Action | Dänemark 2017 | 114 Minuten

Regie: Fenar Ahmad

Ein Krimineller irakischer Herkunft sucht nach einem missglückten Banküberfall Schutz in der noblen Villa seines älteren Bruders in Kopenhagen, doch der angesehene Herzchirurg weist ihn unwillig ab. Am nächsten Morgen ist der Bankräuber tot, grausam ermordet von seinem Auftraggeber. Als die Polizei bei den Ermittlungen nicht weiterkommt, macht sich der Arzt selbst daran, seinen Bruder zu rächen. Unausgegorener, brutaler Actionfilm, der seine unterschwelligen Themen um Emigration und Integration zugunsten eines harten, mitunter blutrünstigen Rachethrillers vernachlässigt.

Filmdaten

Originaltitel
UNDERVERDEN
Produktionsland
Dänemark
Produktionsjahr
2017
Regie
Fenar Ahmad
Buch
Fenar Ahmad · Adam August
Kamera
Kasper Tuxen
Musik
Jens Ole Wowk McCoy
Schnitt
Kasper Leick
Darsteller
Dar Salim (Zaid) · Stine Fischer Christensen (Stine) · Ali Sivandi (Semion) · Dulfi Al-Jabouri (Alex) · Jakob Ulrik Lohmann (Torben)
Länge
114 Minuten
Kinostart
12.10.2017
Fsk
ab 18; f
Genre
Action | Rache-Drama | Thriller

Brutale Actionfilm über einen dänischen Arzt irakischer Herkunft, der den Mord an seinem Bruder ohne Rücksicht auf Verluste rächt

Diskussion
Aus der Vogelperspektive blickt der Zuschauer von hoch oben auf eine Straßenkreuzung in Kopenhagen, während im Off ein Mann beruhigend auf einen anderen einredet. Noch ist nicht klar, welchen Gegenstand die scheinbar stetig nach unten gleitende Kamera in den Fokus nimmt, welche Situation hier geschildert wird. Ein ärztlicher Notfall? Ein beruhigendes Zusprechen? Plötzlich befindet sich die Kamera im Inneren eines Wagens, und aus dem beschwichtigenden Einreden ist eine handfeste Forderung geworden: Hier zwingt ein Mann einen anderen zum Bankraub. Der Überfall geht dann prompt schief. Der aus dem Irak stammende Yasin kann zwar entkommen, doch die Beute verliert er unterwegs, was in seinen Kreisen ein unverzeihlicher Fehler ist. In seiner Not wendet sich der junge Mann an seinen älteren Bruder Zaid, einen erfolgreichen Herzchirurgen, dessen Frau Stine hochschwanger ist. Zaid hat an diesem Freitagabend Gäste; ein verzweifelter Bruder, der Geld verlangt, stört da nur, und darum setzt Zaid ihn buchstäblich vor die Tür. Am anderen Tag ist Yasin tot, grausam entstellt und aufgeschlitzt. Die Polizei tappt im Dunkeln. Zaid aber erinnert sich an seine Anfänge als Kickboxer; er nimmt das Training wieder auf und besorgt sich eine kugelsichere Weste, Schusswaffen sowie ein schwarzes Motorrad. Derart gerüstet, sucht er als maskierter Rächer in der Kopenhagener Unterwelt nach Semion, jenem brutalen Gangsterboss, der Yasin auf dem Gewissen hat. An der Oberfläche scheint es hier um die Integration von Ausländern in einer westlichen Gesellschaft zu gehen. Vor 30 Jahren ist Zaids Vater aus dem Irak nach Dänemark eingewandert. Doch seitdem sitzt er in den Augen von Zaid nur auf dem Sofa, ohne sich je assimiliert zu haben. Seine Söhne symbolisieren hingegen die extremen Gegensätze der Integration: der eine ein angesehener Arzt, der andere ein verachteter Gangster. Der Vorwurf, seine irakischen Wurzeln zu verleugnen, perlt an Zaid schon lange ab. Sichtbares Symbol seines Erfolges ist die großzügige Wohnung in der Gemini Residence in Kopenhagen, zu der Zaid auf Bitten eines beeindruckten Besuchers einmal über das Treppenhaus hinaufsteigt, obwohl das Appartement im obersten Stock liegt: ein kühles, weißes und großes Rund, in dem sich die Menschen nicht mehr begegnen. Sieht so gelungene Integration aus? Doch Regisseur Fenar Ahmad, der im Alter von fünf Jahren selbst als irakischer Immigrant nach Dänemark gekommen ist, verliert das unterschwellige Thema schon bald aus den Augen und stimmt das Publikum auf einen düsteren Rachethriller ein, bei dem keine Gefangenen gemacht werden. „Darkland“ heißt der Film nicht von ungefähr; die Unterwelt in Kopenhagen ist ein undurchsichtiger Moloch, den man nur mit seinen eigenen Waffen schlagen kann. Zaid, tagsüber im Operationssaal, nachts auf dem Motorrad, wechselt mühelos die Rollen, weil sie nur Sachkenntnis und Tatkraft verlangen, keine Empathie. Seine Funktion als fürsorglicher Ehemann und angehender Familienvater geht ihm darüber allerdings verloren. Als er einen von Semions Männern operieren muss, den er zuvor im Kampf schwer verletzt hat, strapaziert das Drehbuch mit einer Vermischung von Beruf und Rache die Glaubwürdigkeit. Fortan gefällt sich der Film in seiner ausgesuchten Grausamkeit. Menschen werden bei lebendigem Leib verbrannt, Augen ausgedrückt oder Bösewichter durchs geschlossene Fenster geschubst. Die Inszenierung liebt solche Gesten, Action ist wichtiger als Anspruch.
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