Drama | Deutschland/Österreich/Estland 2010 | 133 Minuten

Regie: Chris Kraus

Im Sommer 1914 reist ein 14-jähriges Mädchen aus Berlin mit dem Leichnam seiner Mutter auf das Landgut Poll im Baltikum zu seiner aristokratischen Familie. Während der Vater in bizarren anatomischen Studien aufgeht, verliebt es sich in einen verwundeten Anarchisten. Bildgewaltiges, vorzüglich fotografiertes, gespieltes und ausgestattetes Epos als bedrängendes Endzeitbild einer morbiden, dem Untergang geweihten Welt. Zwar werden die Erzählfäden und Themen nur durch eine forcierte Dramaturgie zusammengehalten, die den gewaltsamen Einbruch der Historie braucht, um die Ereignisse in eine Form zu zwingen; gleichwohl erweist sich der Film als rares Schmuckstück in der deutschen Filmlandschaft, das mit seinem Glauben an die verändernde Kraft der Liebe tief bewegt. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
POLL
Produktionsland
Deutschland/Österreich/Estland
Produktionsjahr
2010
Regie
Chris Kraus
Buch
Chris Kraus
Kamera
Daniela Knapp
Musik
Annette Focks
Schnitt
Uta Schmidt
Darsteller
Paula Beer (Oda von Siering) · Edgar Selge (Ebbo von Siering) · Tambet Tuisk (Schnaps) · Jeanette Hain (Mila von Siering) · Richy Müller (Mechmershausen)
Länge
133 Minuten
Kinostart
03.02.2011
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Drama

Heimkino

Die DVD enthält eine Audiodeskription für Sehbehinderte und als Extra u.a. ein ausführliches Booklet.

Verleih DVD
Piffl (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Hinter der Halbwaisen, die ihre verstorbene Mutter in einem mit Eiswürfeln präpariertem Sarg zu ihrem Vater bringt, verbirgt sich die authentische Figur der heute gänzlich vergessenen Schriftstellerin Oda Schaefer, einer Großtante des Regisseurs. Es bedurfte eines Germanistikstudiums, um die tot geschwiegene Verwandte, eine linke Abweichlerin innerhalb der über Generationen überwiegend ultranationalistisch gesinnten Familie, wiederzuentdecken. Auf den Memoiren der 1988 verstorbenen Autorin basiert auch das Drehbuch des sich über 14 Jahre hinziehenden Wunschprojekts von Chris Kraus. Die Ausdauer hat sich ausgezahlt, denn „Poll“ gehört zu jener seltenen Spezies deutscher Filme, die über ein veritables Kinoformat verfügen. Das fängt mit dem grandiosen Setting an, einem auf Stelzen im Meer balancierenden Herrenhaus mit Tempelsäulen im Stil eines Palladio, das vor der Kulisse eines bedrohlich verhangenen Himmels tiefe Verfallsspuren aufweist

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