Jugendlicher entdeckt, als die Studios noch ganz der Nazi-Propaganda gehorchten. Alfred Weidenmann besetzte den kaum 15-Jährigen von der Schulbank des Elite-Internats „Adolf-Hitler-Schule“ weg als Lehrling „Bäumchen“ beim Bau von wehrhaften Bomberkanzeln in dem Propagandafilm „Junge Adler“ (1944): ein flinkes, pfiffiges blondes Kerlchen, das schon damals alle Sympathien bis hin zu Joseph Goebbels auf sich zog. Eine Ufa-Karriere winkte. Doch Hardy Krüger beschlichen erste Zweifel an seinem Idol Adolf Hitler, dessen Büste auf dem Klavier seiner Mutter stand.

Hardy Krüger in "Einer kam durch" (imago stock&people)
Hardy Krüger in "Einer kam durch" (© imago stock&people)

In der benachbarten Halle in Potsdam-Babelsberg wurde „Große Freiheit Nr. 7“ (1944) gedreht. Daran war auch der Schauspieler Hans Söhnker beteiligt, der heimlich Juden versteckte und Hardy Krüger die Augen öffnete mit dem Satz: „Hitler ist ein Verbrecher.“ Krüger wurde zeitweise sogar Kurier dieser Widerstandsgruppe. Der Satz selbst verfolgte ihn auch noch, als er 1945 zur Waffen-SS-Division „Nibelungen“ an die Westfront abkommandiert wurde und sich weigerte, auf US-amerikanische Soldaten zu schießen. Dafür wurde er zum Tode verurteilt. Seiner Hinrichtung entkam er im buchstäblich letzten Moment. Er desertierte und versteckte sich, bis er bei den US-Amerikanern in Kriegsgefangenschaft unterschlüpfen konnte, was er später in seinem eindrucksvollen autobiografischen Roman „Junge Unrast“ ausführlich beschrieb. Sein erstes Leben: ein rasantes, durchaus verfilmbares und politisches Abenteuer.


Leichte Komödien im Nachkriegskino

Nach dem Krieg versuchte sich Hardy Krüger zunächst an kleinen Rollen auf Theaterbühnen in Hamburg, Berlin und München. Doch schon 1949 sah man ihn in der frivolen Liebeskomödie „Diese Nacht vergeß ich nie!“, bei dessen Aufführung sich zeigte, dass das deutsche Publikum ihn nicht vergessen hatte. Vielleicht wäre Hardy Krüger im harmlosen Komödienfach versauert, wenn er nicht auch in England und Hollywood nach neuen Herausforderungen Ausschau gehalten hätte.

In Deutschland stellten sich schnell fulminante Erfolge ein, etwa in dem legendären Afrikafilm „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“ (1956), in dem Hardy Krüger eine leicht bekleidete weibliche Tarzan-Variante mit dem Netz fängt und die gefangene Frau über die Schulter wirft. Das war einer der erfolgreichsten bundesdeutschen Nachkriegsfilme überhaupt – wohl auch wegen des sympathischen männlichen Hauptdarstellers. Der aber wollte trotz entsprechender Angebote keine Fortsetzungen der albernen Nuditätenschau mehr drehen.


Die Karriere in Hollywood

Krüger war schließlich schon 1953 bei Otto Preminger in der intelligenten Liebeskomödie „Die Jungfrau auf dem Dach“ zu sehen gewesen und damit in einer anderen Liga angekommen. Seine politische Biografie wies ihn als „anderen“ Deutschen aus, der keiner faschistischen Umtriebe verdächtigt war. Als Botschafter eines neuen Deutschlands. Mit dem tapferen, aber unpolitischen Flieger von Werra in „Einer kam durch“ gelang Hardy Krüger der internationale Durchbruch, der ihm Rollen unter anderem bei Joseph Losey, Howard Hawks und Richard Attenborough verschaffte.

Einstieg in Hollywood: "Die Jungfrau auf dem Dach" (imago/United Archives)
Einstieg in Hollywood: "Die Jungfrau auf dem Dach" (© imago/United Archives)

In dem Melodrama „Der Flug des Phoenix“ (1965) von Robert Aldrich gelang es Krüger inmitten eines Star-Ensemble um James Stewart, seiner skurrilen Figur des jungen deutschen Ingenieurs so viel Glaubwürdigkeit zu verleihen, dass er die verzweifelten Männer in der Wüste überreden kann, aus den Teilen des abgestürzten Wracks ein provisorisches Fluggerät zusammenzuschrauben. Der Retter mit der Abiturientenbrille verheimlicht den anderen aber, dass er bisher Modellflugzeuge zusammengebastelt hatte. Wie dieser Don Quichote der Flugzeugkonstruktion es schafft, einen Nebel aus falschem Selbstbewusstsein, naiver Harmlosigkeit und dreister Verführungskunst um sich zu legen, zeugt von großer Schauspielkunst. Zugleich schuf Hardy Krüger einen einnehmenden Charakter, der den Film mit milde lächelnder Meisterschaft überstrahlt.


Ein sympathisches Schlitzohr

So wird man den Abenteurer aus Berlin auch im Gedächtnis behalten, auch wenn man seine Fernsehplauderstunden am Steuer eines Flugzeuges in „Hardys Bordbuch“ mehr schätzt oder eines seiner 20 anregenden Bücher. Wer ihn als charmanten Plauderer bei einem seiner Auftritte live erlebte, wie er politisches Engagement gegen alte und neue Nazis mit wilder anekdotischer Leidenschaft zu verbinden wusste, der wird diesen Hardy Krüger bevorzugen.

Einmal stand er 1986 zusammen mit Mario Adorf auf der Bühne, in dem Stück „Wiedersehen im Herbst“, übersetzt und bearbeitet von Hardy Krüger. Zwei alte Männer treffen sich darin, die früher mal Tom Sawyer und Huckleberry Finn waren. Welchen von beiden spielte wohl Hardy Krüger? Denn so war er auch: ein veritabler liebenswürdig-sympathischer schlitzohriger Lausbub.

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