Serie: The Umbrella Academy - Staffel 3

Montag, 04.07.2022

In der dritten Staffel der Comic-Verfilmung bekommt es die Umbrella Academy mit der konkurrierenden Sparrow-Academy zu tun – und mit einem sogenannten „Großvater-Paradox“, das das Ende des Universums einläuten könnte.

Diskussion

Am Anfang von Folge 3 wird in einem szenischen Zwischenspiel das sogenannte „Großvater-Paradox“ erklärt, das ein Dilemma im Konzept von Zeitreisen beschreibt: Was wäre, wenn jemand, der seinen Großvater leidenschaftlich hasst und für sämtliche Missstände in seiner Familie verantwortlich macht, in der Zeit zurückreisen könnte und diese Fähigkeit nutzen würde, um seinen Großvater schon in jungen Jahren umzubringen – und zwar vor jenem Zeitpunkt, in dem dieser das Elternteil zeugt, von dem der Mörder abstammt? Damit hätte der Killer zwar die Ursache seines Leidens beseitigt, aber auch die Bedingung seines eigenen Lebens eliminiert und dürfte also gar nicht existieren. Doch wer hat dann den Großvater ermordet?

Ein Paradox, und solche Paradoxe sind verheerend, nicht nur für die unmittelbar Betroffenen, sondern fürs ganze Universum. Dumm nur, dass zu dem Zeitpunkt, als sich die Umbrella-Academy-Mitglieder mit dem Thema auseinandersetzen, das Kind längst in den Brunnen gefallen, sprich: das Paradox, das sich zur Apokalypse auszuwachsen droht, schon entstanden ist.

Der Weltuntergang, mal wieder

In Staffel 2 hatte es die Held:innen per Zeitreise zurück in die 1960er-Jahre verschlagen; ihr Auftauchen dort hatte die Vergangenheit verändert und die Gefahr eines weiteren Weltuntergangs, eines „nuklearen Holocausts“, verursacht, den es dann im Lauf von Staffel 2 abzuwenden galt. Was auch gelang, allerdings zu dem Preis, dass sich bei der Rückkehr der Helden in ihre eigene Zeit nun herausstellt, dass das Zeitreise-Abenteuer auch wieder unliebsame Veränderungen und ein handfestes Großvater-Paradox generiert hat: In der Gegenwart, in der sich die Umbrella-Academy-Mitglieder nun wiederfinden, dürften sie eigentlich gar nicht existieren; ihr Ziehvater Reginald Hargreeves hat andere übermenschlich begabte Babys adoptiert und zur „Sparrow Academy“ herangezogen; sie selbst wurden nie geboren, weil ihre Mütter vor ihrer Geburt unter dubiosen Umständen verstarben.

Dass sie nun doch in dem Zuhause auftauchen, das in der neuen Realität das der Sparrows ist, zündet als Folge des Paradoxes im Keller des Hauses ein feuriges Phänomen, das die Umbrellas verharmlosend „Kugelblitz“ taufen werden, das aber tatsächlich die Fähigkeit hat, alles Sein auszulöschen, und schon bald erste Spuren seines Zerstörungswerks hinterlässt. Die Umbrella Academy ist zunächst zu sehr damit beschäftigt, sich mit den als Konkurrenz empfundenen Sparrows herumzuschlagen und eigene Wunden zu lecken, um das zu realisieren. Als dann die Crew um „Nr. 1“ Luther (Tom Hopper) doch kapiert, was Sache ist, ist es fast schon zu spät – und auch dann dämmert den Held:innen noch nicht, aus welcher Richtung ihnen die wahre Gefahr droht.

Zwischen Kugelblitz und Vater-Komplex

Nachdem Staffel 2 aus den Reibungen der einzelnen Umbrella-Academy-Mitglieder mit dem Zeitkolorit der 1960er-Jahre sehr schöne Funken geschlagen hatte, fällt die Konfrontation mit dem Sparrows vergleichsweise enttäuschend aus: Die Drehbuchautoren schaffen es nicht, die neu eingeführten Charaktere so markant zu konturieren, dass sie der neuen Staffel zusätzlich Reiz verleihen könnten. Dafür arbeiten sie aber sehr unterhaltsam an der Entwicklung ihrer Hauptcharaktere weiter, deren innere Konflikte den eigentlichen Zunder liefern: Allison (Emmy Raver-Lampman), bisher eines der ausgleichenden Elemente in der verkrachten Umbrella-Sippschaft, verkraftet es nicht, dass ihr in der alternativen Gegenwart die ersehnte Wiedervereinigung mit ihrer geliebten Tochter verwehrt bleibt, und legt eine zunehmend düstere Wandlung hin; Vanya findet nach ihrer Romanze mit einer Farmersfrau in Staffel 2 (parallel zu Schauspieler Elliot Page) den Mut, öffentlich kundzutun, dass sie sich als Mann fühlt und fortan Viktor ist, was seine Ziehgeschwister gut aufnehmen – doch dann wird er auf eine Weise von dem in Staffel 2 Geschehenen eingeholt, die einen Keil zwischen ihn und die anderen treibt.

Diego (David Castaneda) bekommt von seiner Geliebten aus Staffel 2, Lila, einen renitenten Zwölfjährigen aufgehalst, der angeblich sein Sohn ist und ihn zwingt, ungeahnte Vaterqualitäten zu mobilisieren, während Klaus (Robert Sheehan) die alternative Realität nutzt, um sich an die dortige Version seines Ziehvaters Reginald (Colm Feore) heranzumachen und zu versuchen, den Vaterkomplex-Felsbrocken, dem ihm sein verkorkstes Verhältnis zu dessen Pendant aufgehalst hat, zu bearbeiten. Was die Steilvorlage liefert, den bisher nur als Nebenfigur aufgetretenen exzentrischen Millionär Reginald diesmal mehr zu involvieren, was gegen Ende der Staffel spannende Volten schlägt.

Ein stylischer Rahmen

Wenn auch nicht ganz so pointiert wie in Staffel 2, gelingt doch auch Staffel 3 wieder eine unterhaltsame Weiterführung der Saga nach der gleichnamigen Comicreihe von Gerard Way und Gabriel Bá. Musikgetriebene inszenatorische Kabinettstückchen (wenn sich etwa gleich in Folge 1 das erste Face-off zwischen Umbrella und Sparrow Academy zunächst statt als Kampf als Tanz-Contest zu den Klängen von „Footloose“ entfaltet) und ein reicher Fundus an originellen Szenerien (vor allem das retro-glamouröse „Hotel Oblivion“, das die Umbrellas zu ihrer neuen Operationsbasis machen), liefern einen stylischen Rahmen für eine weitere Runde Hardcore-Familientherapie, in deren Verlauf sich die Umbrellas ab und an mit neuen Gegnern wie den Sparrows prügeln, sich vor allem aber gegenseitig durch den emotionalen Wolf drehen, um jenseits aller Rivalitäten und alter und neuer gegenseitiger Verletzungen doch wieder am Ende am selben Strang zu ziehen. Ein Strang, der freilich auch gleich schon wieder die Lunte legt für die nächste Katastrophe, die die Welt vernichten könnte: Staffel 4 kommt bestimmt!

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