Fifty Shades of Grey - Befreite Lust

Drama | USA 2018 | 106 Minuten

Regie: James Foley

Im dritten Teil der Sado-Maso-Romanadaption nach den Büchern von E.L. James haben sich die schüchterne Studentin und der sadistisch veranlagte Milliardär das Ja-Wort gegeben und vergnügen sich in luxuriösen Flitterwochen. Doch dann wird das Glück des Paares vom rasend eifersüchtigen Ex-Boss der Frau bedroht. Der auf Hochglanz getrimmte Film schwankt durchgängig zwischen Beziehungsdrama, Erotik- und Psychothriller, ohne auch nur auf einer Ebene überzeugen zu können. Die überfrachtete Handlung steht im krassen Gegensatz zur inhaltlichen Unbestimmtheit, die sich in mauen Wiederholungen erschöpft. Im Kern geht es erneut um den vermeintlichen Mädchentraum von der Zähmung eines herrischen, aber spendabel agierenden Mannes, der sein destruktives Begehren zugunsten der wahren Liebe überwindet.

Filmdaten

Originaltitel
FIFTY SHADES FREED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
James Foley
Buch
Niall Leonard
Kamera
John Schwartzman
Schnitt
David S. Clark · Richard Francis-Bruce
Darsteller
Dakota Johnson (Anastasia Steele) · Jamie Dornan (Christian Grey) · Kim Basinger (Elena Lincoln) · Eric Johnson (Jack Hyde) · Max Martini (Jason Taylor)
Länge
106 Minuten
Kinostart
08.02.2018
Fsk
ab 16; f
Genre
Drama | Erotikfilm | Liebesfilm | Literaturverfilmung
Diskussion

Betrachtet man „Fifty Shades of Grey“ unter dem Brennglas der so genannten Frauenunterhaltung, dann scheint nur eines schlimmer zu sein als die unreflektierte Aschenputtel-Karriere der Hauptfigur, und das ist der Erfolg der Erotik-Romane von E.L. James über die vermeintlichen Sehnsüchte ihrer Leserinnen. Das Ansinnen, schlummernde sadomasochistische Gelüste zu wecken, erinnert an Spekulationen über die angeblichen sexuellen Vorbehalte junger Mädchen, die der „Twilight“-Reihe zum Höhenflug verholfen haben sollen. Wo der unkontrollierbare Raubtierinstinkt des Vampirs Edward zunächst als Vorwand für Enthaltsamkeit dient, kämpft die Literaturstudentin Anastasia mit der emotionalen Kälte ihres jungen „Herrn“, dem sadistisch veranlagten Milliardär Christian Grey. Es ist kein Zufall, dass die Autorin E.L. James ihre Erzählungen zuerst auf einer Fan-Fiction-Seite zu „Twilight“ veröffentlichte. Denn ihre Geschichte und die von Stephenie Meyer gleichen sich im Einhegen des unzähmbaren Mannes, der von allen Frauen begehrt wird, bislang aber von keiner eingefangen wurde; und der sich dann prompt als treuherziger Ehemann entpuppt, auch wenn Bella und Anastasia dafür den Hals beziehungsweise den Hintern hinhalten müssen.

Wie die Titel schon andeuten, befindet man sich im Halbseidenen einer „Prinzenjagd“, die sich vornehmlich im Dämmerlicht abspielt, in das die goldenen Käfige von Mr. Grey getaucht werden. Glanz und Gloria spiegeln sich in seinen SUVs, den Hubschraubern und Privatjets, zu denen sich nach Greys Hochzeitsantrag in „Shades of Grey – Gefährliche Liebe“ (fd 44 535) nun die luxuriösesten Orte gesellen, die man in den Flitterwochen bereisen kann: Paris, Côte d’Azur und Aspen. In altbewährter Hochglanz-Optik wird lieber geprotzt als gekleckert, während Grey seine Besitzansprüche immer noch nicht im Zaum halten kann, genauso wenig wie Anastasia ihre Widerspenstigkeit, die allerdings kein Aufflackern von Emanzipation ist, sondern lediglich das Schielen auf die nächste „Spanking“-Runde.

Wenn eine Beziehung mit einem derart würzigen Sex-Leben startet, dann muss die Aufregung von woanders herkommen. Im zweiten Teil leistete dies Greys bedrohlich eifersüchtige „Ex“ Leila. Jetzt wird dieser Part Anastasias sexuell übergriffigem Ex-Boss übertragen, der dem Paar zusetzt. Frisch aus dem Knast entlassen, schwört der Rache für eine Zurückweisung, die viel weiter zurückreicht als der Übergriff auf Anastasia. Die ist mittlerweile nicht nur zur Verlagslektorin befördert worden, sondern auch schwanger.

Der dritte Teil der „Grey-Saga“ überfrachtet die Handlung und weiß dennoch nichts zu erzählen. Zum Leidwesen aller Geschlechter kann sich die Inszenierung nicht einmal entscheiden, was sie zeigen möchte. Waren die Sex-Szenen der beiden Vorgängerfilme für Hollywood-Verhältnisse noch bemerkenswert frivol, gefällt sich die Regie jetzt in der ziemlich zensierten Wiederholung des Bewährten. Ein wenig Fesselspiele, eine Schublade mit Penetrations-Spielzeug, die obligatorische Duschszene – nichts, was die Vorgängerfilme nicht schon in fünfzig Schattierungen ausgelotet hätten. Greys Trauma einer Misshandlung als Kind, aus der seine Unnahbarkeit herrührt, hat sich in Luft aufgelöst, ebenso wie Anastasias innerer Konflikt, die sich nie entscheiden konnte, ob ihr das Versohlen ihres Hinterteils nun gefällt oder nicht. Hier ist alles im Lot. Deswegen muss die Bedrohung von außen kommen, egal wie abwegig diese auch erscheinen mag.

Als mit Sam Taylor-Johnson eine Frau den Regiestuhl für den Auftakt „Fifty Shades of Grey“ (fd 42 936) der Trilogie übernahm, stand die heikle Beziehung zwischen Macht und Unterwerfung auf dem Prüfstand. Seitdem aber hat der Stoff sein Pulver verschossen. Die beiden von James Foley inszenierten Nachfolgerfilme suchen die Erotik vermehrt in Oben-ohne-Bildern von Dakota Johnson und in der Spannung von Thriller-Elementen, die allerdings nie zünden. Das Ergebnis ist ein uneinheitliches Erzählen, das selbst mitten in einem Dialog zwischen Psychothriller, Erotikdrama und persiflierter „Emanzipations-Mauser“ wechselt; dem kann nur ein schöner, aber flugunfähiger Schwan entsteigen, da am Fundament der Erzählung, wer hier letztlich die Hosen anbehält, nie gerüttelt wird. Wie in „Twilight“ steht eine romantische Zähmung im Zentrum, die nur über eine Operation am Herzen funktionieren kann, ob beim Vampir oder beim Sadisten. In „Befreite Lust“ ist dieses Herz aber längst erobert. Das nimmt jedem noch so auftrumpfenden Spektakel den Biss, pardon: die Schlagkraft.

Kommentar verfassen

Kommentieren