Ex Libris: The New York Public Library

Dokumentarfilm | USA 2017 | 198 Minuten

Regie: Frederick Wiseman

Dokumentarisches Porträt der „New York Public Library“, die mit ihren 89 Außenstellen zu den größten Bibliotheken der Welt zählt. Der Film zeichnet ohne jeden Off-Kommentar mit enormer Aufmerksamkeit und sympathischer Neugier ein vielschichtiges Bild des umtriebigen Mediendepots, das sich mit Nachdruck fürs digitale Zeitalter gerüstet hat, um seiner Aufgabe, Bildung und Kultur für alle zur Verfügung zu stellen, auch in den nächsten Jahrzehnten gewachsen zu sein. Ein ebenso kurzweiliger wie umfassender Streifzug durch eine quicklebendige Institution. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
EX LIBRIS: THE NEW YORK PUBLIC LIBRARY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Frederick Wiseman
Buch
Frederick Wiseman
Kamera
John Davey
Schnitt
Frederick Wiseman
Länge
198 Minuten
Kinostart
24.10.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Heimkino

Verleih DVD
Kool/good!movies
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Diskussion

Hommage an Bildung als "Säule der Demokratie": Frederick Wisemans dokumentarisches Porträt der "New York Public Library", die mit ihren 89 Außenstellen zu einer der größten Bibliotheken der Welt zählt.

 

Der Dokumentarist Frederick Wiseman durchforscht mit über 80 Jahren die New York Public Library. Er beantwortet dabei unter anderem auch die Frage nach den Aufgaben und Stellenwert von Büchern und Bibliotheken in der heutigen Zeit. Bibliotheken sind Orte zur geordneten Aufbewahrung von Büchern. Eigentlich möchte man Wiseman, der im Laufe seiner langen Karriere viele unterschiedliche Einrichtungen betrachtet hat, gerne fragen, wieso er erst jetzt, wo das klassische Buch am Verschwinden ist, sich mit einer Bibliothek auseinandersetzt.

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Wie eine Bibliothek sich zukunftsfähig macht

Dennoch ist der Zeitpunkt für dieses Unterfangens, knapp 30 Jahre nach dem ersten kommerziellen E-Book („Mona Lisa Overdrive“ von William Gobson, 1988), durchaus günstig gewählt. Inzwischen haben sich die Bibliotheken nämlich neu ausgerichtet. Sie haben ihre Aufgaben überdacht und begonnen, ihre alten Bestände in eine digitale Zukunft zu überführen. Die New York Public Library mit ihrem 1911 an der Fifth Avenue in Manhattan eröffneten, von den Architekten John Merven Carrère und Thomas Hastings erbauten Hauptgebäude und ihre 89 Außenstellen in der Bronx, in Manhattan und auf Staten Island ist dafür das beste Beispiel.

Ursprünglich wurde die „NYPL“ als wissenschaftliche Bibliothek gegründet, doch inzwischen bietet sie in ihren Zweigstellen auch Populärliteratur und grundlegendes Forschungsmaterial an. Ihre Sammlung umfasst über 51 Millionen Medien. Das macht sie zu einer der größten Bibliotheken der Welt. In ihren Archiven befinden sich nebst Büchern und Zeitschriften auch Bilder und Fotos, Handschriften, Hörbücher und DVDs. Die NYPL besitzt eine originale Gutenberg-Bibel und die handgeschriebene Unabhängigkeitserklärung von Thomas Jefferson. In den letzten Jahren wurden 800 000 „Digitalisate“, darunter auch Filme und Karten, aus den eigenen Beständen erstellt.

Viel mehr als nur als Lager für Bücher

„Ex Libris – The New York Publilc Library“ ist wie fast alle Wiseman-Filme der reinen Beobachtung verpflichtet. Der Zuschauer erfährt dabei genau das, was er beim Betrachten des Filmes aufzunehmen fähig ist. Das ist beim zweiten Betrachten des Films meist etwas anderes als beim ersten, und beim dritten Mal nochmals etwas Neues. Die NYPL entpuppt sich dabei schnell als viel mehr und vor allem als etwas ganz anderes, als bloß ein Lager für Bücher zu sein. Sie ist vor allem ein Ort, der sich der Bildung verschrieben hat und diese jedermann zugänglich macht. Nicht nur, indem man Bücher und andere Medien zur Ausleihe oder fürs Studium an vor Ort eingerichteten Arbeitsplätzen zur Verfügung stellt. Sondern auch, indem die Mitarbeiter den Kunden bei der Beschaffung von Information aktiv helfen und an der Vermittlung von Bildung beteiligt sind. Etwa mit Aufgaben für Kinder oder in Kursen für Erwachsene, die den Umgang mit Computer erlernen oder in Gruppen ein Buch diskutieren. Oder in Gestalt eines Telefondienstes, bei dem jedwede Fragen beantwortet werden, selbst wenn darum geht, dass Einhörner in der Realität nicht existieren.

Wie in seinen anderen Institutionenporträts hat Wiseman nicht nur in den öffentlich zugänglichen Bereichen gefilmt, sondern auch hinter die Kulissen geblickt. Der Film nimmt an Sitzungen teil, in denen es um Finanzen, den Einbau des Glasfasernetzes oder den Umgang mit Nutzern geht; er wirft einen Blick ins riesige Verteilerzentrum, wo Medien mit Hilfe modernster Erkennungsgeräte und von Fließbändern für den Transport in Magazine und Zweigstellen abgepackt werden. Mit 197 Minuten ist „Ex Libris – The New York Public Library“ beachtlich lang. Doch Wiseman dreht seine Filme nicht nach dem Raster von Kinoprogrammen, sondern beharrt darauf, dass seine Werke genau die Länge haben, die sie in seinen Augen haben müssen. Im Fall von „Ex Libris“ lässt sich dazu nur sagen: Jede Minute ist sehenswert. Wenn Bibliotheken im digitalen Zeitalter so gut aufgestellt und so aktiv sind wie die NYPL, spielen sie als Ort der Kultur- und Wissensvermittlung nach wie vor eine wichtige Rolle.

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