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Stromboli

Sonntag, 11.12.2022 10:14

Neorealistisches Melodram von Roberto Rosselini - bis 7.3. in der arte-Mediathek

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Italien, 1948: Karin Björnsen (Ingrid Bergman) aus Litauen wurde nach ihrer Flucht vor den Deutschen in Italien interniert. Jenseits eines Stacheldrahtzauns macht ihr der junge italienische Soldat Antonio (Mario Vitale) mit Liedern den Hof. Obwohl sie sich kaum kennen und sie miteinander nicht sprechen können, willigt sie in eine Ehe ein, da sie auf ein besseres Leben hofft. Doch die jungen Flüchtlingsfrau ist aus erster Ehe mit einem Architekten verwöhnt und ist schockiert, als Antonio sie in seine Heimat auf die karge Vulkaninsel Stromboli mitnimmt.

Ihre Ehe steht unter keinem guten Stern. Die hübsche Migrantin fühlt sich auf Stromboli fremd, und auch umgekehrt trauen ihr die Frauen im Dorf nicht über den Weg. Nur mit älteren Bewohnern, meist aus den USA zurückgekehrten Emigranten, kann sie sich mit Englisch verständigen. Der Pfarrer der Insel kann ihrer Verzweiflung nicht abhelfen. Ein harmloses Treffen mit dem Leuchtturmwärter am Strand gibt zu Gerede Anlass. Antonio wird als „Cornuto“, als Gehörnter, verspottet und verprügelt seine Frau. Mit Entsetzen wohnt sie einem Thunfischfang bei.

Bald danach bricht der Vulkan aus und zwingt die Bevölkerung, die Nacht in kleinen Fischerbooten auf dem offenen Meer zu verbringen. Die inzwischen schwangere Karin will ihr Kind nicht auf der Insel zur Welt bringen. Sie hat gehört, dass auf der anderen Seite der Insel jemand ein Motorboot besitzt. Beim Versuch, über den Berg dorthin zu gelangen, bricht aber auf dem Vulkan zusammen. Sie fleht zu Gott, ihr zu helfen.

Ästhetisch bezieht „Stromboli“ seine Dynamik aus der dokumentarischen Kraft, mit der etwa die Arbeit der Fischer geschildert werden, und einer Naturmetaphorik, die besonders im Finale überhöht wird. Als sich die Schwefelnebel am Vulkankrater lichten, ruft Karin am Ende ihrer Kraft nach Gott, während die Kamera vorbeifliegenden Möwen folgt. „Das realistische Bild vom einsamen Tod am Rande des Kraters wird damit zur Todesfanastie, die ihre zutiefst katholischen Wurzeln offenlegt.“

„Stromboli“ war die erste Zusammenarbeit zwischen Roberto Rossellini und Ingrid Bergman, die dabei zum Paar wurden und weitere sechs Filme drehten. Die Affäre und das Bekanntwerden von Bergmans Schwangerschaft führten in den USA zu heftigen Angriffen vor allem christlich-puritanischer Gruppen; in der Filmkritik stieß „Stromboli“ anfangs ebenfalls auf Ablehnung, wurde dann aber doch zum Festival nach Venedig eingeladen. – Ab 16.

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