Zwischenland

- | Niederlande 2001 | 86 Minuten

Regie: Eugenie Jansen

Ein alter, ständig nörgelnder Holländer freundet sich mit einem jungen Afrikaner an, der auf der Gartenbank vor seinem Haus übernachtete. Behutsames Porträt einer ungewöhnlichen Beziehung, das von einer detaillierten Figurenzeichnung lebt und souverän zwischen Melancholie und dezenter Ironie balancierte. - Sehenswert ab 12. (Preis der Ökumenischen Jury beim Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2002; O.m.d.U.) - Sehenswert ab 12.
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Filmdaten

Originaltitel
TUSSENLAND
Produktionsland
Niederlande
Produktionsjahr
2001
Produktionsfirma
Waterland Film & TV/RVU educatieve emroep
Regie
Eugenie Jansen
Buch
Helena van der Meulen
Kamera
Adri Schrover
Musik
Marcel Wierckx
Schnitt
Danniel Danniel · Jessica de Koning
Darsteller
John Kon Kelei (Majok) · Jan Munter (Jakob) · Willem Smit (Koos) · Ingeborg Uyt den Bogaard (Ehefrau Koos) · Miep Bos (Freundin Jakob)
Länge
86 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 12.
Externe Links
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Diskussion
Mit dem alten Jakob ist nicht gut Kirschen essen. Der Witwer, der in seinem kleinen holländischen Eigenheim einsam in den Tag hinein lebt, hat offenbar mit des Lebens Freuden längst abgeschlossen. Als notorischer Grantler legt er sich regelmäßig mit seinen Nachbarn an, und selbst seinem einzigen verbliebenen Freund Koos, der mit seiner Frau in einem nahen Altenheim lebt, fällt er mit seiner fortwährenden Nörgelei gehörig auf den Wecker. Alle Angebote, doch auch in das komfortable Heim zu ziehen, lehnt Jakob, offenbar allergisch gegen Senioren-Bingo und jede Form der Bevormundung, kategorisch ab. Aber als er einen jungen Farbigen entdeckt, der die Nacht scheinbar auf seiner Gartenbank verbracht hat, gerät seine Lebensform des wunschlosen Unglücks durcheinander. Dabei reagiert er auf den fremden Eindringling zunächst in der ihm eigenen Manier: Unter Flüchen und Steinwürfen vertreibt er ihn aus seinem Garten. Kaum vorstellbar, dass diese beiden in jeder Hinsicht verschiedenen Männer einmal etwas verbinden könnte. Doch wie Jakob leidet auch der 18-jährige Majok unter Einsamkeit und dem Gefühl, nirgendwo dazu zu gehören. Als illegaler Einwanderer aus dem Sudan hat er lediglich einige Bekannte in einer nahen Siedlung für Asylbewerber, doch meistens treibt er sich den ganzen Tag über in der Gegend herum – vorzugsweise auf irgendwelchen Kuhweiden, weil ihn die Tiere an seine Kindheit in Afrika erinnern. Obwohl der missgelaunte Rentner ihn morgens so barsch geweckt und verscheucht hatte, kehrt Majok auf der Suche nach einem Schlafplatz wieder in dessen Garten zurück. Zu seiner Verblüffung findet er am nächsten Morgen eine Tasse neben sich auf der Bank; Jakob hatte sie ihm hingestellt, bevor er sich ins Haus zurückzog, um den Fremdling neugierig beobachtet. Diesen vorsichtigen Annäherungsversuch den Beginn einer wunderbaren Freundschaft über Nationalitäten und Generationen hinweg zu nennen, wäre dennoch unangemessen, wie sich der Film überhaupt plakativen Multikulti-Stereotypen wohltuend verweigert. Vielmehr überzeugt er durch seine behutsame, detaillierte Figurenzeichnung und kommt dabei mit einem Minimum an Dialogen aus. Wenn Jakob zum Geburtstag von seiner nach Australien ausgewanderten Tochter wie in jedem Jahr eine Audiokassette geschickt bekommt, auf der ihm seine Enkelkinder in einer Sprache ein Ständchen singen, die er nicht versteht, verdichten sich die Szenen zu einer eindringlichen Studie über die Bitternis des Altseins. Solche, im besten Sinne anrührenden Szenen, gelingen Regisseurin Eugenie Jansen, die in langen ruhigen Einstellungen viel mit Großaufnahmen arbeitet, gleich reihenweise. Dabei balanciert sie in ihrem kleinen Film, der in seiner Ästhetik Züge des Dokudramas aufweist, souverän auf dem schmalen Grat zwischen Melancholie und dezenter Ironie. Auch wenn der Umstand, dass sich der durchweg mürrische Jakob überhaupt auf den fremden Majok einlässt –so wie er eingeführt wird, könnte man ihn auch für einen ausgemachten Rassisten halten –, ein logischer Schwachpunkt des Films ist, unterscheidet er sich doch in seinen sonstigen Qualitäten deutlich von vielen Völkerverständigungsfilmen, die gut gemeint sind, aber selten über verfilmte Flugblätter hinaus kommen.
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