Horrorfilm | Deutschland 2017 | 89 Minuten

Regie: Michael David Pate

Sieben untereinander lose befreundete YouTuber setzen sich einer 24-stündigen Herausforderung in einem ehemaligen NS-Lungensanatorium nahe Berlin aus, die live in den Sozialen Medien übertragen wird. Mit Nachtsicht- und Wärmekamera wollen sie Gerüchten auf den Grund gehen, dass es in der verfallenen Anlage spukt. Der visuell außergewöhnliche, an der Ästhetik der Sozialen Medien orientierte Horrorfilm kann sich stilistisch und erzählerisch nicht vom Vorbild „The Blair Witch Project“ lösen. Die jugendlichen Schauspieler sind überdies der Herausforderung nicht gewachsen, Menschen in Todesangst darzustellen.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Michael David Pate
Buch
Michael David Pate · Ecki Ziedrich
Kamera
Pascal Schmit
Schnitt
Michael David Pate
Darsteller
Sonja Gerhardt (Marnie) · Tim Oliver Schultz (Theo) · Lisa-Marie Koroll (Emma) · Nilam Farooq · Emilio Sakraya (Charly)
Länge
89 Minuten
Kinostart
22.02.2018
Fsk
ab 16; f
Genre
Horrorfilm | Mystery-Film
Diskussion

Eine Handvoll junger Menschen begibt sich freiwillig auf unsicheres Terrain. Alle sind YouTube-Stars und jenseits der öffentlichen Arena in einer Mischung aus Freundschaft und Konkurrenz untereinander verbunden. Ihr Verhältnis wird auf eine harte Probe gestellt, als sie sich auf eine 24-stündige „Angst-Challence“ einlassen, die live in den Sozialen Netzwerken übertragen wird.

Mit dabei sind die Schmink-Expertin Betty (gespielt von der echten YouTuberin Nilam Farooq), der Komödiant Charly und Finn, der in der schönen neuen Medienwelt außerordentlich erfolgreich ist. Unter Leitung von Finns Schulfreund Theo machen sie sich mit drei weiteren Freuden nach Heilstätten auf, einem Ort in der Nähe von Berlin, den ehemaligen Lungenheilstätten von Beelitz, die bis zum Ende der NS-Zeit als Krankenhaus dienten.

Da Hitler hier nach seiner Verwundung im Ersten Weltkrieg einige Zeit untergebracht war, dient das Terrain Besuchern, die sich am realen Horror gruseln wollen, als Ziel; über die Jahre hinweg drangen Jugendliche nachts in die leerstehenden Gebäude ein. Gerüchte über Spuk und Geister machten die Runde.

Dieser sehr spezielle deutsche Erinnerungsort ist das Material, aus dem sich der Spielfilm „Heilstätten“ speist.

Die Truppe will mit Nachtsicht- und Wärmekameras den Gerüchten auf den Grund gehen und dabei in den medialen Kanälen „Klicks“ und „Likes“ sammeln. Keiner der Jugendlichen glaubt an paranormale Vorgänge, doch sie werden bald eines Besseren belehrt. Offenbar geistern in dem alten Sanatorium ehemalige Patienten herum, Opfer von Folter und wissenschaftlichen Experimenten der NS-Mediziner. 

„Heilstätten“ ist der seltene Fall eines „Haunted House“-Horrorthrillers aus Deutschland. Regisseur Michael David Pate bedient sich ausgiebig bei den stilistischen und erzählerischen Elementen des Genres. Der Low-Budget-Film leidet aber weit mehr darunter, dass die jugendliche Darstellerriege den Herausforderungen nicht gewachsen ist, Menschen in Todesangst und existentiellen Krisen darzustellen.

Offensichtliches Vorbild ist „The Blair Witch Project“ (fd 33 983). Es fällt der Inszenierung schwer, sich davon zu lösen und dem Film eine eigene Note zu verleihen. Es wäre auch vermessen, in „Heilstätten“ den Startschuss zu einer Renaissance des deutschen Horrorfilms zu sehen, nur weil der Horror-Mystery-Film um Anspielungen auf den Nationalsozialismus bereichert wird.

Der Schauplatz ist allerdings spektakulär. Gedreht wurde in einer anderen ehemaligen Lungenheilstätte nahe Oranienburg, die Ende des 19. Jahrhunderts als Tuberkulose-Sanatorium diente. Die düsteren Gänge der verfallenen Anlage nutzt der Kameramann Pascal Schmitt zu außergewöhnlichen Bildern. Subjektive Einstellungen und die Ästhetik der neuen Medien dominieren. Es ist ein respektabler Versuch, Phänomene der neuen Öffentlichkeit in den „Social Medias“ und der mit ihnen verbundenen Jugendkulturen aufzunehmen und für die große Leinwand zu nutzen. Auch wenn sich nicht übersehen lässt, dass sich vieles nur schwer ins Format des Kino-Narrativs übersetzen lässt. Allzu oft beobachtet man hier Menschen dabei, sich filmen zu lassen.

Doch das Medium ist die Message: YouTuber spielen YouTuber und werden dabei gefilmt, wie sie sich selbst filmen. Auch in der Vermarktung sucht der Film trotz eines US-amerikanischen Major-Verleihs primär den Weg über die Sozialen Netzwerke. Als Business- und Vermarktungsmodell ist „Heilstätten“ überdurchschnittlich interessant. Künstlerisch ist der Film bestenfalls Mittelmaß.

Kommentar verfassen

Kommentieren