Actionfilm | USA 2018 | 113 Minuten

Regie: Ruben Fleischer

Ein Journalist spürt illegalen Experimenten nach, bei denen Menschen durch die Verschmelzung mit einer außerirdischen Lebensform schneller und stärker werden sollen. Bei seinen Recherchen wird der Reporter von einem Symbionten in Beschlag genommen, der aus dem Labor entfliehen will. Die beiden raufen sich zusammen, um der Verfolgung durch die Betreiber zu entgehen, aber auch um die finsteren Pläne anderer Symbionten zu vereiteln. Der Superhelden-Film nimmt sich viel Zeit, um den menschlichen Protagonisten einzuführen, scheitert aber daran, die Alien-Figur ebenfalls interessant zu konturieren. In der zweiten Hälfte verliert sich der Film in uninspirierten, in die Länge gezogenen Actionsequenzen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
VENOM
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Ruben Fleischer
Buch
Scott Rosenberg · Jeff Pinkner · Kelly Marcel · Will Beall
Kamera
Matthew Libatique
Musik
Ludwig Göransson
Schnitt
Maryann Brandon · Alan Baumgarten
Darsteller
Tom Hardy (Eddie Brock / Venom) · Michelle Williams (Anne Weying) · Jenny Slate (Dr. Dora Skirth) · Riz Ahmed (Dr. Carlton Drake) · Michelle Lee (Donna Diego)
Länge
113 Minuten
Kinostart
03.10.2018
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Actionfilm | Fantasyfilm | Horrorfilm | Science-Fiction-Film
Diskussion

Wenn man mysteriöse Stimmen in seinem Kopf hört, ist das nie ein gutes Zeichen. Schon gar nicht, wenn man zuvor in ein Labor eingebrochen ist, in dem mit außerirdischen Symbionten experimentiert wird. Der Enthüllungsjournalist Eddie Brock teilt seit einem heimlichen Besuch bei der dubiosen „Life Foundation“ des skrupellosen Wissenschaftlers Carlton Drake seinen Körper mit einem amorphen Wesen, das ihn zwar stärker und schneller macht, zugleich aber sein ohnehin vermurkstes Leben noch mehr aus der Bahn wirft. Dass die Kreatur, die ihn als unfreiwilligen Wirtskörper nutzt, ständig hungrig ist und seinen Wirt in den unpassendsten Momenten mit dem Drang zur Nahrungsaufnahme nervt, ist dabei noch das geringste Problem. Viel gefährlicher ist, dass Drake den entflohenen Symbionten um jeden Preis wiederhaben will und Eddie sich deshalb im Zentrum einer mit allem technischen Schnickschnack geführten Jagd wiederfindet. Die einzige Chance, dies zu überleben, besteht darin, sich mit dem seltsamen Mitbewohner zusammenzuraufen und als Venom der Gefahr gemeinsam zu begegnen.

Wie bei so manchen Gestalten aus dem Marvel-Universum kommt man auch Venom mit einem simplen Gut-Böse-Schema nicht bei. Die Figur wurde in den 1980er-Jahren als rachsüchtiger Gegenspieler von Spider-Man eingeführt, doch sie entwickelte als Beschützer unschuldiger Bürger bald auch heroische Züge und nahm im Verbund mit unterschiedlichen Wirten immer neue Gestalten an. Der Film, der nun als „Origin Story“ eine eigene Reihe begründen soll, bezieht sich unter anderem auf den 1995 erschienenen Comic-Band „Planet of the Symbiotes“, in dem der Venom-Symbiont als positiver Außenseiter seiner Spezies dargestellt wird, weil er seine Wirtskörper im Gegensatz zu seinen Artgenossen nicht parasitär aussaugen will, sondern eine Verbindung zum beidseitigen Nutzen anstrebt.

„Venom“ erzählt davon, wie das außerirdische Wesen durch die Verschmelzung mit Eddie Brock zu dieser freundlichen Haltung kommt und sich in der Konsequenz daraus nicht nur mit der Life Foundation anlegt, sondern zum Schutz der Erde auch mit den anderen Symbionten, die mit ihm aus dem Weltall hierher gelangt sind.

Wenn Venoms Eddie-Brock-Persönlichkeit zurücktritt und die Alien-Persönlichkeit wie ein Ganzkörperanzug aus muskelstarrendem, schwarzglänzendem Fleisch und einem Maul voller spitzer Zähne an die Oberfläche kommt, mag die Gestalt weniger appetitlich aussehen als Captain America oder Thor; in dem von Ruben Fleischer inszenierten Film zählt sie jedoch eindeutig zur Seite der Guten. Fans der Comics, die auf größere moralische Ambivalenzen und mehr Düsternis gehofft haben, dürften von der relativ zahmen Interpretation der Figur enttäuscht sein, auch wenn die FSK-Freigabe ab 12 angesichts einiger Gewaltszenen arg großzügig erscheint. Die Figur leidet außerdem darunter, dass es zwar gut gelingt, die Alien-Figur mittels CGI visuell umzusetzen, als glibberige Tentakel-Masse, solange sie ohne Wirt ist, und in Symbiose mit Eddie Brock dann in diversen Verschmelzungsstadien; – Drehbuch und Regie aber scheitern daran, Venom als Persönlichkeit interessant zu machen und zu einem starken Gegenüber zu dem von Tom Hardy gewohnt souverän gespielten Eddie aufzubauen. In der Folge verliert der Film zunehmend an Charme, wenn Eddie in den Hintergrund tritt und Alien-Venom die Kontrolle übernimmt.

Fleischer erweist sich zwar als durchaus kompetenter Erzähler, wenn es darum geht, die Figur von Eddie Brock und das fiktive Universum rund um die Life Foundation einzuführen; die Inszenierung gerät aber ins Straucheln, wenn der Film in der zweiten Hälfte immer actionlastiger wird. Der erste Kampf, in dem sich Eddie gegen Drakes Schergen wehren muss und erstmals die Unterstützung von Venom erhält, ist noch einigermaßen pointiert und originell umgesetzt; danach aber geraten die Actionsequenzen zu breit ausgewalzten Geduldsübungen, bis hin zu einem völlig missglückten Finale, das als gewaltige CGI-Alienglibberwolke über die Leinwand zuckt, ohne dass sich mitverfolgen ließe, was da eigentlich vor sich geht.

Es bleibt zu hoffen, dass das Potenzial der Venom-Figur in weiteren Filmen besser ausgeschöpft wird. Vielleicht wächst sie ja an ihrem Gegenspieler: Während der von Riz Ahmed gespielte Carlton Drake ein arg blasser Kontrahent bleibt, hinterlässt ein Auftritt von Woody Harrelson am Ende des Films einen Eindruck, der Lust auf mehr macht.

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