Last Life in the Universe

- | Thailand/Japan 2003 | 104 Minuten

Regie: Pen-ek Ratanaruang

Ein japanischer Bibliothekar in Bangkok trägt sich mit Selbstmordabsichten. Er lernt eine Prostituierte kennen, die ihre Schwester verlor, als sie ihn von seinem Brückensturz abhalten wollte, und geht mit ihr eine Zweckgemeinschaft ein. Aus dem Halt, den sie sich gegenseitig geben, entwickelt sich eine zarte Liebe, mit deren Hilfe sich die Unwägbarkeiten des Alltags meistern lassen. Eine zarte, eindrucksvoll fotografierte Liebesgeschichte voller Poesie, die sich auf kleine Gesten, Nuancen und Blicke konzentriert und eine rätselhafte Geschichte außerhalb des konventionellen Erzählrahmens entwickelt. - Sehenswert ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
LAST LIFE IN THE UNIVERSE | RUANG RAK NOI NID MAHASAN
Produktionsland
Thailand/Japan
Produktionsjahr
2003
Produktionsfirma
Bohemian/Cinemasia
Regie
Pen-ek Ratanaruang
Buch
Pen-ek Ratanaruang · Prabda Yoon
Kamera
Christopher Doyle
Musik
Small Room
Schnitt
Patamanadda Yukol
Darsteller
Tadanobu Asano (Kenji) · Sinitta Boonyasak (Noi) · Laila Boonyasak (Nid) · Yutaka Matsushige (Yukio) · Riki Takeuchi (Takashi)
Länge
104 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 16.
Externe Links
IMDb | TMDB

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. ein interessantes "Making of" (39 Min.) sowie ein sehr aufschlussreiches Interview mit Kameramann Christopher Doyle (59 Min.).

Verleih DVD
REM (16:9, 1.85:1, DD5.1 thai. & jap. & engl./dt.)
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Diskussion
Ein Zen-Meister, der von einem seiner Schüler gefragt wurde, wie er sein verfahrenes Leben in Ordnung bringen könne, soll geantwortet haben: „Steh’ auf und mache deinen Aschenbecher leer.“ Kenji, ein verhuschter Japaner, der in Bangkok als schweigsamer, von der Umwelt weitgehend isolierter Bibliothekar arbeitet, scheint diese Geschichte verinnerlicht zu haben. Noch weiß er nicht so recht, ob der Königsweg zum Selbstmord oder zum Putzfimmel führt. Da ersteres immer wieder verhindert wird, hält er seine mit Büchern voll gestopfte Wohnung penibel in Ordnung, auch dann noch, als in ihr sein Bruder erschossen wird und er dessen Mörder ebenfalls mit einer Kugel vom Leben zum Tod befördert. Nachdem das Blut beseitigt ist, bleiben neben anderen Problemen „nur“ noch die zwei Leichen, die schon bald für einen penetranten Geruch verantwortlich sind. Doch Kenji hat schon den nächsten Selbstmordversuch ins Auge gefasst: Der Sturz von einer Brücke soll alle Probleme lösen. Daraus aber wird nichts, weil er den Zwillingen Noi und Nid begegnet, die in ihrem ramponierten Wagen an ihm vorbei fahren. Nid steigt aus, sieht den Fremden mit großen Augen an – und wird überfahren. Die Trauerarbeit gestaltet sich wortlos und in erster Linie darin, dass Kenji für einige Tage zu Noi zieht, auch wegen des Gestanks in seiner Wohnung, und dort mit dem absoluten Chaos konfrontiert wird. Die hübsche Thailänderin bewohnt ein idyllisches Haus am Strand, ist aber nicht in der Lage noch willens, auch nur halbwegs Ordnung zu halten. So bleibt es Kenji überlassen, die Berge von Geschirr abzuwaschen, das Haus zu „entmüllen“ und die Bücher zu sortieren. Noi, die in einigen Tagen nach Osaka, Kenjis Heimatstadt, fliegen wird, sorgt fürs leibliche Wohl und lernt schnell, dass ihr Bekannter unter einer Fischallergie leidet. Je sauberer Nois Wohnung wird, um so mehr kommt das schmutzige Vorleben der jungen Frau ans Tageslicht. Immer häufiger ruft ihr Zuhälter an (ausgerechnet zur Essenszeit), immer deutlicher tritt das Gewaltpotenzial dieser merkwürdigen Liebe zu Tage. Zu allem Überfluss checken sich japanische Yakuza am Flughafen von Osaka ein, um in Bangkok einen „Job“ zu erledigen. Bei dieser höchst enigmatischen Liebesgeschichte, wunderbar fotografiert von Christopher Doyle, weiß man nicht zu sagen, ob sie gut oder schlecht ausgeht. Fest steht nur, dass die Erlebnisse Kenji und Noi irgendwie geholfen haben. Sie macht in Osaka ihren Job als Kellnerin, er scheint in einem thailändischen Gefängnis zu sitzen. Mit gefesselten Händen raucht er eine Zigarette und blickt auf die Werkzeuge seiner Yakuza-Vergangenheit: Revolver, Pistolen, Messer, Schlag- und Folterinstrumente. Der stille, durch die Sprachprobleme der beiden Protagonisten fast stumme Film versteht es geschickt, das Interesse an den Figuren zu lenken, die im wirklichen Leben wohl eher uninteressant wären. Dabei gelingt Regisseur Pen-ek Ratanaruang eine nahezu perfekte Studie über Einsamkeit, über die Distanz, die bei aller Nähe bleibt, und über die Nähe, die stets auch eine gewisse Distanz einfordert. Die Hauptfiguren, die kecke Noi und der fast quälend schüchterne Kenji, gespielt vom japanischen Star Tadanobu Asano, scheinen fast wie die Königskinder, die gewillt sind, das tiefe Wasser zu überwinden, letztlich aber den Sprung ins kalte Wasser scheuen. Parallel montierte Szenen machen dies deutlich: etwa wenn die aktuelle Lieblingshure von Nois Zuhälter ihrem „Job“ nachkommt und das Heldenpärchen auf der Couch sitzt und Fernsehen guckt; sie hat den Kopf auf seinen Schoß gebettet – und döst. Der Film bezaubert zudem mit etlichen Andeutungen auf die Filmwelten des japanischen Regisseurs Takashi Miike, dessen Themen er aufgreift, ohne sie zu kopieren. Wenn man sich auf die delirierende Geschichte einlässt und ihr bis zum Ende folgt, wird man auch dem rätselhaftem Ende einen Reiz abgewinnen und sich an die Dechiffrierung dieser kryptischen Erzählung machen.
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