Komödie | USA 2017 | 100 Minuten

Regie: Sean Anders

Zwei Männer, einst Konkurrenten um eine Frau (vgl. "Daddy's Home", 2015), haben sich mittlerweile zur halbwegs funktionstüchtigen Patchwork-Familie zusammengerauft. Anlässlich des Weihnachtsfests tauchen ihre Väter auf, die noch extremere Gegensätze abgeben. Im Clinch zwischen dem sanften Kuschel-Großvater und dem kernig-proletarischen Macho-Großvater hat der Weihnachtsfriede wenig Chancen. Die Fortsetzungskomödie laviert zwischen aggressivem Zynismus und rührseliger Sentimentalität durch einen müden Slapstick-Parcours und kann ihren Figuren nichts abgewinnen.

Filmdaten

Originaltitel
DADDY'S HOME 2
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Sean Anders
Buch
Sean Anders · John Morris · Brian Burns
Kamera
Julio Macat
Schnitt
Brad Wilhite
Darsteller
Will Ferrell (Brad Whitaker) · Mark Wahlberg (Dusty Mayron) · Linda Cardellini (Sara Whitaker) · John Cena (Roger) · John Lithgow (Jonah Whitaker)
Länge
100 Minuten
Kinostart
07.12.2017
Fsk
ab 6; f
Genre
Komödie
Diskussion
Weihnachten ist ein Schlachtfeld. Gerade in den USA, wo die Öffentlichkeit seit Jahren über den angeblichen „War on Christmas“ diskutiert, gilt das Fest der Liebe als Nebenkriegsschauplatz des Kulturkampfs. So inszeniert es auch Sean Anders in „Daddy's Home 2 - Mehr Väter, mehr Probleme!“. Waren der sanftmütige Brad Whitaker (Will Ferrell) und der schneidige Dusty Mayron (Mark Wahlberg) im ersten Teil (fd 43 636) noch Konkurrenten um Herz und Familie von Sara (Linda Cardellini), haben sie sich mittlerweile zur zeitgeistaffinen Patchwork-Familie zusammengerauft. Doch die Ankunft ihrer Väter für ein gemeinsames Weihnachtsfest droht, den brüchigen Frieden zu stören. Sowohl der teddybärenhafte Mr. Whitaker (John Lithgow) als auch der hypermaskuline Mr. Mayron (Mel Gibson) stellen sich als extremere Versionen ihrer Sprösslinge heraus. Während Whitaker höchstens ein wenig anstrengend ist, versucht der Lebemann und pensionierte Astronaut Mayron, Brad und Dusty gegeneinander aufzubringen. Szene um Szene treffen nun also Weltanschauungen und Männlichkeitsbilder aufeinander. Tradition gegen Moderne, Aufreißer gegen Frauenversteher, in letzter Konsequenz: Republikaner gegen Demokraten. Mel Gibson wurde natürlich nicht willkürlich gecastet, sondern soll eine gewisse subversive Energie in den Film einfließen lassen. Der in Hollywood lange Geächtete dringt als Verkörperung des „politisch Unkorrekten“ in die gefügten Strukturen ein. Wo Großvater Whitaker nette Uhu-Witzchen erzählt, beginnen Mayrons Scherze mit: „Zwei tote Nutten liegen am Strand…“. Der Film sucht zunächst den Konflikt, um später umso mehr die Stärke der festlichen Harmonie zu betonen. Ein fauler Kompromiss, der ein tonal unstetes, immer zwischen aggressivem Zynismus und sentimentaler Befindlichkeit oszillierendes Erlebnis bedingt. Die Festtags-Farce mag als kulturelles Artefakt eines bis in die Familien hinein gespaltenen Landes aufschlussreich sein, doch als simpler Unterhaltungsfilm versagt sie auf ganzer Linie. Der Humor speist sich vor allem aus müden Slapstick-Sequenzen. Die Figuren fallen so oft hin oder bekommen etwas auf den Kopf, dass sie danach höchstens noch als Drehbuchautoren für Familienkomödien in Frage kommen. Ansonsten stehen sie auf den Sets herum und schwätzen Albernheiten. Die sicherlich begabten Darsteller geben sich wenig Mühe, den vagen Charakterzeichnungen zusätzliche Facetten abzugewinnen. So bleiben sie Klischees, und jeder Ausbruch aus den starren Kategorien führt sie letztlich wieder in ihr eng gefasstes Rollenbild zurück. Regisseur Sean Anders, der im inszenatorischen Autopiloten agiert, zieht es immer wieder zu den offensichtlichsten Affekten. Schmalz trieft aus jeder Pore. Das dokumentiert sich insbesondere in einer Sequenz gegen Ende des Films: Alle Figuren sitzen in einem zugeschneiten Kino fest. Ihnen bleibt gar keine andere Wahl, als einen rührseligen Weihnachts-Actionfilm mit Liam Neeson anzusehen. Ein Moment der Selbstreflexion, in dem die billige Beliebigkeit saisonaler Unterhaltungserzeugnisse hinterfragt wird. Dieser mündet jedoch in einem Appell fürs Kollektiverlebnis Kino. So rechtfertigt sich das Wegwerfprodukt: Natürlich, liebes Publikum, bekommt ihr Unrat vorgesetzt – aber immerhin seid ihr dabei mit euren Liebsten zusammen! Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung, heißt es. Im Fall von „Daddy's Home 2“ ist es leider auch der letzte.
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