Komödie | USA/VR China 2018 | 110 Minuten

Regie: Abby Kohn

Eine pummelige Angestellte glaubt nach einem Sturz auf den Kopf plötzlich, dass sie wie ein Model aussieht. Mit neuem Selbstbewusstsein heuert sie als Empfangsdame in einer Kosmetikfirma an und klettert mit unbekümmerten Ratschlägen die Karriereleiter hoch. Doch als der Zauber verfliegt, gerät auch ihr Traumjob in Gefahr. Die banale Komödie gibt vor, den Schönheitswahn der westlichen Gesellschaft zu kritisieren, erliegt ihm aber bald selbst. Zudem kann die Hauptdarstellerin ihre körperliche Komik kaum ausspielen.

Filmdaten

Originaltitel
I FEEL PRETTY
Produktionsland
USA/VR China
Produktionsjahr
2018
Regie
Abby Kohn · Marc Silverstein
Buch
Abby Kohn · Marc Silverstein
Kamera
Florian Ballhaus
Schnitt
Tia Nolan
Darsteller
Amy Schumer (Renee Bennett) · Michelle Williams (Avery LeClaire) · Rory Scovel (Ethan) · Emily Ratajkowski (Mallory) · Busy Philipps (Jane)
Länge
110 Minuten
Kinostart
10.05.2018
Fsk
Genre
Komödie
Diskussion

„I Feel Pretty“, „Ich fühle mich schön“: Schon der Filmtitel verweist darauf, dass Schönheit nicht nur im Auge des Betrachters liegt, sondern auch eine Sache der Selbstwahrnehmung ist. „I Feel Pretty“, sang Natalie Wood in „West Side Story“ (fd 11 459). Sie hatte sich in der Rolle der Maria in einen Jungen verliebt, und dieses Hochgefühl, dieses Strahlen und Leuchten, machte sie noch begehrenswerter – in ihren eigenen Augen, aber auch in denen der anderen. Im Fall von Amy Schumer, Amerikas gewichtiger Komikerin, ist das ein wenig anders. Sie fühlt sich schön. Und erntet damit nur Kopfschütteln. 

Schumer spielt die pummelige Renee, die in der hintersten Ecke einer düsteren Internet-Klitsche am Computer Waren verkauft. Gern wäre sie eine andere, mit interessantem Job, aufregendem Liebesleben und unwiderstehlichem Aussehen. Ihr Wunsch geht in Erfüllung, als sie im Fitnessstudio vom Rad fällt und mit dem Kopf auf den Boden knallt. Plötzlich glaubt sie, wunderschön zu sein. Mit frischem Selbstbewusstsein und unbändigem Tatendrang heuert sie als Empfangsdame in einer Kosmetikfirma an, die von Avery LeClaire geleitet wird. Avery LeClaire ist für eine Chefin viel zu leise und zurückhaltend. Darum erlaubt sie es, dass die laute und forsche Renee ihr beratend zur Seite steht und so die Karriereleiter erklimmt. Auch in der Liebe tut sich was: Renee lernt in einer Reinigung Ethan kennen, der vor so viel Charme und Energie die Waffen streckt. Doch als Renee erneut vom Fitness-Rad fällt, ist der Zauber verflogen. Und schon ist das neue Leben mit verständnisvollem Liebhaber und Traumjob in Gefahr. 

Der Witz des Films entsteht vor allem durch die Kluft zwischen Renees Selbstbild und dem unveränderten Äußeren, das ihre Umwelt (und der Zuschauer) wahrnimmt. Mehr als einmal wundern sich Renees Mitmenschen ob ihres forschen Verhaltens und ihrer frechen Eloquenz. Ihr Glaube, wie ein Model auszusehen und daraus gewisse Ansprüche ableiten zu können, führt zu Missverständnissen, die sich nicht lösen lassen. Das erinnert in seiner Konsequenz, wenn auch mit etwas anderen Vorzeichen, an „Schwer verliebt“ (fd 35 282) der Farrelly-Brüder, in dem sich ein Mann in eine dicke Frau verliebt, weil er in ihr ein spindeldürres Model sieht. 

Die Botschaft liegt auch hier auf der Hand: Wichtig ist nur, wie man sich selbst sieht und fühlt, nicht, wie andere Menschen über einen urteilen. Auf den inneren Wert kommt es an. Man mag darin Kritik am Schönheitswahn der westlichen Gesellschaft erkennen, der Frauen einem Anpassungsdruck unterwirft, dem sie nicht entfliehen können. Doch die Ironisierung der oberflächlichen Kosmetikbranche kommt viel zu handzahm daher. Durch die Mitwirkung von Naomi Campbell, Michelle Williams und Lauren Hutton huldigt der Film darüber hinaus einem Schönheitsideal, das er eigentlich kritisieren will. Dazu passt auch das unsägliche Happy-End: Man muss der Kosmetikfirma nur ein wenig mehr Menschlichkeit einverleiben, um ihre Produkte zu rechtfertigen. 

Fast so schlimm wie die Anti-Intellektualität des Films wiegt allerdings, dass Amy Schumer ihre körperliche Komik nicht ausspielen kann. Es gibt zwar einige Kabinettstückchen, etwa wenn sie Ethan in der Reinigung anspricht und den Sachverhalt dabei so verdreht, als hätte er sie angemacht. Lustig ist auch ihre Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb in einer Kneipe, in denen sie mit roten Shorts und vorn zugeknoteter Bluse den knackigen Bikini-Mädchen zeigt, was eine Harke ist. Doch insgesamt agiert Schumer brav und zu bieder; die uninspirierte Regie von Abby Kohn und Marc Silverstein nimmt ihr jeden Pepp.

Ein wenig wundert man sich auch über Michelle Williams. Mit leiser, piepsiger Stimme und dummem Gesichtsausdruck legt sie ihre seltsam entrückte, aber wunderschöne Firmenchefin als deutliche Karikatur an. Ein Moment von Camp, der dem Film insgesamt gutgetan hätte.

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