Asche ist reines Weiß

Drama | VR China/Frankreich/Japan 2018 | 136 (Festivalfassung: 150) Minuten

Regie: Jia Zhang-Ke

Anfang des 21. Jahrhunderts träumt die Geliebte eines Gangsters in einer nordchinesischen Provinz von der Kraft der Liebe, die allen Widerständen trotzt. Deshalb rettet sie ihm das Leben und wandert klaglos fünf Jahre lang ins Gefängnis, muss dann aber entdecken, dass der Mobster zum Büttel des Geldes geworden ist. Weitere 12 Jahre später haben sich die Verhältnisse noch einmal verkehrt. Das epische Liebesdrama kreist um eine ungebrochene Protagonistin, die auch in ihren Niederlagen nicht untergeht, selbst wenn der Preis dafür Einsamkeit ist und einen Platz am Rande der alten Welt bedeutet. Mit dokumentarischem Gestus und einer grandiosen chronistischen Beiläufigkeit handelt der Film von der Kraft der Fiktionen, lotet auf dem schmalen Grat zwischen Melancholie und Zukunftsdenken aber auch die bislang meist übersehene Rolle der Frauen aus. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
JIANG HU ER NV
Produktionsland
VR China/Frankreich/Japan
Produktionsjahr
2018
Regie
Jia Zhang-Ke
Buch
Jia Zhang-Ke
Kamera
Eric Gautier
Musik
Lim Giong
Schnitt
Matthieu Laclau · Lin Xudong
Darsteller
Zhao Tao (Qiao) · Liao Fan (Bin) · Xu Zheng · Casper Liang · Feng Xiaogang
Länge
136 (Festivalfassung: 150) Minuten
Kinostart
28.02.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm
Diskussion

Episches Liebesdrama in drei Kapiteln über eine junge Frau und einen Gangster aus einer nordchinesischen Provinz, deren Vorstellungen von Treue und Loyalität binnen knapp zwei Jahrzehnten auf extreme Proben gestellt werden.

Der Originaltitel des betörend durch die jüngere chinesische Vergangenheit treibenden Gangsterdramas „Asche ist reines Weiß“von Jia Zhang-ke lautet grob übersetzt „Kinder des Jiang Hu“. „Jiang Hu“ bedeutet so viel wie „Flüsse und Seen“, ist aber auch ein Pendant für wilde Regionen und der fiktive Ort vieler Wuxia-Geschichten. Ein Raum, auf den Qiaound Bin, das verlorene Liebespaar des Films, immer wieder Bezug nimmt, wenn sie betonen, dass sie außerhalb des Gesetzes nach eigenen Regeln leben würden.

„Jiang Hu“ als Ehrenkodex einer verschwindenden Welt. Auch der Film treibt wie ein Fluss dahin, mal reißend, mal sanft, mal tief, mal von kantigen Felsen durchsetzt, bis einem zusammen mit der Protagonistin Qiao klar wird, dass man nie zweimal in den gleichen Fluss steigen kann. Eigentlich bleiben die Gefühle gleich, aber gesellschaftliche und ökonomische Transformationen ändern alles.

Der Chronist des modernen Chinas

Jia Zhang-ke, der sich als herausragender Chronist des modernen Chinas etabliert hat und inzwischen aus dem System heraus erstaunlich unberechenbare Filme dreht, hat diesen Titel nicht willkürlich gewählt. Es geht ihm wie so oft um den Einfluss von Fiktionen. Bin (Liao Fan

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