Wie das Leben so spielt (2009)

Komödie | USA 2009 | 146 Minuten

Regie: Judd Apatow

Komödie über das Leben von Stand-up-Comedians, wobei zwei sehr unterschiedliche Typen, ein bekannter Filmstar und ein unbekannter Neuling, zusammentreffen. Der Grund für ihre Zweckgemeinschaft ist eine Krankheit des Filmstars, die ihn veranlasst, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und wieder in kleinen Clubs aufzutreten. Trotz einiger pointierter Beobachtungen über das ungleiche Verhältnis von Star und Bewunderer ist die Handlung des Films viel zu ausufernd; auch sind die Drehbucheinfälle zu wenig originell, um daraus eine zündende Farce über das Komiker-Handwerk zu machen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
FUNNY PEOPLE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2009
Regie
Judd Apatow
Buch
Judd Apatow
Kamera
Janusz Kaminski
Musik
Michael Andrews · Jason Schwartzman
Schnitt
Craig Alpert · Brent White
Darsteller
Adam Sandler (George Simmons) · Seth Rogen (Ira Wright) · Leslie Mann (Laura) · Eric Bana (Clarke) · Jonah Hill (Leo Koenig)
Länge
146 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Universal
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Diskussion
Judd Apatows Komödien sind so erfolgreich, dass sein Vorname angeblich schon ein eigenes Verb kreiert hat: „judd it up“. Damit ist wohl Apatows spezifischer Humor gemeint, eine Mischung aus Herrenwitzen, Selbsthass-Tiraden, derben Zoten und anderen genüsslich ausgebreiteten Peinlichkeiten, die nur gelegentlich durch menschelnde oder sentimentale Anwandlungen durchbrochen werden. Dass „Wie das Leben so spielt“ etwas weniger nach Rezept verläuft, geht bereits aus dem Vorspann hervor: Grobkörnige Videobilder zeigen einen sehr jungen Adam Sandler mit verzerrter Stimme bei einem Telefonstreich. Womöglich ist diese Szene gar nicht besonders witzig, aber sie irritiert durch ihre unübersehbare Authentizität; die Komik darin ist unkontrolliert und unvorhersehbar – das Gegenteil also von Humor-Rezepten. Apatow hat diese Sequenz selbst gefilmt – vor 20 Jahren wohnte er mit Sandler in einer Wohngemeinschaft zusammen; sein Film trägt also deutlich autobiografische Züge. Der Plot von „Funny People“, wie „Wie das Leben so spielt“ im Original treffender heißt, ist dabei eher nebensächlich, denn der Film möchte im Wesentlichen einen Einblick in das Leben von Stand-up Comedians geben. Dabei erscheinen diese als ewig pubertierende, mal mehr, mal weniger witzige Jungs, eigentlich liebenswert schrullige, aber doch sehr nervtötende Menschen, die mehr oder minder nie aus ihrer Rolle heraustreten. Alles ist ein Witz, alles eine Lachnummer – egal, ob man sich gerade tollpatschig gegenüber einem Mädchen verhält oder von der Diagnose einer tödlichen Krankheit erfährt. Erzählt wird von zwei Stand-up Comedians aus unterschiedlichen sozialen und professionellen Milieus. George Simmons ist ein erfolgreicher Comedy-Filmstar und bewohnt ein luxuriöses Haus in Malibu. Dagegen tritt Ira Wright in kleinen örtlichen Clubs auf und verdient seinen Lebensunterhalt mit einem Job hinter der Theke eines Supermarkts. Er lebt mit zwei befreundeten, aber konkurrierenden Comedians in einer Wohngemeinschaft – in jedem Apatow-Film der unvermeidliche Ort für Zickereien, Sticheleien, Eifersüchteleien und nicht zuletzt brachiale wie unermüdliche Peniswitze. Als Simmons erfährt, dass er an einer seltenen Blutkrankheit leidet, besinnt er sich auf seine Anfänge und tritt wieder in einem kleinen Comedy-Club auf. Den noch unerfahrenen Ira engagiert er als Opening-Act, Witzeschreiber, persönlichen Assistenten und Krankenschwester; und er benutzt ihn sogar als Freund, obwohl er ihn nicht besonders gut leiden kann. Denn Simmons hat keine Freunde. Wie er feststellen muss, er ist nur von Fans und „Star-Fuckern“ umgeben. Eine tödliche Krankheit ist so ziemlich der abgenudeltste Drehbucheinfall, um so etwas wie ein Drama in eine Geschichte zu bekommen und die Figuren zu entwickeln. Doch „Wie das Leben so spielt“ hält sich erstaunlicherweise weder mit larmoyanten Gefühlen noch mit Pathosformeln auf. Das Leben der Stand-up Comedians geht einfach weiter. Dabei fördert die sonderbare Zweckgemeinschaft von Simmons und Ira tatsächlich einige Szenen mit pointierten Beobachtungen über das ungleiche Verhältnis zwischen Star und Bewunderer hervor. Ira lässt wirklich für einige Worte der Anerkennung und die Aussicht auf Erfolg alles mit sich machen; so sitzt er jeden Abend neben dem Bett des Kranken und redet ihn sanft in den Schlaf. Als der Arzt Simmons überraschend mitteilt, dass seine Krankheit geheilt ist, müsste der Film eigentlich zu Ende sein. Doch dramaturgisch ist bis dahin so wenig passiert, dass eine zweite Handlung beginnt, in der auf recht sentimentale Art das Idyll der Familie propagiert wird. Auf diese Weise gerät der Film zum heillosen, unentschiedenen und viel zu langen Durcheinander von verschiedenen Erzählsträngen, Insider-Gags, Pseudo-Dramen und den üblichen Vulgaritäten. Wenn „judd it up“ heißt, den Zuschauer mit Witzen zu erschöpfen, wird dieses Verb bald wieder ausgestorben sein.
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