Das Haus der Krokodile (2011)

Abenteuer | Deutschland 2011 | 91 Minuten

Regie: Philipp Stennert

Ein zwölfjähriger Junge ist mit seinen Eltern und seinen beiden älteren Schwestern in ein altehrwürdiges Haus gezogen, das seinem Onkel gehört. Während die Eltern auf einer Fachmesse sind, folgt er rätselhaften Spuren und Hinweisen, die ein vor 40 Jahren gestorbenes Mädchen, die Tochter des Onkels, in seinem Tagebuch anlegte. Während er den Schatten der Vergangenheit ihr Geheimnis entreißt, treibt ein quicklebendiger Gauner in den Räumen sein Unwesen. Atmosphärische Romanverfilmung, die zwar das Spannungs- und Gruselpotenzial der Mystery-Geschichte überwiegend veräußerlicht, dennoch aber reizvoll und nachvollziehbar das Thema der Schatzsuche mit der Suche des Jungen nach Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein verbindet. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2011
Regie
Philipp Stennert · Cyrill Boss
Buch
Philipp Stennert · Cyrill Boss · Eckhard Vollmar
Kamera
Philip Peschlow
Musik
Christoph Zirngibl · Helmut Zerlett
Schnitt
Connie Strecker
Darsteller
Joanna Ferkic (Cora) · Kristo Ferkic (Viktor) · Vijessna Ferkic (Louise) · Christoph Maria Herbst (Friedrich Debisch) · Katja Weitzenböck (Viktors Mutter)
Länge
91 Minuten
Kinostart
22.03.2012
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Abenteuer | Kinderfilm | Literaturverfilmung

Diskussion
Ein Mädchen mit langen braunen Haaren und altertümlichem Kleid tollt vor einem Herrenhaus herum. Mit einem traurigen Lächeln blickt es in die Kamera. Ein Hauch von Schwermut liegt über den leicht verblichenen Amateur-Aufnahmen aus den 1970er-Jahren, über denen das unheimliche Kindersummen eines Liedes liegt. Das Mädchen weilt nicht mehr unter uns, das dürfte auch jüngeren Kinogängern klar sein. Erwachsene sind mit dieser Trope des Gruselfilms längst sozialisiert. Für gewöhnlich wird mit solchen Aufnahmen einer vergangenen Zeit die Geschichte eines verfluchten Hauses eingeläutet; den neuen Bewohnern der steht meist nichts Gutes bevor. Das Heimelige wandelt sich zum Unheimlichen, wenn der Film die düstere Seite der Romantik entdeckt. Man könnte es die Patina des Gruselfilms nennen, mit der die herrschaftlichen Wohnsitze überzogen werden. Da gibt es Nachbarn der finster-verkniffenen Art, verhängte Möbel und zornig von den Wänden starrende Tierköpfe. In Kinderfilmen wirken diese Elemente noch ungebrochen. Dementsprechend wenig subtil oder scherzhaft überzeichnet werden sie auch in der Neuverfilmung von Helmut Ballots Roman „Das Haus der Krokodile“ eingesetzt, der bereits 1976 von der ARD verfilmt wurde. Auch in der aufgepeppten Neuversion sind die Nachbarn etwas zu offensiv bösartig, ist das Herrenzimmer etwas zu exotistisch, sind die Spuren, die die vormalige Bewohnerin Cäcilie für den jungen Viktor in ihrem Skizzenbuch ausgelegt hat, etwas zu geradlinig, als dass sich Grusel ausbreiten könnte. Was das „Haus der Krokodile“ in diesem Setting bieten will, ist eine harmlose Schnitzeljagd aus dem Jenseits für die Altersgruppe, der auch der zwölfjährige Viktor angehört. Dieser zieht mit seinen Eltern und zwei Schwestern in die Wohnung seines Onkels, der im Krankenhaus liegt. In seinen Räumen lebte einst das langhaarige Mädchen mit einer Vorliebe für Krokodile und Rätsel, bis Cäcilie vor etwa 40 Jahre das Treppenhaus hinabstürzte. Viktor ist als Leser von Detektiv-Romanen von ihrem tragischen Tod ebenso ergriffen wie fasziniert. Sehr zum Leidwesen seiner älteren Schwestern will er ausgerechnet dann die Umstände ihres Todes aufklären, als die Eltern verreist sind. Allerdings dient diese Suche auch dem eigenen Selbstschutz: Zu erschreckend ist das plötzliche Auftauchen eines maskierten Einbrechers, dessen Anblick Viktor im Spiegel von Onkels Herrenzimmer erhascht. In Folge zweifeln alle an Viktors Geisteszustand, während der clevere Junge auf der Suche nach Cäcilies Mörder einer kleineren, aber wesentlich rentableren Gaunerei auf die Schliche kommt. Es ist der kindliche Traum einer Schatzsuche, der hier geträumt wird und den wohl manches Kind schon einmal in nachmittäglicher Langeweile nachgestellt hat: Nachbarn werden beobachtet und verdächtigt, Häuser durchforstet, im eigenen Zimmer wird ein Zelt als Kommandozentrale errichtet, Geheimgänge werden gesucht, einfache Verbindungsstellen als solche deklariert. Was „Haus der Krokodile“ abseits der recht simplen Spurensuche mittels einer einfallsreichen Inszenierung hätte darstellen können, wäre die überbordende Fantasie im Kopf eines Kindes gewesen. Stattdessen verlässt sich die müde heruntergedrehte Produktion im Nostalgie-Wahn ehemaliger Kindheitslektüre lieber auf die Vorgaben des Genres, auf einige überdrehte Auftritte von Christoph Maria Herbst und die ungelenken Missgeschicke des kleinen Nachwuchsdetektivs. Das tut niemandem weh, erst recht keinen schreckhaften Kinderaugen. Spannend und bissig, wie es ein „Haus der Krokodile“ auch für Kinogänger im Schulalter sein könnte, ist das freilich nicht.
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