Frank Zappa - Eat That Question

Dokumentarfilm | Deutschland/Frankreich 2016 | 89 Minuten

Regie: Thorsten Schütte

Collagenartiger Dokumentarfilm über den Musiker und Produzenten Frank Zappa (1940-1993), der zeitlebens als anarchistischer Zerstörer und entfesselter Hippie galt. Der 30 Jahre umfassende Zusammenschnitt von Konzertaufnahmen, Nachrichtenschnipseln und Interviews zeichnet ein etwas anderes Bild des Gitarrenvirtuosen mit dem Schnauzbart: diszipliniert, ernst und höchst reflektiert. Vom ersten Fernsehauftritt bis zu den letzten Gesprächen kurz vor Zappas Tod entfaltet sich eine einzigartige Karriere, wobei der Film insbesondere den gewitzten Umgang des Musikers mit den Medien ins Zentrum rückt. (O.m.d.U.) - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
FRANK ZAPPA - EAT THAT QUESTION
Produktionsland
Deutschland/Frankreich
Produktionsjahr
2016
Regie
Thorsten Schütte
Buch
Thorsten Schütte
Schnitt
Willibald Wonneberger
Länge
89 Minuten
Kinostart
08.12.2016
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Künstlerporträt

Heimkino

Verleih DVD
Arsenal (16:9, FF, DD5.1 engl.)
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Collagenhafte Dokumenation über den Rockmusiker Frank Zappa (1940-1993), die ausschließlich Konzertaufnahmen, Nachrichtenmeldungen und Fernsehinterviews benutzt.

Diskussion
Seinen ersten Fernsehauftritt hatte der amerikanische Musiker Franz Zappa im Jahr 1963. Ein schmaler junger Mann im Anzug, ernst, ein wenig schüchtern und noch ohne seinen charakteristischen T-förmigen Schnauzbart führte in der „Steve Allen Show“ sein „Concerto for Two Bicycles“ auf. 30 Jahre später gab Zappa, von einer Krebskrankheit schwer gezeichnet, aber immer noch dauerqualmend, in der „Today Show“ eines seiner letzten Interviews. Wie er in Erinnerung behalten werden möchte, will die Moderatorin von ihm wissen. Zappa, nachdenklich, aber bestimmt: „Das ist nicht wichtig. Es ist mir egal.“ Zwischen diesen beiden zeitlichen Markierungen liegen mehr als 60 Schallplatten, verschiedene Bandprojekte, diverse Orchesterwerke, der Musikfilm „200 Motels“ (1971) zahllose Live-Konzerte, die von derbem Humor und ätzender Gesellschaftskritik nur so krachen – und viele, viele Fernsehauftritte, etwa in der CBS-Show „What’s My Line?“, in der Debattensendung „Crossfire“ und in „Larry King Live“. Ausschnitte aus diesen Sendungen, die der Regisseur Thorsten Schütte aus den Archiven der Sender zusammengetragen hat, darunter auch Beiträge des deutschen, französischen und tschechischen Fernsehens, ziehen sich motivisch durch den Film. Die klug montierte und klaren Erzählbögen folgende Dokumentation besteht ausschließlich aus vorgefundenem Material, aus Konzertaufnahmen, Nachrichtenschnipseln, Interviews. „Interviewt zu werden, ist die widernatürlichste Sache, die es überhaupt gibt. Zwei Schritte vor der Inquisition“, so Zappa in einem Interview. Immer wieder wird der äußerst medienreflexive Musiker vor der Kamera mit Zuschreibungen und Schlagworten konfrontiert, die über seine Person in Umlauf sind. Die Begriffe sind bunt gemischt und nicht selten absurd: Rock-Legende, Freak, Teil des Hippie-Establishments, exzentrisches Genie, Ausbeuter der Revolution, Mephisto, „ein Testpilot, der an die Grenzen geht“. Zappa widerspricht hier, bestätigt da, etabliert Ambivalenzen und Dialektik; mit einfachen Rezeptionsmustern kommt man ihm nicht bei. Als Apologet der Gegenkultur, der die Wert- und Moralvorstellungen der amerikanischen Nachkriegsgesellschaft attackierte und mehrfach wegen angeblicher Obszönitäten in die Kritik geriet, verwirrte Zappa mit anti-hippiesken Haltungen (keine Drogen, Disziplin, Hyperproduktivität). Und trotz seiner Opposition gegen rechte Positionen und den Markt (Zappa machte sich schon früh unabhängig und wurde sein eigener Produzent) kam auch die Linke bei ihm nicht gut weg. Als Zappa sich bei einem Konzert seiner Band „Mothers of Invention“ im Berliner Sportpalast 1968 weigerte, dem Aufruf von Studenten nachzukommen, während des Konzerts zu einer Demonstration gegen die US-Regierung aufzurufen, stürmten die Protestierenden die Bühne. Vor allem mit seiner collagenartigen Musik stellte Zappa die bestehenden Kategorien vom Kopf auf die Füße. Die Elemente seiner Musik, darunter asymmetrische Rhythmen und deformierte Harmonien, waren in der Rock- und Popmusik eigentlich nicht vorgesehen. Als seine wichtigsten Einflüsse nannte er Edgar Varèse und Igor Stravinsky. Mit der Collage hat Schütte eine für den Musiker Zappa adäquate Erzählform gefunden, ohne seinen musikalischen Stil filmisch nachzuahmen. „Frank Zappa“ vertraut ganz auf sein Material. Nebenbei schreibt der Film auch ein Stück Fernsehgeschichte der 1960er- bis in die frühen 1990er-Jahre.
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