Kahlschlag

Es war das umfassendste Filmverbot der deutschen Kinogeschichte: 1965/66 wurden in der DDR nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED zwölf aktuelle DEFA-Filme verboten. Viele dieser Verbotsfilme konnten erst 1989/90 aufgeführt werden. Nun liegen zehn in digitalisierter Fassung vor – und ein neues Buch rekonstruiert die kulturpolitischen Zusammenhänge. Filme, die von der Zensur entstellt oder gänzlich unsichtbar gemacht wurden, umgibt im Rückblick oft eine Art Nimbus: die „Auszeichnung“, angeeckt zu haben, nicht selten, ohne dass die Filme dies überhaupt vorhatten. Zwölf Filme verbindet das Schicksal vom 11. Plenum des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, das vom 15. bis 18. Dezember 1965 tagte – sie kamen nicht in die Kinos, wurden teils unvollendet in die Regale verbannt. Weitere Filme waren indirekt betroffen, weil sich nach dem Plenum die Produktionsbedingungen für Film schlagartig verändert hatten. Das 11. Plenum war nicht nur für den Film der DDR ein Fiasko, sondern für alle Künste, für das intellektuelle Leben überhaupt. Eine Fraktion bornierter, spießbürgerlicher Hardliner unter Leitung von Walter Ulbricht und Erich Honecker hatte auf dem Plenum eine Ästhetik-Diskussion als Nebelkerze gezündet, nicht zuletzt um von der unangenehmen Debatte über das von ihnen verursachte wirtschaftliche Debakel der DDR abzulenken. Bestürzende „Bemerkungen zur Lage der DEFA“ Ein Buch mit CD, eine Filmreihe, ein Symposium und eine DVD-Box hat die DEFA-Stiftung zum 50. Jahrestag dieses Plenums aufgeboten, um dessen Bedeutung hervorzuheben. Der Band „Verbotene Utopie. Die SED, die DEFA und das 11. Plenum“ und die DVD-Box „Verboten“ werden die Ergebnisse der Forschungen aus Anlass des Jubiläums mittelfristig sichern. „Verbotene Utopie“ ist aus drei Textblöcken aufgebaut:

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