Operation: 12 Strong

Actionfilm | USA 2017 | 130 Minuten

Regie: Nicolai Fuglsig

Ungewöhnlicher Kriegsfilm über den dreiwöchigen Einsatz einer berittenen Spezialeinheit der US-Armee in Afghanistan und ihre komplizierte Kooperation mit einem einheimischen Kriegsherrn, die zur Rückeroberung einer strategisch wichtigen Ortschaft führt. Politische Hintergründe werden weitgehend ausgespart; dafür aber werden die Komplikationen des Einsatzes differenzierter als üblich verständlich gemacht. Im letzten Drittel überwältigen genreüblicher Heroismus und lautstarkes Schlachtengetümmel die bis dahin erstaunlich detaillierte Beschreibung eines historisch authentischen, außeralltäglichen Kapitels im Kampf gegen die Taliban.

Filmdaten

Originaltitel
12 STRONG
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2017
Regie
Nicolai Fuglsig
Buch
Ted Tally · Peter Craig
Kamera
Rasmus Videbæk
Schnitt
Lisa Lassek
Darsteller
Chris Hemsworth (Capt. Mitch Nelson) · Michael Shannon (Hal Spencer) · Michael Peña (Sam Diller) · Navid Negahban (General Dostum) · Trevante Rhodes (Ben Milo)
Länge
130 Minuten
Kinostart
08.03.2018
Fsk
Genre
Actionfilm | Kriegsfilm
Diskussion

US-amerikanische Kritiker haben die Frage gestellt,  warum es 17 Jahre nach dem Attentat auf das World Trade Center in New York einen Film wie „Operation: 12 Strong“ gibt, der den Einsatz einer US-Spezialeinheit in Afghanistan nacherzählt. Die Antwort ist einfach: Weil sich weder an der Bedrohung durch den Terrorismus noch an der US-amerikanischen Politik während dieser Zeit irgendetwas geändert hat. Kriegsfilme wie „Black Hawk Down“ (fd 35 629) sind trotz ihrer oft verfälschenden Radau-Inszenierung heute noch genauso relevant ist wie damals. „Operation: 12 Strong“ ist eine Fortsetzung des Genres im Licht der nach wie vor anhaltenden Beteiligung US-amerikanischer Streitkräfte am Kampf gegen Terror-Organisationen. Von den politischen und humanitären Beweggründen ist darin zwar wenig die Rede, doch bezogen auf den konkreten Einsatz, gibt sich der Film differenzierter als frühere Jerry-Bruckheimer-Produktionen.

Im aktuellen Kino befriedigen Kriegsfilme weitgehend jenes Bedürfnis des Publikums nach Abenteuer und Heldentum, das früher von Western bedient wurde. „Operation: 12 Strong“ schlägt dazu eine Art Brücke, denn in ihm werden die Schlachten wieder zu Pferd geschlagen. Weder die Ereignisse noch die berittene Einheit, über deren dreiwöchigen Einsatz in Afghanistan der Film erzählt, sind erfunden. Dass ein Special-Forces-Team auf dem Rücken von Pferden in den Krieg gegen die Taliban zog, hat mit den Befindlichkeiten vor Ort zu tun. Die Männer sollten die afghanischen Alliierten im Kampf gegen die Taliban unterstützen, ihnen operatives Wissen und strategische Hilfe liefern sowie präzisere Bombenabwürfe aus der Luft ermöglichen.

Erstaunlicherweise lässt sich der Film Zeit, die spezielle Lage zu beschreiben. Neben den üblichen Szenen des Abschiednehmens, der Überwindung bürokratischer Hindernisse und der Einsatzplanung konzentriert sich die Inszenierung lange auf die außergewöhnlichen Umstände, die das Zwölf-Mann-Team in Afghanistan vorfindet, und auf die mit zahllosen Verständigungsschwierigkeiten belastete Kooperation mit einem einheimischen „Warlord“. Gegenseitiges Verstehen ist nicht nur wegen der Sprachunterschiede schwierig. Die Vorbereitung auf die gemeinsame Aufgabe, die Befreiung einer strategisch wichtigen Ortschaft, nimmt viel Raum ein und dient auch der deutlicheren Charakterisierung des Anführers der Gruppe, des einzigen Soldaten, der sich wirklich mit Pferden auskennt, weil er auf einer Ranch aufgewachsen ist.

Bis es zum Kampf mit den Feinden kommt, sind zwei Drittel des Films vergangen. Damit ist dann der informative und reflektiertere Teil des Films vorbei. Fortan ist Heroismus gefragt, den Jerry Bruckheimer und der Regisseur Nicolas Fuglsig in bewährt nervtötender Weise zu liefern verstehen. Für manche Zuschauer mag das der Höhepunkt des Films sein, andere werden darüber verzweifeln, wie pauschal und genreüblich eine neuerliche Menschen- und Materialschlacht ausgebreitet wird, in der selbst die Vierbeiner nicht mehr in der Lage sind, die Situation zu retten.

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