Film Stars Don't Die in Liverpool

Biopic | Großbritannien/USA 2017 | 106 Minuten

Regie: Paul McGuigan

Verfilmung der letzten Lebensjahre des Hollywood-Stars Gloria Grahame (1923-1981), die sich in England in einen unbekannten Schauspieler verliebt, der fast 30 Jahre jünger ist. Eine Paraderolle für Annette Bening, die in der Figur der an Krebs erkrankten, immer noch verführerischen Schauspielerin völlig aufgeht. Die Regie bemüht sich, den Stil des Films in die Nähe US-amerikanischer Vorbilder der 1940er- und 1950er-Jahre zu rücken, in denen die wichtigsten Filme von Grahame entstanden. Allerdings lässt das Drehbuch die Inszenierung allzu oft im Stich.

Filmdaten

Originaltitel
FILM STARS DON'T DIE IN LIVERPOOL
Produktionsland
Großbritannien/USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Paul McGuigan
Buch
Matt Greenhalgh
Kamera
Urszula Pontikos
Schnitt
Nick Emerson
Darsteller
Jamie Bell (Peter Turner) · Annette Bening (Gloria Grahame) · Vanessa Redgrave (Jeanne McDougall) · Julie Walters (Bella Turner) · Kenneth Cranham (Joe Turner)
Länge
106 Minuten
Kinostart
05.04.2018
Fsk
ab 6; f
Genre
Biopic | Drama | Liebesfilm
Diskussion

Der Film von Paul McGuigan könnte ein Hit sein, wenn sich mehr Kinogänger an Gloria Grahame (1923-1981) erinnern würden. Aber nur der älteren Generation dürfte der Name noch etwas sagen. Vor allem in den 1940er- und 1950er-Jahren war Grahame ein Hollywood-Star mit einer schillernden Palette suggestiver Rollen u.a. in Filmen erstklassiger Regisseure wie Frank Capra, Edward Dmytryk, Elia Kazan und Fritz Lang. Sie war die Partnerin von Humphrey Bogart in „In a Lonely Place“ (1950) und erhielt einen „Oscar“ für ihren Auftritt in Vincente Minnellis „Stadt der Illusionen“ (fd 2597).

Grahames Privatleben war turbulent und mysteriös. Sie war viermal verheiratet, einmal mit dem Regisseur Nicholas Ray und zehn Jahre später auch mit dessen Sohn aus einer früheren Ehe. Die Fans wunderten sich kein bisschen, als sie schließlich mit einem fast drei Jahrzehnte jüngeren englischen Schauspieler namens Peter Turner anbandelte. Die Beziehung dauerte ebenfalls nur wenige Jahre, bis zu Grahames Tod; sie hielt im angelsächsischen Bereich aber ihren Ruf als ebenso talentierte wie unberechenbare Künstlerin aufrecht, weil Turner über ihre Ehe ein Buch geschrieben hat. Dieser Vorlage folgt „Film Stars Don’t Die in Liverpool“, weshalb man ihm seine Einseitigkeit von vornherein verzeihen muss.

Die private Gloria Grahame ist auf der Leinwand eine faszinierende, auch im Alter von 55 Jahren noch eine verführerische Weiblichkeit ausstrahlende Frau, deren wechselhafte Vergangenheit nur in wenigen Andeutungen erwähnt wird. Die besten Tage des Hollywood-Stars sind vorbei; auf den englischen Bühnen tritt Grahame in Tennessee Williams‘ „Die Glasmenagerie“ auf. Ihre Haut ist schon etwas uneben und ihr Make-up zu dick, als Peter sie kennenlernt und ihrem immer noch spontanen Charme verfällt. Der Film erzählt die dreijährige Beziehung nicht chronologisch, sondern springt zwischen verschiedenen Zeitebenen und Handlungsorten hin und her. Am ausführlichsten beschäftigt er sich mit Grahames ausgedehntem Aufenthalt in Turners Elternhaus, ohne so recht eine Erklärung dafür zu liefern, wie Grahames herzliche Beziehung zu den Schwiegereltern zustande gekommen ist. Für eine Weile kehrt sie in ihre US-amerikanische Heimat zurück. Doch als eine immer deutlicher spürbare Krebserkrankung sie mehr und mehr überwältigt, ist die Erinnerung an Liverpool der einzige rettende Gedanke.

Filme über Stars bedürfen eines Stars, und Starrollen werden für Stars geschrieben. Kein Wunder also, dass Annette Bening in fast jeder Szene im Bild ist und als Gloria Grahame den Film ganz und gar zu ihrem Werk macht. Sie beherrscht die Kunst, in der Erscheinung und dem Wesen einer historischen Person total aufzugehen, ohne dabei auf ihre Individualität zu verzichten. Ohne sie wäre der Film nicht existent, obwohl Regisseur McGuigan und seine Crew sich viel Mühe gegeben haben, Charaktere und Situationen zu verlebendigen, die vom Drehbuch in vielerlei Hinsicht zu spartanisch ausgestattet wurden.

Am erfolgreichsten erweist sich die Regie bei der Kreation glaubwürdiger, die Handlung reflektierender Atmosphären: die goldenen Farben der Interieurs, die sich allmählich ins Realistische verwandeln; oder der Gegensatz zwischen der Enge großblumig tapezierter englischer Kleinbürgerwohnungen mit der Weite kalifornischer Strände und der Opulenz New Yorker Hotelzimmer. Auch die Kunst, mit der McGuigan die Darsteller dazu anhält, den Stil der Hollywood-Filme der 1940er- und 1950er-Jahre nicht platt zu imitieren, im Gedächtnis des Zuschauers aber dennoch aufleuchten zu lassen, verleiht der Story etwas von dem Hintergrund, den das Drehbuch über weite Strecken allzu pauschal charakterisiert. US-amerikanische Kritiker haben dem Film seine Sentimentalität vorgeworfen. Das haben sie auch schon bei Douglas Sirk getan.

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