London Boulevard

Thriller | USA/Großbritannien 2010 | 107 Minuten

Regie: William Monahan

Ein Ex-Häftling gerät als Geldeintreiber zurück auf die schiefe Bahn, als er der Bodyguard einer angesagten Schauspielerin und bald auch ihr Liebhaber wird. Sein Leben zugunsten der neuen Liebe zu ändern, ist jedoch leichter gesagt als getan. Geradlinig entworfener Thriller, der zusehends mehr durch seine außergewöhnliche Volten fasziniert und sich zur rabenschwarzen Gangster- und Liebesgeschichte sowie zum spannenden Vexierspiel zwischen cooler Mimik und beiläufig spitzen Dialogen verdichtet.

Filmdaten

Originaltitel
LONDON BOULEVARD
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2010
Regie
William Monahan
Buch
William Monahan
Kamera
Chris Menges
Musik
Sergio Pizzorno
Schnitt
Dody Dorn
Darsteller
Colin Farrell (Mitchel) · Keira Knightley (Charlotte) · David Thewlis (Jordan) · Anna Friel (Briony) · Ben Chaplin (Billy Norton)
Länge
107 Minuten
Kinostart
01.12.2011
Fsk
ab 16; f
Genre
Thriller | Literaturverfilmung

Diskussion
Die Geschichte beginnt wie so viele, die von Menschen handeln, die einfach nicht von der schiefen Bahn zu bekommen sind: Eben erst aus dem Knast entlassen, hat sich Mitchel vorgenommen, ein besserer Mensch zu werden. Doch tief im Innern war ihm klar, dass das einmal mehr nichts werden wird. Spätestens als sein alter, nicht in sonderlich guter Erinnerung gebliebener Kumpel Billy am Tor des Londoner Pentonville-Gefängnisses auf Mitchel wartet, beginnt das alte Spiel von vorne. Der für seine Größe recht kräftige Ire ist nun mal prädestiniert, um auch ruppigeren Zeitgenossen das Schutzgeld aus der Tasche zu prügeln. Alles wie gehabt, doch dann beginnt das Märchen, das manche Kinogeschichten so besonders macht. Es tritt in Mitchels leben in Gestalt einer Frau. Die Stadt und die Yellow-Press sind voll von ihren mehr oder minder vorteilhaften Porträt-Fotos: Charlotte gehört zu den angesagtesten, aber auch umstrittensten Schauspielerinnen der englischen Metropole. Privat hat sie chronisch Pech, und ihre Rollenauswahl prädestiniert sie „zur am häufigsten vergewaltigten Frau im europäischen Kino – nach Monica Bellucci“. Wie Mitchel ausgerechnet an den Job kommt, ihr Bodyguard zu werden, gehört zu den unerklärlichen Rätseln des Films, gibt dem Ex-Häftling aber jene zweite Chance im Leben, die ihm nach den Genreregeln zusteht. Während Charlotte gut im Selbstmitleid und im Nichtstun in den Räumen ihres abgeschotteten Domizils ist, betätigt sich Mitchel mit dem Vermöbeln vom Paparazzi und – nach Feierabend – weiterhin in seinem Nebenjob als Geldeintreiber. Das muss sich ändern, als zwischen den beiden mehr als nur eine geschäftliche Beziehung aufzublühen beginnt. Kompliziert wird die Lage, als Billys Chef, der lokale, äußerst brutale Pate Mister Gant, Besitzansprüche an den talentierten Abzieher anmeldet. Die Lage gerät außer Kontrolle, sodass Mitchel einige „einschneidende“ Änderungen in seinem Leben vornehmen muss. „London Boulevard“ ist der erste Film des Drehbuchautors William Monahan, der sich mit „Königreich der Himmel“ (fd 37 038), vor allem aber mit seinem Buch zum „Oscar“-gekrönten „Departed – Unter Feinden“ (fd 37 938) einen Namen gemacht hat. Sein Regiedebüt versteckt sich weder hinter monumentalem „Production Value“, noch ist es abgekupfert von einem perfekten (chinesischen) Originaldrehbuch. Der im Vergleich fast schlichte „London Boulevard“ funktioniert zunächst durch einen geradlinigen Thriller-Plot, fasziniert aber zusehends durch dessen außergewöhnliche Volten: Perfekt konstruierte Wendungen rücken Charaktere vom Rand der Geschichte plötzlich ins Zentrum der Handlung, ein Vexierspiel zwischen cooler Mimik und beiläufig spitzen Dialogen entfaltet sich, das Monahan aus der gleichnamigen Buchvorlage von Ken Bruen extrahiert. Die angenehm ruhigen Einstellungen, die Chris Menges mit der Kamera einfängt, machen aus der eigentlich trivialen Geschichte eine schwarze britische Version griechischer Tragödien, die weit über eine solide Genrearbeit hinausgeht.
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