Cannes 2022: „Broker“ gewinnt den Preis der Ökumenischen Jury

Sonntag, 29.05.2022

Die Ökumenische Jury zeichnete beim 75. Filmfestival in Cannes das Familiendrama „Broker“ des japanischen Regisseurs Hirokazu Kore-eda aus

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Der japanische Regisseur Hirokazu Kore-eda überzeugt in Cannes einmal mehr die kirchliche Jury und gewinnt auch im Jahr 2022 deren Preis mit dem Road Movie „Broker“. Der in Südkorea rund um die Hafenstadt Busan spielende Film kreist um zwei Gelegenheitsgangster, eine junge Prostituierte, deren zur Adoption stehendes Baby und einen gewitzten Jungen, die unfreiwillig zu einer Wahlfamilie zusammenwachsen.


Die Entscheidung der Ökumenischen Jury, ihren Preis für den besten Film des 75. Filmfestivals in Cannes an den japanischen Film „Broker“ zu vergeben, war keine große Überraschung, da es in dem unterhaltsamen Road Movie beispielhaft um das geht, wofür die christlichen Kirchen seit jeher eintreten: um Barmherzigkeit und eine mitmenschliche Solidarität, die nicht erst nach Herkunft, Geschichte, Religion oder Biografie fragt, sondern sich ungeschminkten Wirklichkeiten stellt.

In dem mit feinem Humor grundierten Film des Regisseurs Hirokazu Kore-eda geht es um einen Säugling, der von seiner Mutter, einer jungen Prostituierten, bei der Babyklappe einer Kirche abgelegt wird, dort aber zwei Gelegenheitsgaunern in die Hände fällt, die das kleine Kind an eine Adoptivfamilie verkaufen wollen. Einen Tag später taucht die von Gewissensgebissen geplagte Mutter jedoch wieder auf und will nach ihrem Kind sehen. Um größeres Aufsehen zu vermeiden, lässt sie sich dann aber von dem Duo überreden, gemeinsam nach geeigneten Eltern zu suchen.


Ein alter Van und viel Raum

Damit bricht der um die südkoreanische Hafenstadt Busan spielende Film zu einer Reise mit mehreren Stationen auf, bei der sich ihnen auch noch ein gewitzter Waisenjunge anschließt, dessen lakonische Kommentare manche Situation treffend auf den Punkt bringen und mit dazu beitragen, dass die Zwangsgemeinschaft allmählich zusammenwächst und zunehmend auch persönliche Dinge von sich preisgibt.

Im Schlepptau dieser unfreiwilligen Wahlfamilie bewegen sich allerdings auch noch zwei Polizistinnen, die es auf die beiden Baby-Broker abgesehen haben und sich bei der langen Observation mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten und Sehnsüchten konfrontiert sehen.

Der Film, so die Jury in ihrer Begründung, führt auf recht intime Weise vor Augen, wie Menschen auch ohne verwandtschaftliche Beziehung oder Blutsbande zu einer Familie zusammenwachsen können. Das Leben der Einzelnen, aber noch mehr ihr seelisches Heil, bedarf eines beschützenden Umfeldes, das sinnbildlich in dem alten Lieferauto entsteht, mit dem die Gruppe unterwegs ist.

Preisträger der Ökumenischen Jury: "Broker" (Zip Cinema & Ci Enm))
Preisträger der Ökumenischen Jury: "Broker" (Zip Cinema & Ci Enm))

Nach und nach kommen so verdrängte oder verleugnete Aspekte und Erfahrungen zum Vorschein, die mit Schuld, Versagen und tiefen Ängsten verbunden sind. Die große Kunst von Regisseur Hirokazu Kore-eda besteht darin, aus diesen ungezwungenen Momenten ein feines erzählerisches Geflecht zu knüpfen, das trotz seiner fast märchenhaften Züge in der ähnlich ungezwungen gefilmten Realität der Menschen und des Landes verankert bleibt.


Ein menschenfreundlicher Gestus

Die dokumentarische Sensibilität der Kamera, die mit lichten Bildern die südkoreanische Welt zwischen Häuserschluchten und Kinderspielplätzen einfängt, passt zum menschenfreundlichen Gestus einer Inszenierung, die mehr an emotionalen Veränderungen und einem freien Umgang miteinander interessiert ist als an melodramatischer Wucht oder dem Schock einer finalen Zuspitzung.

Mitglieder der Ökumenischen Jury beim 75. Filmfestival in Cannes waren Waltraud Verlaguet (Frankreich), Mariola Marczak (Polen), Dietmar Adler (Deutschland), Irina-Margaret Nistor (Rumänien), Praxedis Bouwman (Niederlande)

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