Zuhause ist der Zauber los

Komödie | USA/Deutschland 2009 | 107 Minuten

Regie: Karey Kirkpatrick

Ein Finanzberater muss sich ausgerechnet dann um seine siebenjährige Tochter kümmern, als ihm seine ersehnte Beförderung streitig gemacht werden soll. Ebenso magisch wie unerwartet kommt ihm die Fantasiewelt seiner Tochter zu Hilfe, die sich bestens mit Börsenkursen auszukennen scheint. Die Komödie verzichtet zwar auf digitale Effekte, um die Imagination des Mädchens zu illustrieren, ist im Umgang mit seinem Thema aber auch nicht realitätsnäher als herkömmliches "Family Entertainment". Weder nimmt er die "Kinder vs. Karriere"-Problematik ernst, noch kann Eddie Murphys Komik über den allgemeinen Leerlauf hinwegtrösten. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
IMAGINE THAT
Produktionsland
USA/Deutschland
Produktionsjahr
2009
Regie
Karey Kirkpatrick
Buch
Ed Solomon · Chris Matheson
Kamera
John Lindley
Musik
Mark Mancina
Schnitt
David Moritz
Darsteller
Eddie Murphy (Evan Danielson) · Thomas Haden Church (Johnny Whitefeather) · Yara Shahidi (Olivia Danielson) · Ronny Cox (Tom Stevens) · Stephen Rannazzisi (Noah Kulick)
Länge
107 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Paramount
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Diskussion
Auch wenn „Zuhause ist der Zauber los“ Anfang 2008 gedreht worden ist, wirkt er heute wie ein Relikt aus einer vergangenen Epoche. Er spielt nämlich in der guten alten Zeit des Wirtschaftswachstums, in der die Implosion des Kreditwesens sich noch nicht abzeichnete. Der Held der Geschichte, ein Anlageberater bei einer privaten Investment-Firma, geht daher mit großem Eifer und frei von jeglicher Sorge seinem Beruf nach. Auch wenn die meisten Anlageberater ihr täglich Brot wohl kaum in konstanter Panikstimmung verdienen, befremdet doch die Unbekümmertheit, mit der Eddie Murphy alias Evan Danielson die Millionen seiner Kunden bewegt – vielleicht auch nur deshalb, weil die Bilder auf der Leinwand so wenig der Vorstellung entsprechen, die die Krisenberichterstattung vom Gebaren globaler Finanzakteure erschaffen hat. Im Grunde spielt der Beruf von Evan aber ohnehin keine entscheidende Rolle, denn im Zentrum des Films steht nicht sein Job, sondern das universelle Dilemma, Kinder und Karriere in einem Lebensentwurf zu vereinen. Evan hat nämlich eine Tochter. Die lebt eigentlich bei seiner Ex-Frau, doch ausgerechnet in der Woche, in der er im Büro seine führende Position gegen einen unliebsamen Kollegen verteidigen muss, soll er sich um die siebenjährige Olivia kümmern. Die hat sich seit der Scheidung ihrer Eltern zunehmend in eine Fantasiewelt zurückgezogen und kommuniziert, unter ihrer Kuscheldecke verborgen, mit unsichtbaren Prinzessinnen und anderen Fabelwesen. Doch per Zufall stellt sich heraus, dass Olivias imaginäre Freunde sich gut mit dem Aktienmarkt auskennen, so dass der sonst so rational agierende Vater auf einmal großes Interesse am Rollenspiel seiner Tochter entwickelt. Man mag es dem Film hoch anrechnen, dass er sich nicht in die bunte Fantasiewelt der Tochter flüchtet und generell der Versuchung widersteht, den Alltag des Kindes mit digitalem Zauber anzureichern. Wenn Vater und Tochter sich auf verschlungenen Pfaden zum Schloss der Prinzessin durchkämpfen, dann sieht man als Zuschauer, wie Eddie Murphy unsichtbaren Gefahren ausweichend durch sein Luxus-Apartment krabbelt. Rollenspiel-geschädigte Eltern werden die Parteinahme für die Realität zu würdigen wissen; aber leider bedeutet dies nicht, dass der Film sein Thema ernst nimmt. Wenn es darum geht, die Bedürfnisse des Kindes mit den Ansprüchen eines 60-Stunden-Jobs zu vereinbaren, dann flüchtet sich Regisseur Karey Kirkpatrick eben doch ins Reich der Märchen, wenn auch nicht optisch, so doch inhaltlich. Denn eine Erklärung dafür, warum Olivias Fabelwesen die Ausschläge der Börsennotierungen präzise vorhersagen können, verweigert Kirkpatrick. Und da es allein das vermeintliche Insider-Wissen der Tochter ist, die Vaterschaft und Vermögensverwaltung vereinbar machen, könnte man die Moral der Geschichte so deuten, dass Magie von Nöten ist, um als Eltern im Alltag zu bestehen. Vielleicht sollte man auch gar nicht so viel über die Implikationen des Plots nachdenken und sich einfach nur an Eddie Murphys Komik erfreuen. Das Problem daran aber ist nur, dass dessen goldene Zeiten vorbei sind. So sehr er sich auch bemüht, zappelt und Grimassen schneidet: seine Figur ist nur selten wirklich lustig. Vielmehr wirkt er steif und fehl am Platze, als hätte er sich nur widerwillig zu der Vaterrolle herabgelassen. So reduziert sich der Film auf Familienunterhaltung der freudlosen Art: professionell gemacht, aber bar jeder Emotion. Da schiebt man den Kinobesuch mit den Kindern besser bis zum nächsten Pixar-Abenteuer auf.
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