© ZDF/Beta-Film (aus „Angst essen Seele auf“)

Rainer Werner Fassbinder zum 40. Todestag

Mittwoch, 22.06.2022

Zwei Melodramen des Filmemachers: „Lili Marleen“ und „Angst essen Seele auf“ - aktuell in der arte-Mediathek

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Am 10. Juni 1982 forderte das exzessive Leben des arbeitswütigen und drogenabhängigen deutschen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder im Alter von nur 37 Jahren seinen Tribut. Arte erinnert auch in seiner Mediathek mit zwei Filmen an die Ausnahmeerscheinung im deutschen Kino der 1960er- bis 1980er-Jahre.

Lili Marleen ist ein spätes Fassbinder-Werk, in dem dieser seinen frühen Traum von Filmen im klassischen Hollywood-Stil dank eines hohen Budgets und der Verpflichtung international bekannter Schauspieler ausleben konnte. Die in Zürich lebende deutsche Barsängerin Willie (Hanna Schygulla) und ihr jüdischer Geliebter Robert (Giancarlo Giannini) werden von seinem Vater (Mel Ferrer), dem Leiter einer jüdischen Hilfsorganisation, kurz vor Ausbruch des Krieges getrennt. Während des Krieges erlebt die Sängerin durch das ungeheuer populäre Lied von Lili Marleen Erfolg und Ansehen, ihre Beziehung zu Robert führt aber zum Ende offizieller Protektion.

Während „Lili Marleen“ wegen seiner Kolportageelemente und manieristischen Inszenierung allgemein von der Kritik eher als weniger gelungene Arbeit Fassbinders eingestuft wird, zählt Angst essen Seele auf zu Fassbinders unbestrittenen Meisterwerken. Mit weniger Budget, aber viel Stilwillen und Einfühlsamkeit folgt der Regisseur den Vorgaben der Melodramen von John M. Stahl und Douglas Sirk. Die Witwe Emmi (Brigitte Mira) und der 20 Jahre jüngere marokkanische Gastarbeiter Ali (El Hedi Ben Salem) gehen darin eine unwahrscheinliche, aber liebevolle Beziehung ein, die sie aber gesellschaftlich isoliert und zu Außenseitern macht.

Mit kühler Brillanz analysiert das Melodram die Missachtung von Minderheiten und die Mechanismen sozialer Unterdrückung. Zugleich populär und bitter-ironisch erzählend, sucht Fassbinder ein breites Publikum, ohne persönliche Obsessionen zu verleugnen und ohne an kritischer Schärfe zu verlieren. – Sehenswert ab 16.

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