Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit

Dokumentarfilm | Großbritannien 2014 | 94 Minuten

Regie: Marta György-Kessler

Dokumentarisches Porträt der aus Dänemark stammenden Buddhistin Hannah Nydahl (1946-2007), die als junge Hippie-Frau 1968 während eines Trips nach Nepal den 16. Karmapa kennenlernte und von ihm nach gründlicher Unterweisung als Missionarin in die westliche Welt gesandt wurde. Der Dokumentarfilm zeichnet Hannahs rastlose Reisen mit erstaunlicher Materialfülle und zahlreichen Statements von Weggefährten über mehrere Jahrzehnte chronologisch nach. Trotz einer unverhohlenen Bewunderung für die charismatische Frau enthält sich die Inszenierung weitgehend jedes missionarischen Eifers. (O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
HANNAH - BUDDHISM'S UNTOLD JOURNEY
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2014
Regie
Marta György-Kessler · Adam Penny
Buch
Marta György-Kessler · Adam Penny
Kamera
Guy Nisbett
Schnitt
Simon Barker · Hamish Lyons
Länge
94 Minuten
Kinostart
18.01.2018
Fsk
ab 12; f
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Sie waren jung, verliebt und wie so viele Hippies ihrer Generation auf der Suche nach Bewusstseinserweiterungen. 1968 machten sich Hannah und Ole mit dem VW-Bus von Dänemark aus auf den Weg nach Nepal. In Katmandu lernten sie eher zufällig den 16. Karmapa kennen und waren von seiner Ausstrahlung geradezu elektrisiert. Das Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus nahm das junge Paar aus Dänemark als Schüler auf und unterwies sie in der buddhistischen Lehre. Hannah lernte Tibetanisch und übersetzte zahlreiche religiöse Schriften. Nach einigen Jahren forderte der Karmapa seine Schülerin und ihren Mann Ole auf, in ihre Heimat zurückzukehren und den Buddhismus in der westlichen Welt zu verbreiten. Das Paar machte sich den Auftrag zur Lebensaufgabe, reiste jahrzehntelang unermüdlich um den Erdball und gründete über 500 Zentren des so genannten Diamantweg-Buddhismus, bis Hannah 2007 einem Krebsleiden erlag. Der Dokumentarfilm zeichnet das bewegte Leben jener Hannah Nydahl (1946-2007) nach und kann dabei auf eine erstaunliche Menge an Archivmaterial zurückgreifen. Nahezu in jeder Lebensphase, selbst in den späten 1960er-Jahren in Nepal, hat offenbar überall irgendwer eine Filmkamera gezückt, sobald die charismatische Dänin auftauchte. Der Film folgt der Biografie weitestgehend chronologisch, lässt zahlreiche Weggefährten, darunter auch ihren Ehemann Ole, zu Wort kommen und wartet überdies mit vielen O-Tönen und Interviewsequenzen der Protagonistin selbst auf. Da alle Beteiligten in höchsten Tönen von Hannah schwärmen, mögliche Widersprüche und Ambivalenzen ihres Lebens aber nicht zur Sprache kommen, hat die Dokumentation fraglos etwas von einer filmischen Denkmalspflege. Gleichwohl kann man sich auch als neutraler Zuschauer der charismatischen Energie dieser westlichen Ikone des Buddhismus kaum entziehen. Durch Hannahs rastlose Reisetätigkeit erhält der dynamisch geschnittene Film zudem etwas von einem Road Movie, in dem bisweilen auch ein Stück Zeitgeschichte sichtbar wird. So etwa, wenn von der Hippie-Kultur die Rede ist, für die sich Drogenkonsum noch mit der Hoffnung auf Bewusstseinserweiterung verband. Und in den frühen 1980er-Jahren reisten die Nydahls auf Missionstour nach Polen, wo die Kommunisten sie gewähren ließen, weil man kurioserweise vom Buddhismus ein Korrektiv zur Katholischen Kirche erhoffte, die sich zu großen Teilen mit der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc solidarisierte. Trotz aller unverhohlenen Sympathie-Bekundungen für die Protagonisten geht den Dokumentaristen Marta György-Kessler und Adam Penny jeder missionarische Eifer ab; auch in den Details über diese Strömung des Buddhismus halten sie sich so zurück, dass die Dokumentation auch für Agnostiker durchaus sehenswert ist.

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