Dokumentarfilm | Frankreich 2017 | 87 Minuten

Regie: Raymond Depardon

In Frankreich muss ein Richter innerhalb von zwölf Tagen über die Rechtmäßigkeit einer Zwangseinweisung in die Psychiatrie entscheiden. Der Dokumentarist Raymond Depardon erhielt erstmals Gelegenheit, diese Verhandlungen zu filmen. In acht Anhörungen zeichnet der Film im Stil des Direct Cinema nach, wie fragil die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn ist und welchen Mechanismen die anscheinend neutralen Urteilsfindungen unterworfen sind. Deutlich wird dabei auch, dass abweichende Persönlichkeiten häufig auch mit sozialen Missständen verknüpft sind. Auf eindringliche Weise bringt der Film die Komplexität der Situation vor Gericht nahe und unterstreicht, dass Verstehen wichtiger wäre als Verurteilen.

Filmdaten

Originaltitel
12 JOURS
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2017
Regie
Raymond Depardon
Buch
Raymond Depardon
Kamera
Raymond Depardon
Schnitt
Simon Jacquet
Länge
87 Minuten
Kinostart
14.06.2018
Fsk
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
In langsamen, automatisierten Bewegungen fährt die Kamera einen sterilen Flur entlang, der ebenso zu einem Krankenhaus gehören könnte wie zu einem Gefängnis. Dass die Psychiatrie sich mehr denn je auf genau dieser Grenze bewegt, zeigt der außergewöhnliche Dokumentarfilm von Raymond Depardon in aller Deutlichkeit. Er gewährt Einblicke in eine Institution, ähnlich wie es vor 50 Jahren Frederick Wiseman mit seinem kontroversen Film „Titicut Follies“ (1967) vorgemacht hatte. Seit einigen Jahren ist es in Frankreich gesetzlich vorgeschrieben, Zwangseinweisungen nach zwölf Tagen von einem Richter überprüfen zu lassen. Was zunächst wie eine Erweiterung der Patientenrechte wirkt, enthüllt sich in „12 Tage“ jedoch als problematische Allianz zweier Ordnungssysteme, die sich gegenseitig stützen anstatt zu korrigieren. So wird die richterliche Anhörung, die in Deutschland bereits

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