Per Anhalter durch die Galaxis (2005)

Science-Fiction | USA/Großbritannien 2005 | 110 Minuten

Regie: Garth Jennings

Dank der Weitsicht eines intergalaktischen Reisejournalisten überlebt ein unauffälliger Erdenbürger die von der Galaxisgemeinschaft beschlossene Pulverisierung der Erde. Zusammen mit einem Universumspräsidenten, einer geretteten Frau und einem depressiven Androiden beginnt eine abenteuerliche Reise durch die Galaxis. Augenzwinkernde Adaption der Romane und des gleichnamigen Science-Fiction-Hörspielklassikers von Douglas Adams, die mit brillanter Besetzung, absurden Handlungssprüngen, viel Sinn für trockenen britischen Humor und Mut zu veralteten Effekten ein wunderbares Pendant zu eher verkrampften zeitgenössischen Science-Fiction-Filmen bietet, die lediglich für Materialschlachten sorgen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE HITCHHIKER'S GUIDE TO THE GALAXY
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2005
Regie
Garth Jennings
Buch
Douglas Adams · Karey Kirkpatrick
Kamera
Igor Jadue-Lillo
Musik
Joby Talbot
Schnitt
Niven Howie
Darsteller
Martin Freeman (Arthur Dent) · Sam Rockwell (Zaphod Beeblebrox) · Mos Def (Ford Prefect) · Zooey Deschanel (Trish McMillan/Trillian) · Bill Nighy (Slartibartfast)
Länge
110 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Science-Fiction

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen dt. untertitelbaren Audiokommentar des Regisseurs, des Produzenten Nick Goldsmith und der Darsteller Martin Freeman und Bill Nighy, einen dt. untertitelbaren Audiokommentar des ausführenden Produzenten Robbie Stamp und des Douglas Adams-Assistenten Sean Solle sowie ein Feature mit fünf im Film nicht verwendeten Szenen (5 Min.).

Verleih DVD
Buena Vista (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Durch die blau gekachelte Reinheit eines Aquapark-Bassins tollen Delphine, die vermeintlich nur dank der unermüdlichen Arbeit ihrer Trainer in Schraubensalti aus dem Wasser schießen und viel Spaß zu haben scheinen. So untypisch hat schon lange kein Science-Fiction-Film mehr begonnen, der die unendlichen Weiten des Weltalls bereits in seinem Titel suggeriert. Auch wenn zunächst kein nicht enden wollendes Raumschiff die Bilddiagonale der Leinwand durchquert, befindet man sich am Anfang eines großen Sternenepos, das sein Erfinder Douglas Noel Adams 1978 zunächst nur für die BBC zu einem Hörspiel verarbeitet hatte. Inzwischen sind mindestens fünf Bücher, eine Fernsehserie und nun auch ein Hollywood-Film daraus entstanden, und sowohl sein Autor als auch das Opus Magnum selbst genießen einen Bekanntheitsgrad, den man als zeitlos bezeichnen kann. Eine der Qualitäten des Autors und seines Werks „Per Anhalter durch die Galaxis“ ist, dass er/es, oberflächlich gesehen, banalen Phänomenen oder unspektakulären Dingen des täglichen Gebrauchs eine tragende Bedeutung zuteil werden lässt. So ist ein simples Handtuch eines der wichtigsten Überlebensutensilien im All und die Zahl 42 die Antwort auf alle Fragen. Auch der zweifach eingedrehte Doppelsalto der Delphine gehört zu den letzten Kommunikationsbemühungen der zeitlebens unterschätzten Meeressäuger mit der überschätzen Spezies der Menschen, die partout nicht begreifen, dass das Ende der Welt vor der Tür steht. Wie nichtig erscheint in diesem Zusammenhang die Abrisskolonne vor Arthur Dents Einfamilienhaus, die im Begriff ist, Platz für eine ohne Wissen des Betroffenen geplante Umgehungsstraße zu schaffen. Während die Delphine gerade resigniert den blauen Planeten verlassen und Arthur sich demonstrativ vor den Schaufelbagger legt, postieren sich unzählige Raumquader der Vogonen um die Erde, um den überflüssigen Planeten für die geplante Hyperraum-Schneise zu pulverisieren. Glücklicherweise hat Dent einen Freund: Ford Prefect, der mitnichten ein arbeitsloser Schauspieler, sondern vielmehr der Bewohner eines kleinen Planeten nahe Beteigeuze ist, der seinen Unterhalt damit verdient, den intergalaktischen Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf den neuesten Stand zu bringen. Seiner Weitsicht und dem im richtigen Moment ins All gestreckten Daumen ist es zu verdanken, dass sich beide noch vor der Explosion in den bürokratischen Fängen der krötenartigen Vogonen wiederfinden, die, wenn sie nicht gerade Akten sortieren oder Planeten vernichten, Freund und Feind mit unsäglichen Gedichten foltern. Douglas Adams macht sich einen Spaß daraus, seine Leser bzw. Zuhörer mit völlig unwichtigen Dingen aufzuhalten und diese en detail zu erläutern, um dadurch den eigentlichen Handlungsfluss fast zum Erliegen zu bringen. Zum Glück besitzt er einen begnadet trockenen Humor. So gibt es kaum ein vergleichbares Werk, das etwas Nichtiges auf unterhaltsamere Weise thematisiert als Adams’ Einträge im Reiseführer. Die Methode macht sich auch der Film zu eigen und kategorisiert beispielweise minutenlang die Qualität der Vogonen-Dichtung im intergalaktischen Maßstab, während man doch eigentlich wissen will, warum die Hyperraumstraße gerade durch unser Planetensystem gehen muss, wer die Vogonen beauftragt hat und was aus der netten Frau namens Tricia McMillian geworden ist, die Arthur kurz vor dem Supergau auf einer Party kennen und mögen gelernt hat und die dann prompt mit einem unsympathischen Zottelkopf namens Zaphod Beeblebrox verschwand, weil der ihr „sein neues Raumschiff“ zeigen wollte. Diese wunderbaren Exkurse in die Belanglosigkeit, die kurz und prägnant den Sinn bislang unbekannter Naturgesetze erklären, sind die Höhepunkte in einem Film, der erfrischend wenig mit den aktuellen Hightech-Produkten Hollywoods zu tun hat, weil er eine geniale Vorlage weitgehend unangestrengt adaptiert. Sicherlich sind auch in diesem 50 Mio.-Dollar-Spektakel die Special Effects nicht unwichtig. Sie sind aber immer dann besonders eindrücklich – und etwa der dritten „Star Wars“-Episode „Die Rache der Sith“ (fd 37 079) haushoch überlegen –, wenn die Puppen, wie im Falle der Vogonen, von Jim Hensons „Creature Shop“ gestaltet und nicht von Computern generiert sind. So ist denn auch die spektakulärste Szene – neben der gigantischen Sternenbaustelle – eine kurze Sequenz mit durch Stop Motion animierten Häkelpuppen. Die eigentliche Geschichte, die sich unter all den schönen Details und weitschweifigen Exkursen versteckt, ist ebenso absurd wie unwichtig: Nach der kurzen Odyssee im Vogonen-Schiff landen Arthur und Ford in der „Herz aus Gold“, die sich als das „neue Raumschiff“ von Zaphod Beeblebrox herausstellt, der damit tatsächlich Tricia vor dem Ende der Welt in Sicherheit brachte. Zaphod und Trillian (wie sich Tricia jetzt nennt) sind nicht nur auf der Flucht vor den Vogonen, die das gestohlene Schiff wiederhaben wollen, sondern auch dem Geheimnis der Zahl 42 auf der Spur, die einst ein Supercomputer als Antwort auf die Fragen „nach dem Leben und so“ auswarf und danach empfahl, einen noch größeren Computer zu bauen, um die ultimative Frage zu dieser Antwort zu errechnen. Fortan reisen die vier in Begleitung des depressiven Androiden Marvin durchs All, erleben allerhand Abenteuer und erkennen, dass auch zerstörte Erdkugeln nicht das Ende aller Dinge sind. Es ist der „typisch englische“ Humor, der schon aus Monty Pythons Sinnlosigkeitsattacken Klassiker machte und nun auch in „Per Anhalter durch die Galaxis“ gute Laune verbreitet. Im englischen Original sind es Stephen Fry als Erzähler, Helen Mirren als Stimme des Supercomputers Deep Thought und vor allem Alan Rickman als köstlich gelangweilte Stimme von Marvin, die den Dialogen von Adams den Schliff geben. Zudem ist der Mut der Produzenten belohnt worden, mit Martin Freeman und Mos Def zwei relativ unbekannten Darstellern die Hauptrollen zu überlassen. Vor allem der Rapper Mos Def, der in „Monsters Ball“ (fd 35 563) und „The Woodsman“ (fd 37 024) eindrucksvolle ernste Rollen spielte, ist als hyperaktiver Weltraumjournalist eine Offenbarung. Die recht dezent gehaltene amerikanische Star-Power mit Sam Rockwell als Beeblebrox und John Malkovich in einem Cameo als sinistrer Humma Kavula sowie die noch längst nicht ausgeschöpfte Vorlage lassen darauf schließen, dass man noch nicht den letzten Teil des Abenteuers gesehen hat.
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