- | Deutschland 2011 | 106 Minuten

Regie: David Wnendt

Eine junge Frau aus Mecklenburg schlägt und tritt sich als Neo-Nazi durch ihr tristes Dasein, bis ein Mädchen aus "besseren" Kreisen in ihre Kameradschaft drängt und ein jugendlicher Flüchtling aus Afghanistan ihre Wege kreuzt. Der spannend und intensiv erzählte, gut recherchierte Debütfilm zeichnet abseits von Klischees ein authentisches Bild des braunen Milieus in Ostdeutschland und lässt sich mutig auf die Binnensicht seiner Figuren ein. Im letzten Drittel psychologisiert er allzu sehr seine Protagonistin, die sich zur mutig-sensiblen Humanistin wandelt. Dies strapaziert nicht nur die Glaubwürdigkeit der Erzählung, sondern untergräbt auch die realistische Darstellung der rechten Szene. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2011
Regie
David Wnendt
Buch
David Wnendt
Kamera
Jonas Schmager
Musik
Johannes Repka
Schnitt
Andreas Wodraschke
Darsteller
Alina Levshin (Marisa) · Jella Haase (Svenja) · Sayed Ahmad Wasil Mrowat (Rasul) · Gerdy Zint (Sandro) · Lukas Steltner (Markus)
Länge
106 Minuten
Kinostart
19.01.2012
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.

Diskussion
An der jungen Frau fallen als erstes das zarte Gesicht und ihr schmaler Körper auf. Im Widerspruch dazu irritiert ihr stierer Blick, das teilweise zur Stoppelfrisur gekürzte Haar und die offensiv zur Schau getragenen Tattoos mit altdeutschen Frakturlettern. Gleich zu Beginn sieht man, wie sie hochgehen kann, spuckt, schreit, tritt und schlägt. Wer zu lange Haare oder zu dunkle Haut hat oder sie auch nur zu lange anguckt, der hat schlechte Karten. Marisa (von Alina Levshin in einem atemberaubend souveränen Auftritt nuancenreich gespielt) ist eine Neo-Nazibraut aus einem Küstenkaff in Mecklenburg. Ihre Freunde sind Skinheads. Wenn sie nicht gerade Ausländer und Linke drangsaliert, sitzt sie im Supermarkt ihrer Mutter an der Kasse. Gleich nach der Prügelszene erfährt man, wo sie herkommt. Man sieht sie als Kind mit ihrem Opa am Strand. Sie schleppt einen Rucksack voller Sand, während der Großvater sie anfeuert: „Zähne zusammenbeißen. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Meine Kriegerin.“ Die Zähne beißt sie immer zusammen, auch heute

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