Der Geist und die Dunkelheit

Abenteuer | USA 1996 | 110 Minuten

Regie: Stephen Hopkins

Während des Baues einer Eisenbahnlinie in Afrika 1896 überfallen zwei blutrünstige Löwen über Monate hinweg das Lager und töten über 130 Arbeiter, bis der Ingenieur, ein Großwildjäger und ein schwarzer Vorarbeiter die Bestien zur Strecke bringen. Die auf einem Tatsachenroman basierende Verfilmung schöpft die Horror-Elemente der Geschichte voll aus, vernachlässigt aber Dramaturgie und Charakterzeichnung der Personen. So wird der auch schauspielerisch enttäuschende Film nur zu einem oberflächlichen Spannungsvergnügen und beeindruckt letztlich nur durch seine sensationellen Tier-Dressuren und schönen Landschaftspanoramen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE GHOST AND THE DARKNESS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1996
Regie
Stephen Hopkins
Buch
William Goldman
Kamera
Vilmos Zsigmond
Musik
Jerry Goldsmith
Schnitt
Robert Brown · Steve Mirkovich
Darsteller
Val Kilmer (John Patterson) · Michael Douglas (Remington) · John Kani (Samuel) · Bernard Hill (Dr. Hawthorne) · Om Puri (Abdullah)
Länge
110 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Abenteuer

Heimkino

Verleih DVD
CinePlus (1.85:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Fast 3.000 afrikanische und indische Arbeiter waren 1896 damit beschäftigt, das letzte Teilstück der 580 Meilen langen Eisenbahnstrecke von Mombasa und dem Viktoria-See fertigzustellen. Diese Linie sollte der Kolonialmacht Großbritannien einen Vorteil im profitablen Elfenbeinhandel bringen. Aber zwei Löwen, die über Wochen die Arbeiter angriffen und 130 von ihnen töteten, verzögerten den Bau und ließen die Weltmacht das Wettrennen um die Ausbeutung des weißen Goldes verlieren. Lt. Colonel J. H. erzählt diese Geschichte in seinem um die Jahrhundertwende erschienenen Buch "The Man Eaters of Isavo" nach, das US-Präsident Theodore Roosevelt als "den aufregendsten Tatsachenroman, der je geschrieben wurde", bezeichnet hat.

Mr. Beaumont, der Chef der königlich-britischen Eisenbahngesellschaft, beauftragt den jungen irischen Architekten John Patterson mit dem Bau einer Brücke über den Tsavo-Fluß. Kaum in Afrika angekommen, verschafft sich Patterson bei den Arbeitern Respekt, als er mit einem Schuß jenen Löwen tötet, der tags zuvor einen seiner Männer getötet hatte. Doch die Angriffe der Raubkatzen nehmen zu, selbst bei hellichtem Tag reißen sie ihre Opfer. Die abergläubischen Arbeiter fürchten sich immer mehr vor diesen Dämonen in Tiergestalt, und ihr indischer Vorarbeiter Abdullah droht mit Streik. Patterson kann sie noch einmal beruhigen und erhält von dem gerade im Camp weilenden Beaumont die Zusage, ihm den erfahrenen Großwildjäger Remington zu schicken. Der taucht auch einige Tage später mit einer Gruppe befreundeter Massai-Krieger auf. Aber die Löwen umgehen alle ihnen gestellten Fallen und richten schließlich im Krankenzelt des Lagers ein wahres Blutbad an. Nun fliehen die Arbeiter in Scharen. Patterson, Remington und der afrikanische Vorarbeiter Samuel verfolgen die in die Berge führende Spur der Bestien. Immer wieder schlagen ihnen die Löwen ein Schnippchen, verschleppen sogar Remington aus dem Nachtlager und zerfleischen ihn. Aber Patterson gibt nicht auf und kann schließlich die blutrünstigen Raubtiere zur Strecke bringen, seine mit dem neugeborenen Sohn angereiste Frau in die Arme nehmen und den Brückenbau beenden.

Als die Produzenten sich für den Horror-und Action-Spezialisten mit Splatter-Vorlieben Stephen Hopkins ("Nightmare on Elm Street 5 - Das Trauma", fd 28 133, "Predator 2", fd 28 458) entschieden, war abzusehen, wohin die Reise geht: schnurstracks in eine Steppen-Version des "Weißen Hai". Und so schleicht auch der Zuschauer mit der subjektiven Kamera, begleitet von John Goldsmiths Unheil verkündendem Soundtrack, durchs hohe Gras auf der Suche nach neuen Menschenopfern. Diesen geschickt inszenierten und rasant geschnittenen Spannungsmomenten opfert der Film allerdings über weite Strecken eine schlüssige Dramaturgie. Es beginnt mit dem Tod von Pattersons Assistenten Starling, der (film-)zeitlich genau nachvollziehbar nur für Sekundenbruchteile von einem Löwen angefallen wird, aber in der nächsten Einstellung völlig zerfleischt daliegt. Und drei als Köder in einen Eisenbahnwaggon eingesperrte Eingeborene benehmen sich dermaßen dämlich, daß es ihnen nicht gelingt, den nur einen Meter entfernten Löwen durch die sie schützenden Gitterstäbe mit ihren Gewehren zu treffen. Hier bekommt der Film einen unangenehmen, leicht rassistischen Unterton, der auch in der "Vorführung" der Massai-Krieger mitschwingt. Besonders hier verpaßt der Film die Chance, den Einbruch des Kolonialismus in die Mythologie und die Riten einer ihm fremden Welt zu thematisieren. Die Geschichte verläßt nie die Ebene einer naiven Abenteuergeschichte, und die Inszenierung reizt die Horrorelemente bis hin zur "Unseriösität" aus: so schockiert sie mit dem Angriff eines der Killer-Löwen auf Pattersons Frau und seinen neugeborenen Sohn, den die Bestie dann auch hörbar (!) "knackt", um diese in keiner Weise verfremdete Sequenz dann im nachhinein als Albtraum Pattersons zu verkaufen. Die Konzentration Hopkins' auf die Horror- und Splatter-Effekte und die beeindruckenden Tierdressuren lassen ihm kaum Zeit, die Charaktere seiner Protagonisten zu entwickeln. Michael Douglas läuft als Abenteurer wie ein Fremdkörper durch die Savanne, und Val Kilmer wirkt eher wie ein in den Busch verpflanzter Yuppie, als daß man ihm den intellektuellen Brückenbau-Ingenieur abnehmen würde. Bleiben noch die wunderschönen Tableaux des Kameramannes Vilmos Zsigmond, von denen man sich noch mehr gewünscht hätte.
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