Aus dem Leben der Etuimenschen – Die (Wieder-)Entdeckung des Filmpioniers Franz Hofer

Erst in den letzten 25 Jahren hat sich auf breiterer Basis so etwas wie ein Bewußtsein für die Anfänge des Kinos als Kunstfom wie auch als kommerziellem Betrieb herausgebildet: Man begann sich mit jenem seltsamen, jahrzehntelang nie groß hinterfragten historischen „Loch“ zwischen den ersten Lichtbilden 1895/96 und den ersten als Meisterwerke geltenden, abendfüllenden Spielfilmen aus den späten 10er Jahren zu beschäftigen. Es darf darüber spekuliert werden, warum ausgerechnet diese Phase der Filmgeschichte so hartnäckig ignoriert wurde. Gerade mit diesen Jahren hätte man sich beschäftigen müssen, war hier doch das Fundament für alles, was kommen sollte, gegossen worden.

Zwei Dinge scheinen festzustehen: 1) Man beschäftigte sich mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit aus politischen Erwägungen heraus nicht mit dem Kino jener Jahre, waren die Filme doch aus einer „rückgewandten“ zeitgeistigen Haltung heraus gemacht worden – das Wilhelminische Zeitalter, die Zaren-Ära etc. –, und somit Beispiele für untergegangene politische Systeme, die die modernen Gesellschafts-Welten der Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hinter sich lassen wollten. 2) Dieses Kino dürfte selbst auf die frühen Filmhistoriker der 30er Jahre einen befremdlichen Eindruck gemacht haben, widersprach seine Ästhetik doch so völlig allem, was man gemeinhin für „filmisch“ hielt und hält. Wobei man die beiden Punkte nicht trennen kann: Die Idee, das Ideal des ‘maschinellen Blicks’, des Bewegungsbildes ist sehr entschieden auch von den Technikfantasien, -utopien und -hoffnungen der 20er Jahre beeinflußt worden, als man glaubte, daß die Maschinen das bis dato verfronte Leben der Arbeitermassen entscheidend verbessern, menschenwürdiger gestalten würden.

Das Kino der 10er Jahre kannte scheinbar keine Arbeiter und Arbeitgeber: Es gab Grafen, Kammerdiener, Töchter, Mütter, Soldaten, Ärzte, Varieté-Künstler, Detektive: das ganze Arsenal der Gestalten aus der Populärkultur. Das Hauptanliegen der Kinemathografen-Entrepreneure lag darin, die Oberschicht (sprich: das Bürgertum) für dieses kulturelle Gossenkind, diesen Maschinenkunstbastard aus dem Varieté-Milieu, zu gewinnen. Eine der Strategien, die man dabei verfolgte, war die Verschwägerung mit der bürgerlichen Kunstsphäre: Man verfilmte große Literatur, holte sich

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