Actionfilm | USA 2018 | 124 Minuten

Regie: Christian Gudegast

Ein verbissener Polizist will den Einbrecherkönig von Los Angeles und seine Männer hinter Schloss und Riegel bringen. Dazu erpresst er ihren Fluchtfahrer und erzwingt Hinweise, um sie beim nächsten Bankraub auf frischer Tat zu verhaften. Beide Seiten wissen jedoch, dass sie beobachtet werden, was das Duell zu einer fintenreichen Angelegenheit macht. Doch das Regiedebüt weiß aus dem Stoff keine Spannung zu erzielen; die Erzählstränge berühren sich kaum, die Gewalt bleibt ein Abstraktum und auch die Darsteller spielen ihre Rollen eher lustlos herunter.

Filmdaten

Originaltitel
DEN OF THIEVES
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Christian Gudegast
Buch
Christian Gudegast · Paul Scheuring
Kamera
Terry Stacey
Schnitt
Joel Cox
Darsteller
Gerard Butler (Nick Flanagan) · Curtis "50 Cent" Jackson (Levi Enson) · Pablo Schreiber (Ray Merrimen) · O'Shea Jackson jr. (Donnie) · Evan Jones (Bosco)
Länge
124 Minuten
Kinostart
01.02.2018
Fsk
ab 16; f
Genre
Actionfilm | Gangsterfilm | Thriller
Diskussion
Sanft gleitet die Kamera über Los Angeles, die „Hauptstadt der Banküberfälle“, wie eine Texteinblendung erklärt. Plötzlich stürzt sie sich hinab, einem Greifvogel gleich, und folgt einem Geldtransporter durch die regennassen Straßen. Bald folgt ein Überfall, eine Situation, die man nicht aus der Vogelperspektive erleben kann, die den Blick unweigerlich auf den Asphalt zwingt. Diese fließende, entfesselte Bewegung ist das letzte Aufbäumen des Thrillers „Criminal Squad“ von Christian Gudegast, ein allerletztes Lebenszeichen eines toten Films. Unglücklicherweise handelt es sich hierbei um die erste Szene, der knapp 140 Minuten Filmminuten folgen. Für die dünne Handlung wurden lediglich neue Namen in den bekannten Lückentext des Genres eingesetzt. Der harte Gewohnheitstrinker und Polizist Nick Flanagan, gespielt von Gerard Butler, versucht den Bankräuber Merrimen und dessen Mannschaft hinter Gitter zu bringen. Zu diesem Zweck rekrutiert er Donnie, den neuen Fahrer des Trupps, als Undercover-Agent. Es gibt viele gute Filme über Banküberfälle, aber auch viele auf dem Niveau von „Criminal Squad“. Dabei fehlt es dem Film gar nicht an Originalität. Doch die Inszenierung ist weniger als das Echo eines Echos. Statt dem Abspulen beliebiger Standardsituationen aus Kriminal- und Heist-Filmen gibt es lediglich hilflosen Bandsalat. Ein erheblicher Teil des behäbigen Thrillers besteht aus Männergruppen, angeordnet in unterschiedlichen Variationen von Halbkreisen und Kreisen, die sich in belanglosen Dialogen ergehen. Die Darsteller spielen ihre Klischeerollen gelangweilt herunter: Butler nuschelt, schmatzt und grummelt; O’Shea Jackson Jr. alterniert als Donnie zwischen verschmitztem Lächeln und ängstlichen Blicken. Die anderen Darsteller verschmelzen fast mit dem Bild, so selten vermögen sie Akzente zu setzen. Wo sich ein Rapper wie 50 Cent schauspielerisch positiv hervortut, sollte man skeptisch sein. Zwei Fraktionen sollen in einem intellektuellen und körperlichen Duell aufeinandertreffen, doch immer wieder verschwinden Figuren und Gruppen aus der Handlung. Statt die im Drehbuch behauptete Ähnlichkeit von Gangs und Polizisten durch geschickte Parallelmontagen zu unterstreichen, laufen die Erzählstränge aneinander vorbei, oft ohne Berührungspunkte. Der Film trennt seine Zutaten strenger als ein Kantinentablett. Diese Art von Berührungsangst zieht sich durch den gesamten Film. Die Schusswechsel sind meist in Nahaufnahmen gefilmt, die Figuren schießen auf undefinierte Feinde außerhalb des Bildrahmens und gucken dabei grimmig. Nie sind Schütze und Ziel in derselben Einstellung zu sehen, die Gefechte könnten ebenso gut über Skype stattfinden. Das Prinzip von Schuss und Gegenschuss wird hier von der Kamera aufs Sturmgewehr übertragen; der Kampf um Leben und Tod tobt mit der Intensität eines gemäßigten Streitgesprächs. Ob sich die Darsteller durch dasselbe Set bewegen, ist nicht immer klar. Es entsteht kein nachvollziehbarer filmischer Raum, auch keine Spannung oder Dynamik. Selbst auf dem Schießstand sieht man nicht, wie Kugeln die Zielscheiben treffen. Auch in Handgemengen wird bei jedem Kontakt geschnitten. Treffer werden nie dargestellt, nur behauptet; ihnen fehlt jegliche physikalische und emotionale Wucht. Gewalt bleibt ein Abstraktum. „Criminal Squad“ ist Genrekino, das den Qualitäten des Genres nicht traut. Prüde verweigert sich der Film jeglicher Sexualität und Nacktheit, was im Stripclub absonderlich wirkt. Die Kämpfe wirken klinisch und virtuell. Geflucht und bedroht wird, als spürten die Darsteller den Zeigefinger ihrer eigenen Mutter. „Criminal Squad“ will rau, dreckig und hart sein, hat jedoch Angst davor, sich die Finger schmutzig zu machen. Das Ergebnis ist Genrekino light: kalorienarm und null Prozent Geschmack.
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