Der philippinische Polizist Hermes Paparuan (John Lloyd Cruz) leidet unter der Gewalt, zu der er aufgrund des brutalen staatlichen Anti-Drogenkriegs von Präsident Rodrigo Duterte gezwungen wird – psychisch und auch körperlich, da ihn eine schwere Hautkrankheit befällt. Um Ruhe zu finden, verlässt er Manila und zieht sich in sein Heimatdorf an der Küste zurück. Doch ist ihm sein früherer Mentor Primo Macabantay (Ronnie Lazaro) auf den Fersen. Dieser war zehn Jahre im Gefängnis, nachdem Paparuan ihn wegen Korruption angezeigt hatte, hat in dieser Zeit seltsame missionarische Impulse entwickelt und dürstet nach Rache an seinem früheren Untergebenen.
Mit „When the Waves Are Gone“ setzt der philippinische Filmemacher Lav Diaz seine Arbeiten über die gewaltsame Geschichte seiner Heimat fort, kommt dabei aber der Gegenwart – der Film stammt aus dem letzten Jahr von Dutertes Präsidentschaft, 2022 – so nahe wie selten. Auch wenn der Film für Diaz’ Verhältnisse mit drei Stunden Länge eher knapp ausfällt, bleibt er sich formal treu: An der Oberfläche ist der Plot recht simpel und elliptisch, die Einstellungen sind lang, statisch und oft aus großer Distanz gefilmt, die Bilder in körnigem Schwarz-weiß. Inhaltlich enthüllt der Film jedoch nach und nach seine Vielschichtigkeit, indem er Polizeiwesen, Gehorsam, moralische Dilemmata, Schuld und Sühne sowie Glaubensfragen aufgreift. Zudem entsteht Spannung durch seine eigenwilligen Anleihen beim Film noir und bei Western. – Ab 16.