Western | Großbritannien/Neuseeland 2015 | 86 Minuten

Regie: John Maclean

Ein 16-jähriger Schotte folgt seiner Jugendliebe ins unzivilisierte Colorado des Jahres 1870 und heuert einen Revolvermann zu seinem Schutz an. Die Suche nach dem Mädchen und dessen Vater erweist sich zusehends als gefährlicher, da den beiden Kopfgeldjäger auf den Fersen sind. Wortkarger Spätwestern, der durch seine lakonische Bildsprache beeindruckt. In knappen Szenen konfrontiert das Regiedebüt jugendliche Ideale mit Geldgier und roher Gewalttätigkeit, ist dabei freilich mehr an einer Entromantisierung des Genres als am Spannungsaufbau interessiert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SLOW WEST
Produktionsland
Großbritannien/Neuseeland
Produktionsjahr
2015
Regie
John Maclean
Buch
John Maclean
Kamera
Robbie Ryan
Musik
Jed Kurzel
Schnitt
Roland Gallois · Jon Gregory
Darsteller
Kodi Smit-McPhee (Jay Cavendish) · Michael Fassbender (Silas Selleck) · Ben Mendelsohn (Payne) · Caren Pistorius (Rose Ross) · Rory McCann (John Ross)
Länge
86 Minuten
Kinostart
30.07.2015
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Western

Heimkino

Die Extras enthalten u.a. ein Feature zwei mit im Film nicht verwendeten Szenen (9 Min.).

Verleih DVD
Prokino (16:9, 1.66:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Prokino (16:9, 1.66:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Wortkarge Western-Dekonstruktion

Diskussion
Ein 16-jähriger schottischer Ausreißer aus gutem Haus landet im »Wilden Westen« auf der Suche nach seiner ersten Liebe, die zusammen mit ihrem Vater die Alte mit der Neuen Welt vertauscht hat. Die Konterfeis von Vater und Tochter hängen dort an verwitterten Häuserfronten. Die beiden werden wegen Mordes gesucht; doch der Zuschauer erfährt nichts Genaues. Ein Kopfgeldjäger, der den träumerischen, aber unbeirrbaren Jungen gegen eine Entlohnung begleitet, ist nicht der Einzige, der sich die ausgesetzte 2000-Dollar-Prämie verdienen will. Man schreibt das Jahr 1870. Ort der Handlung ist Colorado, auch wenn der Film in den Ebenen und Bergen von Neuseeland gedreht wurde. Ein Western also, dessen Außenaufnahmen gewiss nicht zufällig an John Ford erinnern. Mehr als das hat Regisseur John Maclean in seinem Debütfilm mit den großen Klassikern des Genres nicht gemein. Eher schon ist »Slow West« eine wortkarge Dekonstruktion und Entromantisierung der Gattung, mal an den Coen-Brüdern und an Quentin Tarantino, mal an den Filmen von Budd Boetticher und Monte Hellman orientiert. Maclean beruft sich auch auf Bresson, und man merkt es. Der Film fasziniert durch seine lakonische Bildersprache und die (oft witzige) Knappheit der Dialoge. Maclean war früher ein Mitglied der eklektischen schottischen Folk-Gruppe The Beta Band, für die er mehrere Musikvideos gemacht hat. Außer ein paar Kurzfilmen hat er sonst keine praktische Filmerfahrung vorzuweisen. Es gehört deshalb schon eine gehörige Portion Chuzpe dazu, sich gleich auf einen Film einzulassen, der ein ganzes Genre auf ein paar Formeln zu reduzieren versucht. Einen philosophischen Unterbau darf man von »Slow West« dabei nur mit Maßen erwarten. Es gibt auch weder das Adrenalin anstachelnde Actionszenen noch ein Happy End. Was übrig bleibt von der jugendlichen Träumerei und Abenteuerlust ist die Konfrontation der Ideale mit einem seelischen Ödland, in dem Geld und Gewalttätigkeit die einzigen Orientierungsmarken sind. Maclean scheint zu erwarten, dass seine Zuschauer genügend Kenntnis des Western-Genres mitbringen, um seine oft abrupt wirkenden Fragmente einordnen zu können. Viel Spannung kommt dabei trotz der unüblichen Kürze des Films leider nicht auf. Dessen ungeachtet aber ist »Slow West« eine Fingerübung, die genug Talent offenbart, um auf weitere Filme von John Maclean neugierig zu machen.
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