Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes

Familienfilm | Schweiz/Deutschland 2017 | 90 Minuten

Regie: Manuel Flurin Hendry

Ein Kinderfilm nach der in der Schweiz höchst populären Comic-Reihe „Papa Moll“. Rund um die biedere Schweizer Familie Moll entspinnt sich ein turbulentes Abenteuer, als die Mutter für einige Tage einen Wellness-Trip unternimmt und der Vater mit seinen eigenen Sprösslingen und denen seines Chefs alleine gelassen wird. Ein Zirkus und Herausforderungen in der Schokoladenfabrik, in der Moll arbeitet, sorgen für Verwicklungen. Die Realfilm-Adaption wartet mit reichlich Slapstick-Elementen und einer kunterbunten Ausstattung auf, produziert mit ihrer dünnen Handlung aber nur heiter-harmlose Unterhaltung.

Filmdaten

Originaltitel
PAPA MOLL
Produktionsland
Schweiz/Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Manuel Flurin Hendry
Buch
Matthias Pacht · Manuel Flurin Hendry · Jann Preuss
Kamera
Felix Novo de Oliveira
Schnitt
Kaya Inan
Darsteller
Stefan Kurt (Papa Moll) · Luna Paiano (Evi) · Maxwell Mare (Fritz) · Yven Hess (Willy) · Lou Vogel (Jackie)
Länge
90 Minuten
Kinostart
12.04.2018
Fsk
ab 0; f
Genre
Familienfilm | Kinderfilm | Komödie
Diskussion
Das Zirkusplakat wirbt mit einem fliegenden Dackel. Ein Mädchen schlüpft durch den Lattenzaun, sein pummeliger Bruder bleibt darin stecken. Der Wachtmeister Grimm fällt in eine Grube. Beim Herausklettern tritt er auf einen auf dem Boden liegenden Rechen, dessen Stiel schwungvoll gegen seine Stirn prallt. Regisseur Manuel Flurin Hendry inszeniert in „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ Slapstick am laufenden Meter und legt damit den seit Michael Steiners „Mein Name ist Eugen“ (2005, fd 37 239) mit Abstand heitersten Schweizer Familienfilm vor. In der (Deutsch-)Schweiz kennt jedes Kind den gemütlichen Herrn Moll, seine großherzige Gattin und ihre drei aufgeweckten Kinder: den vorwitzigen, nie um eine Idee verlegenen Fritz, die fröhliche und immer für alles begeisterungsfähige Evi und den schüchternen, aber klugen Willy, der alle immer mal wieder aus der Patsche befreit. Erfunden wurden die Molls von der Karikaturistin Edith Oppenheim-Jonas im Auftrag der Pro-Juventute-Stiftung, die sich um die Förderung von Kindern, Jugendlichen und Familien kümmert. Damit wollte man in den 1950er-Jahren den ausländischen Comics wie „Micky Maus“, „Fix und Foxi“ und vielleicht auch „Lucky Luke“ eine schweizerische Alternative entgegensetzen. Und „typisch schweizerisch“, nämlich kleingutbürgerlich und provinziell, sind die nach Vorbild der Familie von Oppenheim-Jonas geschaffenen Molls tatsächlich. Sie wohnen in einem Häuschen im Murmlikon, einem fiktiven Ort im sanft-hügeligen Schweizer Mittelland. Über der Ortschaft thront mächtig prächtig die Schokoladefabrik Weich. Hier arbeitet Herr Moll – Dickbauch, Spitznase, auf dem Glatzkopf fünf Härchen und meist gewandet in weißem Hemd, rotem Pullover und blauem Sakko –, während seine Frau sich herzensgut um Haushalt und Kinder kümmert. Obwohl die Realität in der Schweiz vielerorts längst anders aussieht, haben sich die mit reimenden Versen unterlegten Moll-Comics gehalten und werden laufend fortgesetzt; zum Kinostart ist mit „Papa Moll und der fliegende Hund“ gerade die 30. Ausgabe der Buch-Reihe erschienen. Nachdem in den letzten Jahren ein Schweizer Kinderbuch nach dem andern verfilmt wurde, etwa „Heidi“ (fd 43 564) von Alain Gsponer oder „Schellen-Ursli“ (fd 43 697) von Xavier Koller, ist nun die Reihe eben an Papa Moll. Doch anders als es die Vorlage nahelegt, wurde „Papa Moll und die Entführung des fliegenden Hundes“ nicht als Trick-, sondern als Real-Spielfilm umgesetzt. Herr Moll wird von Stefan Kurt gespielt; Isabella Schmid gibt mit kugelrunden Kulleraugen Mama Moll. Das hat etwas Theatralisches an sich, wie eine leise Theatralik den Film generell kennzeichnet. Es ist die erste Komödie von Manuel Flurin Hendry, der bislang hauptsächlich Fernsehkrimis gedreht hat. Sucht man nach Vorbildern, landet man bei Charlie Chaplin und Laurel & Hardy, aber auch bei Tim Burton, an dessen Roald-Dahl-Adaption „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (fd 37 179) man durchaus denken kann. „Papa Moll“ ist augenfällig farbenfröhlich und steckt voller liebevoll-versponnener Einfälle; außerdem pflegt die Inszenierung einen Tohuwabohu-Stil. Den braucht es aber auch. Denn der Film überzeugt nur in Ausstattung, Look und Schauspiel; die Erzählung fällt jenseits vom Klamauk ziemlich mager aus. Weil die Mutter ins Wellness-Weekend verschwindet, müssen Moll und die Kinder zwei Tage lang allein über die Runden kommen; geplant ist ein Zirkusbesuch. Doch ausgerechnet an diesem Wochenende wird Moll in der Fabrik gebraucht. Weil die Zahlen zu wünschen übrig lassen, will der Geschäftsführer Stuss eine Sonderladung Schokolade-Murmeltiere für China produzieren. Er überträgt Moll die Verantwortung – und hängt ihm, als er vom Zirkusbesuch erfährt, auch noch seinen Nachwuchs an, mit dem die Moll-Kids in einer Dauerfehde liegen. Die Spannungen zwischen den Kindern spielen in der Folge ebenso eine Rolle wie der zu Tierquälereien neigende Besitzer des Zirkusdackels. Der turbulente Showdown findet dann aber in der heiß laufenden Schokoladen-Fabrik statt, wo der Zwist zwischen dem auf Quantität pochenden Stuss und dem auf Qualität setzenden Moll überkocht. Unterhaltsam und witzig ist das, aber nicht viel mehr. Harmlos-heitere Unterhaltung für die ganz jungen Kinogänger.
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