RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit

Dokumentarfilm | USA 2018 | 98 Minuten

Regie: Betsy West

Leben und Wirken der US-Juristin Ruth Bader Ginsburg, die 1993 als zweite Frau in den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten berufen wurde. Der aus bewundernder Sicht konzipierte Dokumentarfilm zeichnet den beruflichen wie privaten Weg der Jura-Professorin nach, die mit ihren wegweisenden Urteilen eine juristische Gleichberechtigung der Geschlechter in den USA mit auf den Weg brachte. Trotz der allzu demonstrativen Huldigung an den Pop-Status der Rechtsgelehrten ist der Film ein hochinteressantes, zur Reflexion anregendes Porträt einer von ihrer Aufgabe geradezu besessenen Frau. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
RBG
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Betsy West · Julie Cohen
Buch
Betsy West · Julie Cohen
Kamera
Claudia Raschke
Musik
Miriam Cutler
Schnitt
Carla Gutierrez
Länge
98 Minuten
Kinostart
13.12.2018
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Man merkt „RBG“ an, dass er weniger als strikt organisierte Dokumentation, sondern mehr aus schierer Bewunderung entstanden ist. Einer Bewunderung für eine ungewöhnliche Frau, ihre Intelligenz, ihren unverhandelbaren Einsatz für die Frauenrechte und ihre Bescheidenheit im Auftreten. Die US-Juristin Ruth Bader Ginsburg, die als zweite Frau in den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten berufen wurde, ist trotz ihres Alters von 85 Jahren eine Ikone junger Amerikaner. Die Menschen kennen ihren Namen und ihre Bedeutung, wie sie den Namen von Martin Luther King kennen. Sie tragen ihr Konterfei auf T-Shirts, äußern ihre Verehrung auf Twitter und identifizieren die Abkürzung ihres Namens, RBG, mit der beispielhaften Standfestigkeit einer Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen, wie sie in den USA und vielleicht auf der Welt ihresgleichen sucht. RBG ist zum Bestandteil der Popkultur geworden. Niemand wundert sich darüber, dass über sie endlich auch ein Film gedreht wurde. Doch wie macht man einen Film über die Repräsentantin einer noch vor wenigen Jahrzehnten unpopulären Ideologie, über eine stille, aber unnachgiebige Revolutionärin, über eine hochgebildete Juristin, die Gleichberechtigung nicht durch Aufstände und Protestaktionen erzwingt, sondern durch ihre intellektuelle Überzeugungskraft im höchsten Gremium der amerikanischen Rechtsprechung? Die Filmemacherinnen Betsy West und Julie Cohen entschieden sich dafür, die Gegner von Ginsburgs Philosophie erst gar nicht bekehren zu wollen. Ihr Film widmet sich vielmehr aus voller Überzeugung und ganzem Herzen dem Leben einer Frau, deren Denken und Handeln die US-amerikanische Rechtsprechung und damit die Lebensverhältnisse verändert haben. Sie sind klug genug, die rechte Opposition, die Ginsburg ablehnt und als Bedrohung der USA betrachtet, nicht zu dämonisieren. Ihr Film ist zwar parteiisch, aber nicht polemisch. Die Dokumentaristinnen waren sich augenscheinlich auch bewusst, dass ein Film, dessen Sujet die intellektuelle Auseinandersetzung mit einem gravierenden gesellschaftlichen Problem impliziert, es nicht bei der juristischen Diskussion belassen darf, wenn er das Publikum nicht verlieren will. So wird bei allem Gewicht, das den entscheidenden Stationen von Ginsburgs Karriere und ihren wichtigsten Fällen eingeräumt wird, nie vergessen, die Ehefrau, Mutter und Großmutter mit vorzuzeigen. Die trockene, mit Worten sparsame Juristin nimmt dadurch im Verlauf des Films menschliche Züge an. Aus dem vertrauten Bild der wegweisenden, im US-amerikanischen Rechtssystem geradezu revolutionären Richterin schält sich allmählich eine zerbrechlich wirkende, aber willensstarke Frau heraus, die auch in ihrem Privatleben praktiziert, was sie hinter dem Richtertisch als unverzichtbares Recht verteidigt. Man könnte die Bewunderung, die der Film ausstrahlt, auch als eine Art Hagiografie interpretieren; doch wer mit den Mitteln eines Filmporträts ein breites Publikum zum Nachdenken über eines der wichtigsten politischen Themen der letzten hundert Jahre bewegen will, dem bleibt kaum eine andere Wahl, als die Zuschauer zunächst für die greifbare Gestalt zu begeistern, die mit ihrem Leben und Wirken zum Symbol einer Bewegung wurde, deren Ende noch keineswegs abzusehen ist.
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