Can you hear me knocking?

Wieder einmal scheinen sämtliche Anstrengung vergebens, der Mann ist tot. Frank Pierce, der gerade noch eine spirituelle Reflexion über die Seele, die nur ungern in den einmal verlassenen Körper zurück will, angestellt hat, lässt seinen Blick über die Familienfotos an den Wänden gleiten und wendet sich entschuldigend an die Tochter des Toten: „Haben Sie Musik? Ich denke, es hilft, wenn sie etwas auflegen, was er mochte.“ Dann hört man Frank Sinatras „September Of My Years“ – und plötzlich beginnt das Herz des Totgeglaubten wieder zu schlagen. Dies ist eine der lichtesten Szenen innerhalb dieser düsteren Exkursion nach „Hell’s Kitchen“, auf die einen Martin Scorsese in „Bringing out the Dead – Nächte der Erinnerung“ mitnimmt – und dennoch wird es Frank Pierce (Nicolas Cage) sein, der gegen Ende des Films Mr. Burke „erlöst“. Ansonsten ist die Tonspur des Films randvoll mit Musikstücken aus der E-Musik („Le Sacre du printemps“), teilweise obskurer U-Musik aller Genres sowie der Originalfilmmusik von Elmer Bernstein. Wenn Pierce und seine Sanitäterkollegen verzweifelt, ausgebrannt und unter Drogeneinfluss in ihrer „Raumkapsel“ durch die Straßen rasen, dann hört man den Adrenalin geschwängerten Punkrock der „Clash“. Songzeilen aus Van Morrisons „T.B.Sheets“ oder auch das getriebene „Nowhere To Run“ von Martha Reeves & The Vandellas betonen das Klaustrophobische der Lebenssituation von Frank Pierce. Wobei man „Nowhere To Run“ auch durchaus auf die Erinnerung – „You Can’t Put Your Arm Around A Memory“ singt der notorische Fixer Johnny Thunders – an die junge Rose beziehen kann, der Pierce auf seinen nächtlichen Fahrten immer wieder zu begegnen scheint; geht es in diesem Song doch um die Erinnerung an das Gesicht eines Mannes, vor dem die Frau nicht davonrennen kann: „When I look in the mirror to comb my hair / I see your face just smiling there / No! Nowhere To Run!“ Insofern ist „Bringing out the Dead“ auch eine polyphone Gespenstergeschichte. Musik als persönliche Erinnerung Im Zusammenhang mit der Songauswahl zu „GoodFellas“ hat Scorsese seine Musikästhetik ausführlicher vorgestellt: „Oft wird heutzutage in Filmen Musik lediglich eingesetzt, um eine Zeit und einen Ort zu etablieren, und ich halte das für bequem. Schon seit ‚Who’s That Knocking At My Door?’ und ‚Mean Streets’ wollte ich mir die emotionale Wirkung von Musik zunutze machen, und daher stammt einiges aus den

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