Themba - Das Spiel seines Lebens

Sportfilm | Deutschland/Südafrika 2010 | 105 Minuten

Regie: Stefanie Sycholt

Ein schwarzer Junge aus Südafrika träumt von einer Karriere als Profifußballer, wird aber auf den Boden der Wirklichkeit zurückgeholt, als seine Mutter die Familie verlässt, um in Kapstadt Arbeit zu suchen. Ihr Geliebter missbraucht den Jungen und infiziert ihn mit HIV. Trotzdem ringt er weiter um eine bessere Zukunft. Leidlich unterhaltsamer Versuch, einem schmerzhaften Thema eine populäre Form zu geben, der aber weder als Sportfilm noch als Sozialdrama überzeugt, weil die angedeuteten Missstände von schwelgerischen Landschaftsbildern und einer oberflächlichen Erzählweise übertüncht werden. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
THEMBA
Produktionsland
Deutschland/Südafrika
Produktionsjahr
2010
Regie
Stefanie Sycholt
Buch
Stefanie Sycholt
Kamera
Egon Werdin
Musik
Annette Focks
Schnitt
Hansjörg Weissbrich
Darsteller
Junior Singo (Themba) · Patrick Mofokeng (Luthando) · Emmanuel Soginase (Thema mit 12) · Nomhlé Nkonyeni (Ma Zanele) · Simphiwe Dana (Mandisa)
Länge
105 Minuten
Kinostart
24.11.2022
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 10.
Genre
Sportfilm | Drama

Jugenddrama um einen südafrikanischen Jugendlichen, der von einer Karriere als Profifußballer träumt, aber gegen widrige Umstände kämpfen muss.

Diskussion
Die Begeisterung für den Fußball nutzen, um auf soziale Missstände aufmerksam zu machen und Aufklärungsarbeit zu leisten: diese Absicht verfolgt „Themba“. Der Kinostart des in Südafrika angesiedelten Dramas um einen Jungen, der von einer Karriere als Profikicker träumt, wurde im Fahrwasser der Fußball-WM platziert; prominente südafrikanische Stars flankieren die jugendlichen Darsteller, Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann ist in einer kleinen Gastrolle als Mentor des jungen Hauptdarstellers zu sehen. Freilich heißt „gut gemeint“ noch lange nicht „gut gemacht“, was nicht nur für Lehmanns steifen Auftritt, sondern auch für den Rest des Films gilt: „Themba“ verfolgt sein aufklärerisches Ziel so kalkuliert und dabei so ungeschickt, dass wenig Raum für Film- oder Fußballzauber bleibt. Dass die Geschichte trotzdem einigermaßen unterhaltsam ist, verdankt der Film einem Coming-of-Age-Plot, der auch durch die Inszenierung nicht ganz kaputt zu kriegen ist. Im Mittelpunkt steht Themba, ein Junge aus der Provinz, der mit Mutter und Schwester in einer Hütte an der Südküste Südafrikas lebt, mit seinen Freunden auf dem Bolzplatz kickt und davon träumt, in die Jugendauswahl der „Bafana Bafana“ aufgenommen zu werden. Als ein Turnier für Jugendmannschaften ausgeschrieben wird, formieren sich die Jungen kurzerhand zu einem Team und melden sich an. Zwar fehlen ihnen richtige Fußballschuhe, dafür aber haben sie umso mehr Leidenschaft. Die familiären Sorgen funken dem angehenden Fußball-Profi allerdings schmerzhaft dazwischen. Da der Vater seit Jahren verschollen ist, muss die Mutter Themba und seine Schwester allein durchbringen; als sie ihren Job auf einer Plantage verliert, bricht der kleinen Familie der Boden unter den Füßen weg. Die Mutter verlässt die Heimat, um in Kapstadt Arbeit zu suchen, und lässt die Kinder bei Luthando zurück, einem Mann, der als angeblicher Verwandter des Vaters bei ihr Unterschlupf gefunden und das Herz der verlassenen Frau erobert hat. Allerdings nicht das von Themba, der Luthando für einen Betrüger und Nichtsnutz hält. Jahre vergehen, ohne dass die Mutter zurückkehrt und in denen sich Thembas Abneigung gegen den Mann als mehr als begründet erweist: Luthando vergewaltigt ihn, als Themba versucht, seine Schwester vor dessen Übergriff zu schützen. Das hinterlässt nicht nur psychische Narben, denn Luthando ist HIV-positiv und infiziert auch den Jungen. Schließlich brechen Themba und seine Schwester auf, um die Mutter zu suchen. Sie finden sie in einem Slum der Hauptstadt, wo sie verwahrlost und auch mit AIDS infiziert vor sich hin vegetiert. Die Familie ist am Tiefpunkt, doch ausgerechnet jetzt rückt Thembas Traum von der Fußballkarriere in greifbare Nähe. Clint Eastwood hat mit „Invictus“ (fd 39 726) vorgemacht, wie spannend sich ein Sportdrama mit gesellschaftspolitischer Bedeutung aufladen lässt. „Themba“ reicht nicht annähernd daran heran. Sportfilm, südafrikanischer Lokalkolorit, Missbrauchs- und AIDS-Drama, Coming-of-Age-Geschichte: Die Regisseurin Stefanie Sycholt findet zwischen diesen Ingredienzien keine Balance. Immer fährt die eine Ebene der anderen in die Parade: Wenn es gelten würde, das Elend von Thembas Familie nicht nur zu behaupten, sondern sinnlich mitfühlbar zu machen oder mit Themba zusammen die Abgründe zu durchschreiten, die die Vergewaltigung für den Jungen bedeutet, schaut die Kamera allzu dezent weg; postkartenschöne Landschaftsimpressionen übertünchen die emotionale Wucht der Ereignisse, bevor die Handlung zur nächsten Station weiter eilt. Vielleicht soll dies den Film (für die anvisierte jüngere Zielgruppe) goutierbarer machen; der Preis dafür ist der Verlust an Glaubwürdigkeit. Wenn sich aus einem Fußball-Match dagegen mitreißende Spannungshöhepunkte ziehen lassen könnten, belässt es die Kamera dabei, sich optisch durchaus schwungvoll zwischen die Beine der Spieler zu stürzen, ohne aber erzählerisch etwas aus der Dramatik des Spiels herauszuholen. Fußball scheint vor allem als populärer Aufhänger zu dienen, wirkliches Interesse bringt die Inszenierung dem Spiel nicht entgegen; die sportlichen Szenen wirken eher wie Unterbrechungen des Erzählflusses denn wie Highlights, die sie für die Hauptfigur wie fürs Publikum eigentlich darstellen müssten. Der Versuch, die unangenehme AIDS-Thematik in eine „mainstreamige“ Form zu bringen, führt zu einem unbefriedigenden Ergebnis, das weder als Sozialdrama noch als Sportfilm überzeugt, da es abmildert, wo es wehtun sollte, und allzu offensichtlich didaktisch wird, wo es mitreißen müsste. Das ist schade, denn von der Substanz her hätte Thembas Geschichte das Zeug zum großen Drama gehabt.
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