Usedom - Der freie Blick aufs Meer

Dokumentarfilm | Deutschland 2017 | 100 Minuten

Regie: Heinz Brinkmann

Eine unaufgeregte Bestandsaufnahme der aktuellen Lage auf der Insel Usedom, die mit ihren Stränden und alten Seebädern noch immer als Touristenattraktion gilt. Neben einem Rückblick auf die Anfänge des Fremdenverkehrs wartet der Film mit Aussagen zahlreicher Inselbewohner auf, wobei Probleme wie Arbeitslosigkeit und Strukturschwäche nur am Rande vorkommen. Als Abschluss einer Trilogie von Usedom-Filmen ist er vor allem dort treffend, wo er die Goldgräberstimmung nach dem Mauerfall mit den heutigen Verhältnissen vergleicht.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2017
Regie
Heinz Brinkmann
Buch
Heinz Brinkmann
Kamera
Thomas Plenert
Schnitt
Gudrun Steinbrück
Länge
100 Minuten
Kinostart
31.05.2018
Fsk
ab 0
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Dietmar Spiller liegt an einem FKK-Strand der Insel Usedom, blinzelt in die Sonne und winkt dem Eisverkäufer zu, der mit seinem motorisierten Wägelchen vorbeizockelt. Früher, wie man in einer Szene aus dem Jahre 1991 sieht, hat der heute 66-Jährige selbst den Urlaubern auf einem Handkarren Erfrischungen serviert. Ein Pionier des freien Unternehmertums auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Reich ist er damit nicht geworden, aber er ist mit sich und der Welt auf Usedom zufrieden. „Wer sich hier nicht wohlfühlt“, sagt Spinner, „hat was falsch gemacht.“

Der Rentner ist einer von vielen Bewohnern Usedoms, die in dieser Bestandsaufnahme der zweitgrößten deutschen Insel zu Wort kommen. Für den Regisseur Heinz Brinkmann, selbst auf der Insel geboren, ist die Dokumentation nach „Usedom – Ein deutsches Inselleben“ (1992) und „InselLicht – Usedomer Bilder“ (fd 37 293) der Abschluss seiner „Usedom-Trilogie“. Bei seinem Streifzug konzentriert sich der Filmemacher auf die ehemaligen Kaiserbäder wie Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck als touristische Hauptattraktionen. Mit Hilfe von Fotos, Postkarten und bewegten Archivbildern wird die ruhmreiche Geschichte der Orte mit ihren Seebrücken und Prachtbauten aus der Gründerzeit anschaulich gemacht.

Durch Sequenzen aus dem ersten Film von 1992 wird aber auch die chaotische Goldgräberstimmung nach der Wende nachvollziehbar, als Investoren zahlreiche historische, aber heruntergekommene Villen kauften, abrissen und durch uniforme Appartementhäuser und Hotels ersetzten. Die Bausünden jener Jahre sind vielen Usedomern auch heute noch ein Graus. Andererseits bietet der Tourismus eine enorm wichtige Einnahmequelle für die Insulaner. Doch Probleme wie Arbeitslosigkeit und Strukturschwäche kommen im Film allenfalls am Rande vor. Die meisten Gesprächspartner, vom Fischbudenbetreiber über einen Hotel-Direktor und einen Immobilienmakler bis zum Bürgermeister, haben vorwiegend Positives zu berichten. Zwischendurch rückt die Dokumentation die Teilung der Insel ins Bild, begleitet eine Hotelangestellte von ihrem deutschen Arbeitsplatz in ihre Wohnung im polnischen Świnoujście oder folgt einem Fischhändler aus Ahlbeck auf dessen Einkaufstour im Nachbarland.

Gelegentlich meldet sich der Filmemacher selbst zu Wort, streut Erinnerungen an seine Kindheit ein oder gibt seine Sicht der aktuellen Situation zum Besten. Das ist alles nicht spektakulär, aber sympathisch unaufgeregt wie der gesamte Film, der immer wieder auch die beträchtlichen Schauwerte der Insel ins Bild rückt, ohne deshalb gleich zum Werbefilm für die Tourismusindustrie zu verkommen. Bisweilen darf sogar geschmunzelt werden. Wo ein IT-Manager 1991 auf einem freien Feld steht und großspurig die Errichtung eines gigantischen Kongresszentrums mit allen Schikanen ankündigt, sieht man heute in gleicher Kameraeinstellung noch immer freies Feld.

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