© Warner Bros. ("2001 - Odyssee im Weltraum")

Jenseits des Sichtbaren: Zum Tod von Douglas Trumbull

Donnerstag, 10.02.2022

Nachruf auf den großen Visual-Effects-Künstler (8.4.1942-7.2.2022)

Diskussion

Douglas Trumbull war ein Visionär, der die Kunst der Visuellen Effekte im Kino entfesselt hat. Seine fortwährende Suche nach neuen, aufregenden Möglichkeiten, das Filmerlebnis noch umfassender und intensiver zu machen, brachte unvergessliche Bilder und Momente hervor, die auch kommende Generationen in Bann schlagen werden.


Unsere visuelle Popkultur ist geprägt von fantastischen Momenten, die nie zuvor Gesehenes präsentieren und begreiflich machen, aber auch zum Staunen und zum Nachdenken bringen. Produzenten, Autoren und Filmemacher bieten mit ihren filmischen Erzählungen dafür die Plattform, doch ausgedacht und umgesetzt werden diese Momente von „Visual Effects“-Künstlern, deren Namen nur selten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden.

Eine rare Ausnahme bildete der US-Amerikaner Douglas Trumbull (8.4.1942-7.2.2022), der nicht nur einer der visionärsten Künstler Hollywoods war, sondern erfolgreich auch ins Regiefach wechselte und sich einen Ruf als Pionier und Entwickler neuester Filmtechniken erwarb. Trumbull war immer auf der Suche nach neuen, aufregenden Möglichkeiten, das Erlebnis eines Films noch umfassender für die Zuschauer zu gestalten. Dabei schuf er so unvergessliche Bilder und Momente, dass sie auch kommenden Generationen in Bann schlagen werden.


Der Zufall und Stanley Kubrick

Der junge Trumbull wollte eigentlich Architekt werden, obwohl der Weg zum Film und zu den Visuellen Effekten familiär vorgezeichnet schien. Sein Vater arbeitete schon 1939 an den Effekten des legendären Films „Der Zauberer von Oz“. Doch dann war er zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Seine Affinität für Science-Fiction-Themen bescherte ihm einen Job bei einer Planetariumsshow der NASA, die von Arthur C. Clarke und Stanley Kubrick besucht wurde. Diese hatten gerade mit den Planungen für einen richtungsweisenden Science-Fiction-Film begonnen und verpflichteten den jungen Designer kurzerhand für das Projekt. Damit begann die aufregende Karriere von Douglas Trumbull, die sich von der Prä-Computer Zeit mit ihren heute kaum noch vorstellbaren In-Camera-Effekten über die Umbruchszeit des Optical Printers bis hin zur digitalen Revolution erstreckte, die eine Kontrolle über jeden einzelnen Pixel eines Frames erlaubt.

(© imago/Everett Collection)
Ein Magier der Leinwand: Douglas Trumbull (© imago/Everett Collection)

In jeder dieser drei Epochen des VFX-Films gelang Trumbull Herausragendes. Für „2001 - Odyssee im Weltraum“ gestaltete der damals 23-Jährige unter anderem die psychedelische Stargate-Sequenz am Ende des Films mittels einer Slit-Scan-Technik, eine revolutionäre 17-minütige „Visual Effects“-Orgie, die mit der traditionellen Filmsprache brach. Obwohl die Effekte heute so aussehen, als ob sie im Computer entstanden wären, wurden sie mit traditionellen Techniken analog erschaffen.

1978 steuerte Trumbull in Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ mit der atemberaubenden Landung des außerirdischen Mutterschiffes einen unsterblichen Moment der Kinogeschichte bei. Und durch die von ihm entwickelten „Showscan“-Technik schuf er einen richtungsweisenden „Theme Park Ride“ für Universal mit den Figuren und der Welt von „Back to the Future“.


Ein Fürsprecher höherer Bildfrequenzen

Seine Visual Effects für Ridley Scotts „Blade Runner“ sind ebenso legendär, wie die Inszenierung der Enterprise im ersten „Star Trek“-Film. Viel wäre auch zu seinen richtungsweisenden Experimenten zugunsten der Immersion der Zuschauer mittels größerer Leinwand zu sagen; Trumbull war an der Einführung von IMAX beteiligt und ein mächtiger Fürsprecher für eine höhere Bildfrequenz. Seine Experimente haben Regisseure wie Peter Jackson bei „Der Hobbit“, Ang Lee in „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ oder James Cameron in „Avatar“ maßgeblich beeinflusst. Auf Youtube und Vimeo finden sich viele aufschlussreiche MasterClasses und Interviews mit Douglas Trumbull, die seine unverwüstliche Neugier für neue Wege des filmischen Erzählens auch an kommende Filmemacher weitertragen.

Legendär: Die Spezialeffekte in "Blade Runner" (imago/Everett Collection)
Legendär: Die Spezialeffekte in "Blade Runner" (© imago/Everett Collection)

Als Regisseur schuf Douglas Trumbull 1971 den Science-Fiction-Film „Lautlos im Weltall“, der anfangs floppte, sich im Nachhinein aber zu einem phänomenalen Kultklassiker entwickelte. Steven Spielberg hat dem Film in „Ready Player One“ eine wundervolle Reverenz erwiesen. Sein zweiter Film „Projekt Brainstorm“ (1983) führte bereits in die Welt des Metaverse, obwohl das Internet damals noch echtes Neuland war. Der tragische Tod der Hauptdarstellerin Natalie Wood während der Dreharbeiten kompromittierte den Film allerdings nachhaltig und führte nur zu einer limitierten Auswertung.


Seine Werke bleiben unvergessen

Bis zu seinem Tod am 7. Februar 2022 im Alter von 79 Jahren war Trumbull weiter maßgeblich im Filmgeschäft aktiv, sei es mit den spektakulären Effekten für Terrence Malicks „Tree of Life“ oder als Spiritus Rector in unzähligen Auftritten bei internationalen Konferenzen. Auf dem FMX-Festival in Stuttgart war er beispielsweise 2021 mit innerer Glut darum bemüht, seine inspirierende Begeisterung für das filmische Erzählen und die visuellen Effekte an nachfolgende Generationen zu vermitteln. Er wird der Filmwelt fehlen. Seine Werke bleiben unvergessen.

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