Was nützt die Liebe in Gedanken

Drama | Deutschland 2003 | 89 Minuten

Regie: Achim von Borries

An einem Wochenende im Sommer 1927 erschießt sich ein junger Mann, nachdem er seinen Geliebten getötet hat, den er an seine 16-jährige Schwester verlor. Sein Freund, mit dem er einen "Selbstmörderclub" gründete, steigt rechtzeitig aus dem schwärmerischen Todes-Abkommen um Liebeserfahrung und -verlust aus. Basierend auf einer wahren Begebenheit, die in der Weimarer Republik für Aufsehen sorgte, verbindet der hervorragend fotografierte und gespielte Film ein realistisches Stimmungsbild mit philosophischer Weltbeschreibung, wobei er die entwurzelten Jugendlichen präzise konturiert und ihr ebenso verklärtes wie hysterisches Ringen um Leben und Tod, Liebe und Verzweiflung als zeitlose Suche nach Orientierung und Lebenssinn deutet. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2003
Regie
Achim von Borries
Buch
Achim von Borries · Hendrik Handloegten · Alexander Pfeuffer · Annette Hess
Kamera
Jutta Pohlmann
Musik
Thomas Feiner · Ingo L. Frenzel
Schnitt
Gergana Voigt · Antje Zynga
Darsteller
Daniel Brühl (Paul) · August Diehl (Günther) · Anna Maria Mühe (Hilde) · Thure Lindhardt (Hans) · Jana Pallaske (Elli)
Länge
89 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen Audiokommentar des Regisseurs, ein informatives "Making of" sowie ein kommentiertes Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen (7 Min.).

Verleih DVD
Warner/X Verleih (16:9, 1.85:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Wohin treiben wir? So fragte schon die junge Bürgersfrau Melanie in Theodor Fontanes „L’Adultera“, als sie fiebernd vor Begehren und unerfüllter Liebe in einem leise schaukelnden Boot unter funkelnden Sternen den Strom hinabtrieb. 50 Jahre später, mitten in der Zeit der vom Aufbruch geprägten und doch so fragilen Ruhe der Weimarer Republik verbindet sich für eine sinnsuchende Jugend existenzielles Fragen immer noch mit spätromantischen Träumereien zu einer ungebrochen „modernen“ Sehnsucht nach dem „Übergroßen“, nach Mythen und mächtigen Gesten in einer verwirrenden Zeit. Dies ist auch ein Generalthema des aktuellen jungen deutschen Kinos: die Suche jugendlicher Menschen nach einem Sinn in ihrem Dasein, nach einem sinnvollen Platz im Leben, der ihnen angesichts ihrer Träume und Wünsche, Hoffnungen und Verzweiflung Halt und Orientierung bietet. Nicht zuletzt Daniel Brühl hat sich zum exemplarischen Stellvertreter dieser Generation herauskristallisiert: ob als grübelnder Schüler („Schule“, fd 34 600), als dem Wahnsinn naher Heilssucher („Das weiße Rauschen“, fd 35 263), als der Liebe verfallender Mönch („Vaya con dios“, fd 35 330) oder als aufbrausender Boxer („Elefantenherz“, fd 35 905) – stets ist Brühl ein glaubwürdiger Seismograf für die seelischen Befindlichkeiten einer Jugend, die zwar im permanenten Clinch mit den Normen der Erwachsenen liegt, daraus aber keine Rebellion oder einen Aufstand ableitet, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und den eigenen Mangel an Lebens- (und Kunst-)Erfahrungen auszugleichen sucht.

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