Tad Stones und das Geheimnis von König Midas

Animationsfilm | Spanien 2017 | 85 Minuten

Regie: David Alonso

Ein Bauarbeiter mit dem Traum vom abenteuerlichen Leben als Archäologe wird von einer berühmten Kollegin zu einer Konferenz eingeladen. Dort wird sie jedoch entführt und dem Möchtegern-Abenteurer obliegt es mit menschlichen, tierischen und Mumien-Helfern, sich nicht nur um die Befreiung kümmern, sondern auch einen Bösewicht mit finsteren Plänen zu stoppen. Temporeicher Abenteuerfilm für ältere Kinder über einen sympathischen Antihelden mit überwiegend gelungenen Gags und vielen Verfolgungsjagden. Das Bemühen, tradierte Rollenbilder neu zu definieren, bleibt dabei in Ansätzen stecken.

Filmdaten

Originaltitel
TADEO JONES 2: EL SECRETO DEL REY MIDAS
Produktionsland
Spanien
Produktionsjahr
2017
Regie
David Alonso · Enrique Gato
Buch
Jordi Gasull · Neil Landau · Javier López Barreira
Schnitt
Alexander Adams
Länge
85 Minuten
Kinostart
11.01.2018
Fsk
ab 6; f
Genre
Animationsfilm
Diskussion
Kartoffelnase, Bauchansatz, Bauarbeiter: Das sind nicht unbedingt die Insignien eines klassischen Action-Helden. Zudem ist Tad Stones recht tollpatschig und zerstreut. „Tad Stones und das Geheimnis des König Midas“ ist zwar ein spanischer Kinderfilm, doch das fällt gar nicht auf, weil er offenkundig mit Blick auf den amerikanischen Markt entwickelt wurde. Tad lebt deshalb auch in Chicago; der Film über ihn ist eindeutig von der „Indiana Jones“-Reihe (fd 23 185) inspiriert. Tads Leidenschaft ist die Archäologie. Das Geld für sein Studium verdient er sich auf einer Großbaustelle in schwindelnder Höhe. Seine Kollegen machen sich über Tads Ambitionen lustig, ebenso wie über seine Zuneigung zur bildschönen Star-Archäologin Sara Lavrof. Als sie ihn zu einer Tagung einlädt, wo sie einen Vortrag hält und ihre neues Buch vorstellt, hat er eigentlich nur eines im Sinn: ihr endlich seine Liebe zu gestehen. Dies aber wird ziemlich lange durch widrige Umstände vereitelt. Der erste Streich ist eine durchgeknallte aztekische Mumie, die unversehens in Tads Wohnung auftaucht und partout mit von der Partie sein will. Der gutmütige Tad kann nicht nein sagen und packt die Mumie zu seinem Hund ins Auto, der Mumien nicht ausstehen kann. Auf der Konferenz wird das Ensemble um zwei Frauenfiguren und einen Papagei erweitert. Der Vogel, das Haustier der Archäologin, entwickelt sich zum Sidekick für den trotteligen Hund, wie die Tiere generell die ins Extrem verzerrten Eigenschaften ihrer Besitzer spiegeln. Neben der Archäologin tritt eine junge, bebrillte Studentin auf den Plan. Unversehens werden die Akteure in ein Komplott verwickelt, und Lavrof wird entführt. Alle anderen Protagonisten müssen sich neben ihrer Befreiung vor allem darum kümmern, dass ein infamer Bösewicht nicht die drei Teile einer Kette von König Midas zusammenfügt, um sich die Weltherrschaft zu sichern, da er dann alles, was er anfasst, in Gold verwandeln würde. Die einzelnen Glieder der Kette sind an unzugänglichen Orten in Europa versteckt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, garniert von pittoresk animierten Landschaften, Städten und Tempeln. Die Macher haben versucht, Rollenbilder ein wenig umzudefinieren. Gleichwohl wäre mehr möglich gewesen. Der Held ist weiterhin männlich, und die erfolgreiche Star-Archäologin bleibt als primär passives (Entführungs-)Opfer auf tatkräftige Rettung angewiesen. Die zweite Frauenfigur ist interessanter: Sie läuft kurzfristig zur bösen Seite über; allerdings ist ihr Motiv in Eifersucht begründet. Aus dem gleichen Grund läuft auch Lafrov davon. Wo Männer in aller Regel im Kino die Konfrontation mit dem Nebenbuhler suchen, intrigieren Frauen, kommunizieren aber wenig miteinander oder suchen das Weite. Nur die Mumie besitzt keine klar umrissene Geschlechtsidentität; sie „performt“ durchaus affirmativ Gender, tritt mal als Elvis, mal als Flamenco-Tänzerin oder als Cowboy auf. Allerdings wird diese Vielfalt einer clownesken Figur zugeschrieben und damit ins Groteske verzerrt. „Tad Stones und das Geheimnis des König Midas“ ist nach „Tad Stones – Der verlorene Jäger des Schatzes“ (2012), in dem die Indy-Persiflage schon im Titel steckte, das zweite Abenteuer des sympathischen Antihelden. Der Film legt von Beginn an ein ordentliches Tempo vor, was insbesondere die meist gelungenen Gags, witzige Slapstick-Einlagen, Dialoge sowie zahllose Verfolgungsjagden betrifft. Jüngere Kinder dürften von der Geschwindigkeit überfordert sein, auch wenn die Handlung keineswegs besonders dicht oder überfrachtet erscheint.
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