Tatort - Kälter als der Tod

Krimi | Deutschland 2015 | 90 Minuten

Regie: Florian Schwarz

An ihrem ersten gemeinsamen Arbeitstag werden zwei Frankfurter Kommissare zum Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens gerufen: Eine Familie wurde ermordet, wobei sich bald herausstellt, dass die Tochter und deren Nachhilfelehrerin nicht unter den Toten, sondern spurlos verschwunden sind. Inhaltlich eher konventionell konstruierter (Fernsehserien-)Krimireihe, der sich vornehmlich darauf konzentriert, ein neues "Tatort"-Ermittlerteam einzuführen. Gleichwohl beeindruckt er durch brillante Darsteller, sensible Porträts sowie seine fantasiereiche, dabei psychologisch stets präzise Inszenierung. - Ab 16.
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Filmdaten

Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2015
Produktionsfirma
Hessischer Rundfunk
Regie
Florian Schwarz
Buch
Michael Proehl · Mathias Tuchmann
Kamera
Philipp Haberlandt
Musik
Florian van Volxem · Sven Rossenbach
Schnitt
Stefan Blau
Darsteller
Margarita Broich (Anna Janneke) · Wolfram Koch (Paul Brix) · Roeland Emanuel Wiesnekker (Henning Riefenstahl) · Zazie de Paris (Fanny) · Emily Cox (Miranda Kador)
Länge
90 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Krimi

Diskussion
Wer eine ähnlich verrückte, grandiose, die „Tatort“-Formeln zerschreddernde Extravaganz erwartet, wie sie Florian Schwarz (Regie) und Michael Proehl (Buch) mit „Tatort – Im Schmerz geboren“ aufgetischt haben, der wird von ihrem neuen Frankfurt-„Tatort“ enttäuscht sein. Hier, bei der Einführung des neuen Ermittler-Duos, bleiben die Genre-Standards gewahrt: Leichen, Spurensuche, eine Galerie von Verdächtigen, der Blick aus Ermittlerperspektive. Ein schreckliches familiäres Blutbad setzt die bisweilen etwas mutwillig ausufernde Geschichte in Gang, thematisch geht es um die Sehnsucht nach familiärer Geborgenheit – ein Thema, das in deutschen TV-Krimis gerade sehr beliebt ist – und um die seelischen Abgründe von Menschen, die als Kinder vernachlässigt und verstoßen wurden. In der nuancierten Zeichnung von Stimmungen und Charakteren aber entfaltet Florian Schwarz seine besonderen Talente: brillante Darsteller, sensible Porträts, fantasiereich und psychologisch präzise. Mit inszenatorischen Capriccios präsentiert er nächtliche Szenerien mit Mondhimmel, zart angedeutete Liebesgeschichten und menschenfreundliche Ermittler, Hauptkommissar Brix (Wolfram Koch) und seine Kollegin Janneke (Margarita Broich), die sich einmal nicht als Neurotiker oder Zyniker entpuppen. Zauberische Imagination und ironisches Spiel sind die Elemente, mit denen Schwarz am besten jonglieren kann. So verleiht er der Ermittlungsarbeit etwas von traumartiger Intuition, wenn er imaginierte Bilder des Tathergangs wie Gedankenblitze auftauchen lässt. So macht er den Duft eines frisch gebackenen Kuchens zum Ereignis. Und so formt er mit Emily Cox eine engelsgleiche Gestalt, deren Schönheit zum faszinierenden Geheimnis der Geschichte wird.
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