Animation | China/USA 2018 | 82 Minuten

Regie: Christopher Jenkins

Ein leichtsinniger Ganter verpasst den Abflug seiner Gänseschar Richtung Süden und muss wegen eines lahmen Flügels zu Fuß hinterherreisen. Dabei hat er bald zwei auf sich allein gestellte Entenküken im Schlepptau, mit denen zusammen er viele Abenteuer bestehen muss. Hoffnungslos mit Figuren und Schauplätzen überfrachteter Animationsfilm, der mit wenig markanten Charakteren, enervierend unkomischen Dialogen und redundanten Gags sein Potential verschenkt. Durch den Mangel an Identifikationsfiguren und unheimliche Szenen zielt er außerdem an seinem jungen Zielpublikum vorbei. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
DUCK DUCK GOOSE
Produktionsland
China/USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Christopher Jenkins
Buch
Christopher Jenkins · Rob Muir
Musik
Mark Isham
Schnitt
Lisa Linder
Länge
82 Minuten
Kinostart
09.08.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Animation | Familienfilm | Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Universum (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Universum (16:9, 2.35:1, dts-HDMA engl./dt.)
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Überfrachteter Animationsfilm über die Reise eines verletzten Ganters und zwei Entenküken nach Süden, der an profillosen Charakteren und witzlosen Dialogen scheitert.

Diskussion

2016 wurde „Angry Birds“ (fd 43 896), die US-amerikanisch-finnische Adaption des gleichnamigen Games, zum Überraschungserfolg an der Kinokasse, sodass es wohl im Herbst 2019 sogar eine Fortsetzung des Animationsabenteuers geben wird. Eine Flugshow der ganz anderen Art präsentiert nun Christopher Jenkins mit „Gans im Glück“. Der deutsche Verleihtitel legt Ähnlichkeiten zu dem bekannten Grimm’schen Märchen „Hans im Glück“ nahe, doch Parallelen sind allenfalls beim Titelcharakter des Films erkennbar, der – ähnlich wie bei Grimm – eine Selbstfindungsreise durchmacht.

Hauptfigur von Jenkins’ erster Regiearbeit ist Peng, ein junger, arroganter Ganter, der aus jugendlichem Leichtsinn heraus den Abflug seiner Gänseschar Richtung Süden verpasst hat. Von einem lahmen Flügel gehandicapt, muss er nun versuchen, dem nahenden Winter zu entkommen und seinen Artgenossen per pedes zu folgen (dabei kommt er kurioserweise genauso schnell voran wie seine fliegenden Kollegen). In seinem Schlepptau befinden sich zwei ebenfalls auf sich allein gestellte, flugunfähige Entenküken, die in Peng so etwas wie eine Ersatzmutter sehen. Und so begeben sie sich zu dritt auf einen Trip, der viele Abenteuer bereithält und bei dem die Beziehung des ungleichen Trios immer wieder auf eine harte Probe gestellt wird.

Jenkins mag zwar ein Regienovize sein, er hat aber bereits in verschiedensten Positionen bei Disney-Produktionen wie „Aladdin“ (fd 30 525), „Pocahontas“ (fd 31 616) oder „Der Glöckner von Notre Dame“ (fd 32 256) mitgewirkt. Zuletzt fungierte er als Produzent von DreamWorks’ „Home – Ein smektakulärer Trip“ (fd 42 995). Allerdings scheinen ihm seine 30 Jahre an Erfahrung nur bedingt von Nutzen gewesen zu sein. Denn „Hans im Glück“ besitzt vor allem eines, und das ist von allem zu viel. Er ist hoffnungslos überfrachtet mit Figuren und Schauplätzen, während die Geschichte im Fünf-Minuten-Takt durch Actionszenen (unterlegt von immergleichen Pop-Songs wie aus der Retorte) verhackstückt wird. Ruht einmal die Handlung, liefern sich die Protagonisten nicht enden wollende Dialogscharmützel, die weder besonders komisch noch der Story dienlich sind. Zudem wird jeder Gag solange ausgereizt, bis er seine komische Energie vollends verloren hat. Als Beispiel seien hier die Blähungen einer Horde von Hausschweinen genannt.

Die deutsche Synchronregie und ihre Sprecher geben sich durchaus Mühe, aber mehr als ein im breiten österreichischen Dialekt von Christian Tramitz parlierender Kranich sowie solide Leistungen von Synchronprofis wie Colin Farrells Stimme Markus Pfeiffer als Peng oder Tom Skerritts deutschem Pendant Erich Ludwig als lahme, aber weise Schildkröte Larry ist dabei nicht herausgekommen.

Mit seiner Mischung aus Komödie, Action und Romantik hat „Hans im Glück“ das breite Publikum im Visier. Allerdings ist der Film für Kleinkinder nur bedingt geeignet, denn zu viele Passagen spielen im Dunklen, etwa in einer Höhle oder in einem Hühnerstall. Zudem gibt es einen zähnefletschenden und krallenbewährten Kater mit funkelnden Augen und Persönlichkeitsspaltung, der die Küken fest auf seinem Speiseplan hat, und schließlich landet das putzige Daunenvieh statt im sonnigen Süden beinahe im Kochtopf eines asiatischen Restaurants. Dass sich die Protagonisten, allen voran der selbstverliebte Peng, kaum als Identifikationsfiguren anbieten, macht den Film für Vorschüler ebenfalls nur schwerlich konsumierbar.

„Hans im Glück“ entstand in den chinesischen Studios Original Force Animation. Das heißt: Die Handlung stammt eher aus dem amerikanischen Kulturkreis, während der knallrote Herbstwald und die Natur Chinas Geografie entsprechen, große Mauer inklusive. Dieser Culture Clash wird im Film aber nicht thematisiert und so finden Figuren, selbst wenn einige asiatische Namen tragen, und Hintergrund keine Bindung zueinander. Immerhin beweisen die Leute von Original Force Animation bei den teilweise spektakulären (Formations)-Flugeinlagen, dass sie sich mit ihren „Computer Generated Images“ auf Augenhöhe mit internationalen Standards befinden.

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