Romantische Komödie | Türkei 2017 | 107 Minuten

Regie: Andaç Haznedaroglu

Ein Mann und eine Frau, die sich seit Kindertagen zugetan sind, werden durch eine schwere Krankheit auf die Probe gestellt. Der romantische Liebesfilm über zwei Menschen, die füreinander bestimmt sind, aber ein schweres Schicksal zu tragen haben, scheitert an seiner mangelnden Authentizität. Gefühle wie ach die Protagonisten selbst bleiben oberflächlich und wirken wie aus der Werbung, was dem Plädoyer für Empathie und Aufopferung jede Glaubwürdigkeit raubt. Trotz autoritätskritischer Untertöne nicht mehr als eine verkitschte Seifenoper. (O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
ACI TATLI EKŞI
Produktionsland
Türkei
Produktionsjahr
2017
Regie
Andaç Haznedaroglu
Buch
Bugra Gülsoy
Kamera
Ahmet Sesigürgil
Schnitt
Elif Durak
Darsteller
Özge Özpirinçci (Duygu) · Bugra Gülsoy (Murat) · Yusuf Akgün (Alper) · Gözde Türkpençe (Eliz) · Osman Alkaş (Hakan)
Länge
107 Minuten
Kinostart
21.12.2017
Fsk
ab 0; f
Genre
Romantische Komödie
Diskussion

Duygu und Murat kennen sich seit Kindertagen. Sie sind sozusagen füreinander bestimmt. Doch eine schwere Krankheit führt die beiden auf emotionale Abwege. Zunächst lernt man die Protagonisten als Kinder kennen, die sich ständig durch Mutproben herausfordern. Mal darf Duygu, mal Murat ein Zettelchen ziehen, auf dem dann „Spucke vom nächsten Balkon!“ oder „Kippe einem anderen die Tomatensoße über den Kopf!“ steht. Auch Jahre später huldigen beide immer noch diesem Brauch. „Wirf dem nervigsten Lehrer eine Torte ins Gesicht!“, heißt es dann. Als Murat, der Koch werden will und von einem autoritären Konditormeister drangsaliert wird, zögert, die Anweisung umzusetzen, übernimmt Duygu das für ihn. Sie ist sich für keine Frechheit zu schade und fordert insbesondere Autoritäten heraus. Doch dann geht es mit dem unkonventionellen Paar nicht weiter. Duygu verabschiedet sich aus heiterem Himmel, um ein paar Jahre in den USA „ihre Träume zu verwirklichen“. Der setzt einen Vertrag auf: Wenn beide in fünf Jahren noch Singles sind, kommen sie wieder zusammen. So geschieht es dann auch, denn die Anziehungskraft zwischen dem erfolgreichen Koch und der Keramikkünstlerin hat die Zeit überdauert. Sie findet sich, und sie necken sich; beide testen sich zunächst aus, tun nur so, als wären sie wieder fest liiert. Doch als die Heirat naht, taucht Duygu erneut unter. Nicht aus Angst oder weil die Liebe plötzlich verschwunden wäre, sondern weil sie die Muskelschwächekrankheit ihrer Mutter geerbt hat, die unaufhaltsam ihren Körper zerfrisst. Um Murat nicht zu schaden, will sie aus dessen Leben verschwinden. Was der aber nicht mit sich machen lässt. Regisseurin Andaç Haznedaroğlu hat sich bereits mit „Her Şey Aşktan“ (fd 43 721) als Meisterin der romantischen Verklärung erwiesen. Immerhin mischten sich dort emanzipatorische Elemente in den Plot; die Protagonistin tauschte am Ende ihre Pailetten-Pumps gegen eine Jeansjacke. Dazwischen tobte jede Menge Schicksal, das in „Acı Tatlı Ekşi“, musikalisch über alle Maßen kitschig illustriert, erneut zum Zuge kommt. Was ein Plädoyer für Empathie und ein demütiges Füreinander einstehen zu sein behauptet, scheitert an der fehlenden Authentizität. Die schönen Menschen in betörenden Landschaften könnten nämlich direkt aus der Tourismuswerbung kommen. Ihre permanent intensiven Gefühle wechseln vom albernen Lachen über erotische Spannung zu schicksalhafter Wut, doch sie bleiben in ihrem überzeichneten Pathos stets an der Oberfläche; keine aus Langeweile gereizte Stimmung stört das Bild dieses grenzenlosen Mit- und Füreinanders, keine Zukunftsangst nagt an Murat, der sich am Ende auch noch entscheidet, seine Geliebte in den Tod zu begleiten. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Auch wenn Duygu mit ihrem revolutionären Esprit wie eine selbstbewusste Frau wirkt, ist der Film nicht mehr als eine verkitschte Seifenoper.

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